Vorhofflimmern – Wie entsteht es und wie lässt es sich behandeln?


Vorhofflimmern ist die am weitesten verbreitete Herzrhythmusstörung in Europa. Rund sechs Millionen Menschen sind davon betroffen. Oft merken Betroffene gar nicht, wenn sie unter einem Vorhofflimmern oder Vorhofflattern leiden. Doch das kann sehr gefährlich werden. Wir sagen Ihnen deswegen, wie sie ein Vorhofflimmern erkennen können und wie sich dieses behandeln lässt.

Was versteht man unter Vorhofflimmern und Vorhofflattern?

Das Vorhofflimmern bezeichnet eine Herzrhythmusstörung, bei der die Ausbreitung der elektrischen Reize im Herzen gestört ist. Die Störung hat zur Folge, dass das Herz unregelmäßig schlägt. Viele Betroffene merken überhaupt nicht, wenn sie an Vorhofflimmern leiden, andere verspüren ein sogenanntes „Herzstolpern“ oder Herzrasen. Wer unter Vorhofflimmern leidet, trägt ein höheres Risiko einen Schlaganfall zu erleiden. Am häufigsten sind ältere Menschen von einem Vorhofflimmern betroffen – bei den über 70-jährigen sind es rund zehn Prozent. Bei einem Vorhofflattern handelt es sich auch um eine Herzrhythmusstörung, die oft als Folge von Herzerkrankungen oder Einfluss von Medikamenten auftritt. Hier leiden die Betroffenen unter Herzrasen, Atemnot und Schwindel.

Wie können Vorhofflimmern und Vorhofflattern entstehen?

Im rechten Herzvorhof befindet sich der sogenannte Sinusknoten. In diesem bildet sich ein elektrisches Signal, welches über ein Reizleitungssystem in die Herzkammern weitergeleitet wird. Dadurch wird unser Herzschlag ausgelöst. Bei einem Vorhofflimmern entstehen viele kreisende elektrische Erregungen, die teilweise auch über das Leitungssystem in die Herzkammern geleitet wird. Dadurch wird der Herzrhythmus unregelmäßig und ist meistens zu schnell. Durch die kreisenden elektrischen Erregungen werden die Herzvorhöfe nicht ausreichend mit Blut versorgt und das Herz gibt deswegen auch nicht genug Blut ab. Wie genau Vorhofflimmern entsteht, ist nicht ganz klar. Am häufigsten entwickelt es sich im höheren Alter, was auf die sich veränderte Herzstruktur und auf das zunehmend vernarbte Herzgewebe zurückzuführen ist.

Aber auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, Schilddrüsen- und Lungenerkrankungen können zu Vorhofflimmern führen. Das Vorhofflattern tritt häufig als Folge einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, von Entzündungen oder einer Herz-Operation auf.

Welche Symptome treten bei einem Vorhofflimmern auf?

Wie deutlich die Symptome eines Vorhofflimmerns wahrgenommen werden, hängt vom Ausmaß der Herzrhythmusstörungen ab. So kann es sein, dass der Betroffene die Symptome so gut wie gar nicht oder wiederum sehr deutlich wahrnimmt.

Solche Symptome können sein:

  • Starkes Herzklopfen
  • Herzrasen
  • Atemnot

 

Tritt das Vorhofflimmern anfallsartig auf, wird vom paroxysmalen Vorhofflimmern gesprochen. Dieses tritt meistens nur eine kurze Zeit auf und wird oft gar nicht oder nur sehr schwach als Herzstolpern wahrgenommen.

Hier können weitere Symptome hinzukommen:

  • Schwächegefühl
  • Luftnot
  • Herzschmerzen
  • Angstgefühl

Wie lässt sich ein Vorhofflimmern erkennen?

Um sicherzugehen, dass es sich bei den Beschwerden um ein Vorhofflimmern handelt, sollte man sich an einen Kardiologen wenden. Dieser befragt den Betroffenen unter anderem nach Vorerkrankungen, der bisherigen Krankheitsgeschichte oder Faktoren, die das Vorhofflimmern begünstigen können.

Am häufigsten kommt dann bei Vorhofflimmern das EKG, also Elektrokardiogramm, zum Einsatz. Mit dem EKG werden die elektrischen Herzströme über Elektroden, die auf der Brust aufgeklebt werden, gemessen. Manchmal kann es auch sein, dass ein Langzeit EKG durchgeführt werden muss. In diesem Fall wird ein kleines portables EKG um den Hals gehängt, welches ebenfalls auf der Brust mit Elektroden befestigt wird und längere Zeit getragen werden muss. Durch das EKG kann genau festgestellt werden, ob ein Vorhofflimmern oder auch Vorhofflattern vorliegt.

