Antibiotika: Hilfreich bei bakteriellen Infektionen

Mit der Entdeckung der Antibiotika in den 1930er-Jahren war es endlich möglich, die Lebenserwartung der Patienten deutlich zu erhöhen. Die heute verordneten Mittel werden überwiegend aus Bakterien und Pilzen hergestellt und bei den unterschiedlichsten Infektionen eingesetzt.

 

Was sind Antibiotika?

Als Antibiotika bezeichnet man Arzneimittel, die zur Behandlung bakterieller Infektionen geeignet sind. Sie werden aus den Stoffwechselprodukten von Pilzen und Bakterien gewonnen. Neben den synthetisch hergestellten Antibiotika gibt es noch die natürlichen Antibiotika. Antibiotika unterscheiden sich in ihrem molekularen Aufbau und werden daher in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Manche von ihnen sind nur gegen einen oder zwei Erreger wirksam. Andere eignen sich zur Bekämpfung vieler Bakterienarten. Ihre Wirkung beschränkt sich auf Bakterien und einige Einzeller (Protozoen). Das erste zur Behandlung eingesetzte Antibiotikum war Penicillin. Es wurde von dem Mediziner und Bakteriologen Alexander Fleming im Jahr 1928 aus dem Schimmelpilz Penicillium entwickelt. Synthetisch hergestellte Antibiotika sind verschreibungspflichtig.

 

Wirkungsweise von Antibiotika

Antibiotika werden nach ihrer Wirkungsweise in Bakterien abtötende (bakterizide) und das Bakterienwachstum unterdrückende (bakteriostatische) Antibiotika unterschieden. Um die bakterielle Infektion wirkungsvoll zu bekämpfen, erhält der Patient ein bakterizides Mittel wie beispielsweise Penicillin. Dieses zerstört die Zellmembranen und sorgt so für das Absterben der Zellen. Ein bakteriostatisches Antibiotikum beseitigt die Bakterien nicht, hemmt aber ihr Wachstum und damit auch ihre Vermehrung. Dadurch erhält das menschliche Abwehrsystem die Möglichkeit, die Erreger mithilfe spezieller Immunzellen selbst zu zerstören.

Arten von Antibiotika

Antibiotika werden entsprechend ihrem Wirkspektrum unterschiedlichen Arten zugeordnet. Verfügen sie über ein schmales Spektrum, sind sie nur gegen wenige Bakterienarten wirksam. Diese Wirkstoffe schonen die nützliche Bakterienflora des menschlichen Körpers. Breitbandantibiotika sind imstande, diverse Bakterienarten unschädlich zu machen. Sie werden verabreicht, wenn Schmalspektrum-Antibiotika ohne Wirkung bleiben. Sie zerstören oft auch die gesundheitsfördernden Bakterien im Darm. Sind die bei einem Patienten festgestellten Erreger gegen herkömmliche Antibiotika resistent oder ist der Patient an einer seltenen oder schweren Infektion erkrankt, kommen Reserve-Antibiotika zum Einsatz. Sie dürfen nur im Ausnahmefall und bei nachgewiesenen Erregern verordnet werden.

 

Wann Ärzte Antibiotika einsetzen

Stellt der behandelnde Mediziner beim Patienten eine Infektion fest, muss er zuerst herausfinden, ob sie durch Viren, Bakterien oder Pilze verursacht wurde. Er macht einen Abstrich, lässt ihm Blut abnehmen oder verlangt eine Urinprobe. Sekret, Blut und Harn werden im Labor auf das Vorhandensein von Krankheitserregern untersucht. Handelt es sich um Bakterien, legt man mit ihrer Hilfe eine Bakterienkultur an. Nach etwa zwei Tagen bestimmt der Arzt die Gattung und Art des Erregers. Und ihre Reaktion auf unterschiedliche Antibiotika. Ergebnis ist ein sogenanntes Antibiogramm. Dieses zeigt ihm, welches Antibiotikum gegen das Bakterium wirksam ist.