Wie lässt sich ein Vorhofflimmern behandeln?

Sollte sich das Vorhofflimmern aufgrund einer Krankheit, wie einer Schilddrüsenüberfunktion, entwickelt haben, so muss sich zunächst dieser angenommen werden. Häufig bessert sich das Vorhofflimmern auf natürliche Weise dadurch von alleine.

Ist dieses auf keine Erkrankung zurückzuführen, können einige andere Möglichkeiten in Frage kommen:

  • Medikamente
  • Kardioversion
  • Pulminalvenenisolation
  • Vorhofablation
  • Katheterablation

Medikamentöse Behandlung

Verschwindet das Vorhofflimmern nicht von alleine wieder, kommen häufig antiarrhythmische Medikamente zum Einsatz. Durch diese soll das Herz wieder im richtigen Takt schlagen. Diese antiarrhythmischen Medikamente sind sehr wirksam, bringen aber auch einige Nebenwirkungen mit sich. Beispielsweise kann es durch die Medikamente dazu kommen, dass das Herz so langsam schlägt, dass Schwindel oder Müdigkeit die Folge sein können. Auch Depressionen können eine Folge sein. Zudem sollte beachtet werden, dass begleitend zu den antiarrhythmischen Medikamenten, blutverdünnende Medikamente eingenommen werden, da durch das Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko erhöht ist. Welche Medikamente hier in Frage kommen, sollte individuell mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Kardioversion

Zeigen die Medikamente keine Wirkung, kann eine Kardioversion in Frage kommen. Bei einer Kardioversion werden dem Herzen über zwei Elektroden Stromstöße zugeführt. Der Patient ist dabei in Narkose. Durch diese Stromstöße verfällt das Herz häufig wieder in seinen natürlichen Rhythmus zurück.

Pulminalvenenisolation

Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Pulminalvenenisolation. Bei dieser werden einzelne Regionen, die das Vorhofflimmern auslösen, im Herz verödet. Hierfür kommt ein Katheter zum Einsatz, welcher über die Leistenvenen bis ins Herz geführt wird.

Vorhofablation

Helfen diese Möglichkeiten alle nicht, kommt eine Ablation am Herzen, die sogenannte Vorhofablation zum Einsatz. Diese wird operativ durchgeführt und meist nur dann eingesetzt, wenn die anderen Möglichkeiten nicht angeschlagen haben und der Betroffene im Alltag stark durch das Vorhofflimmern eingeschränkt wird. Bei der Ablation bei Vorhofflimmern werden die Strukturen der Vorhofsmuskulatur, welche die Reize weitergeben, punktförmig verödet. Dadurch stirbt das verödete Gewebe ab und kann die Reize nicht mehr weitergeben.

Katheterablation

Wird die Vorhofablation in einer minimal-invasiven Operation mithilfe eines Katheters durchgeführt, spricht man auch von einer Katheterablation. Bei dieser Ablation ist keine chirurgische Operation nötig. Hier setzt der Chirurg einen Schnitt in der Leistengegend, über welchen der Katheter in den linken Herz-Vorhof eingeführt. Auch hier wird ein Teil des Gewebes verödet, sodass keine elektrischen Reize weitergeleitet werden können.

Die Dauer einer Katheterablation hängt von der vorliegenden Rhythmusstörung ab. Nach der Ablation muss zunächst abgewartet werden, ob sich das Gewebe schnell wieder erholt und so wieder elektrische Reize weiterleiten kann. Ist das der Fall, muss erneut behandelt werden. So kann eine Katheterablation schon mal einige Stunden dauern, in der Regel dauert sie aber nicht länger als zwei Stunden.

Nach der Katheterablation muss der Patient ungefähr zwölf Stunden im Bett ruhen, sodass meistens eine Nacht im Krankenhaus verbracht werden muss. Häufig darf er dann aber am Folgetag das Krankenhaus wieder verlassen. Je nach Eingriff können es auch zwei Tage sein, die der Patient im Krankenhaus verbringen muss. Die Kosten einer Katheterablation werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen, es kann aber sein, dass der Patient eine Zuzahlung für den Krankenhausaufenthalt leisten muss. Hier sollte im Vorfeld mit der jeweiligen Krankenkasse gesprochen werden.






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