Von Bakterien ausgelöste Infektionskrankheiten sind unter anderem Keuchhusten, Tuberkulose und Scharlach sowie Mandelentzündungen, Hirnhaut-, Lungen-, Harnwegs-, Blasen- und eitrige Hautentzündungen. Für die Verabreichung von Antibiotika gelten strenge Kriterien, die das Auftreten einer Antibiotikaresistenz beim Patienten verhindern sollen. Die Antibiotika Gabe sollte

  • so selten wie möglich und so oft wie nötig erfolgen. Nach Identifizierung des verursachenden Bakteriums darf der Patient das Antibiotikum nicht öfter als vorgeschrieben (Beipackzettel!) einnehmen oder intravenös verabreicht bekommen.

  • so gezielt wie möglich erfolgen, also nach Möglichkeit mit einem Schmalspektrum-Antibiotikum. Ist dies nicht möglich, darf das Wirkspektrum nur so breit wie nötig sein.

  • in der erforderlichen Dosis erfolgen. Bei Nieren- und Leberfunktionsstörungen muss diese individuell angepasst werden.

  • nicht länger als nötig erfolgen. Ist die Infektion abgeklungen, muss das Mittel abgesetzt werden.

Eine vorbeugende Anwendung von Antibiotika empfiehlt sich unter anderem vor orthopädischen, Darm- und Zahnoperationen. Patienten mit geschwächtem Immunsystem müssen die Antibiotika lebenslang zuführen.

 

Antibiotika Formen und ihre Einsatzgebiete

Mediziner unterscheiden 15 Formen (Gruppen) von Antibiotika:

  • Beta-Laktame

  • Glykopeptide

  • Polypeptide

  • Nitroimidazole

  • Fluorchinolone

  • weitere Antibiotika wie beispielsweise Rifampicin

  • Makrolide

  • Ketolide

  • Lincosamide

  • Aminoglykoside

  • Tetrazykline

  • Lipopeptide

  • Oxazolidinone

  • Sulfonamide

  • Diaminopyrimidine

Beta-Laktame, Glykopeptide und Polypeptide hemmen den Aufbau der Bakterienmembran. Zu den Beta-Laktamen gehören Penicilline, Cephalosporine, Monobactame und Carbapeneme. Sie sind bei nahezu allen bakteriellen Infektionen hilfreich. Glykopeptide sind gegen Streptokokken, Staphylokokken, Enterokokken und sogar MRSA wirksam, Polypeptide gegen viele grampositive und gramnegative Bakterien.

Nitroimidazole, Fluorchinolone und Rifampicin zerstören die bakterielle DNA, indem sie Strangabbrüche herbeiführen. Nitroimidazole werden gegen gramnegative Anaerobier und bei Infektionen mit Protozoen (Toxoplasmose) eingesetzt. Fluorchinolone haben ein breites Wirkspektrum und sind bei lebensbedrohlichen Infekten das Mittel der Wahl. Rifampicin gehört zu den Reserve-Antibiotika. Es dient unter anderen der Behandlung von Tuberkulose.

Makrolide, Ketolide, Lincosamide, Aminoglykoside, Tetrazykline, Lipopeptide und Oxazolidinone hemmen die Proteinsynthese im Bakterium. Makrolide werden bei Infektionen durch Streptokokken, Pneumokokken und atypische Pneumonie-Erreger angewendet. Ketolide gehören zu den Breitbandantibiotika. Lincosamide helfen bei Infektionen, die durch Staphylokokken, Streptokokken und Protozoen ausgelöst werden. Aminoglykoside sind unter anderem gegen Pseudomonaden und Enterobakterien wirksam. Tetrazykline werden bei atypischen Pneumonie-Erregern eingesetzt, Lipopeptide gegen multiresistente Bakterien. Oxazolidinone verabreicht man bei Infektionen, die durch diverse grampositive und gramnegative Bakterien verursacht werden.

Sulfonamide stören die Folsäuresynthese des Bakteriums und wirken bei Toxoplasmose, Harnwegsentzündungen und Pneumocystis-Pneumonie. Die Gruppe der Diaminopyrimidine hemmt den Bakterienstoffwechsel und verhindert die Vermehrung verschiedener gramnegativer und grampositiver Bakterien.

 

Was Sie bei der Antibiotika Einnahme beachten sollten

Antibiotika werden in verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Der Kranke nimmt sie in Form von Tabletten mit genügend Wasser ein oder erhält sie als intravenöses Antibiotikum. Für Kinder gibt es Antibiotika als Saft. Bakterielle Hautentzündungen lassen sich mit einer antibiotischen Salbe behandeln. Der Wirkungseintritt erfolgt bei Antibiotika innerhalb von ein bis zwei Stunden. Nach ein bis zwei Tagen bessert sich der Zustand des Kranken. Trotzdem muss die Antibiotika Einnahme in der festgesetzten Dosierung bis zum Ende der Behandlung fortgesetzt werden. Nehmen Sie bitte nur ein von Ihrem Arzt verordnetes Mittel ein. Und konsumieren Sie es genauso wie Ihr Arzt es Ihnen vorschreibt. Dies gilt für die Höhe der Dosis, die Tageszeit und Häufigkeit der Einnahme und die Dauer der Behandlung. Weitere Informationen zur Antibiotika Anwendung können Sie im Beipackzettel nachlesen.

Auch die Umstände der Antibiotika Einnahme spielen für ihre Wirksamkeit eine Rolle. Manche der Mittel sollten in Kombination mit bestimmten Getränken oder Speisen zugeführt werden. Andere wiederum müssen auf nüchternen Magen eingenommen werden, also eine Stunde vor dem Essen oder zwei Stunden danach. Generell gilt, dass Antibiotika nicht zusammen mit Milch und Milchprodukten zugeführt werden dürfen. Möchten Sie unbedingt Milch trinken, tun Sie dies bitte erst drei Stunden nach der Einnahme. Außerdem können Säfte und Alkohol die Antibiotika Wirkung beeinträchtigen. Verzichten Sie am besten während der gesamten Dauer Ihrer Antibiotika Therapie auf Alkoholika. Nehmen Sie Ihre Medikamente bitte stets zur selben Zeit ein. Dies gewährleistet eine gleichmäßige Wirkung des Mittels.

Sind Sie schwanger oder in der Stillzeit, muss Ihr behandelnder Arzt dies wissen, weil es Antibiotika gibt, die die Entwicklung des Fötus schädigen können. Und die mit der Muttermilch in den Körper des Babys gelangen. Damit dies nicht geschieht, erhalten Sie ein Medikament, das unschädlich und gut verträglich ist.

 

Antibiotika bei Kindern

Die Gabe von Antibiotika muss bei Babys und Kindern mit besonderer Vorsicht erfolgen. Um Kindern dennoch die notwendigen Antibiotika verabreichen zu können, bestimmt der Arzt die Dosis entsprechend dem Körpergewicht. Außerdem sind eine kurze Behandlungsdauer, eine höchstens zweimal täglich erfolgende Einnahme und der Geschmack der Antibiotika wichtig. Hat das Kind eine schwere Infektion oder erbricht es, muss das Antibiotikum intravenös verabreicht werden. Für Kleinkinder mit weniger schweren Infektionskrankheiten ist Saft die bessere Lösung.

 

Nebenwirkungen von Antibiotika

Antibiotika haben wie andere Medikamente bestimmte Nebenwirkungen. Welche dies sind und wie oft sie auftreten, hängt vom jeweiligen Antibiotikum und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Zu den am häufigsten vorkommenden Nebenwirkungen gehören:

  • Magen-Darm-Probleme. Unabhängig von ihrer Wirkungsweise lösen viele Antibiotika Durchfall aus. Das liegt daran, dass sie nicht nur die unerwünschten, sondern auch die nützlichen Bakterien im Darm schädigen. Darüber hinaus kann es zu Bauchschmerzen und Übelkeit kommen.

  • Pilzinfektionen der Scheide. Milchsäurebakterien sorgen für ein saures Scheidenmilieu, das für Krankheitserreger lebensfeindlich ist. Werden diese Bakterien jedoch von Antibiotika abgetötet, können sich Hefepilze wie Candida albicans ungehindert vermehren und in der Vagina eine Pilzinfektion auslösen.

  • allergische Hautreaktionen. Manche Patienten reagieren auf die Einnahme von Antibiotika allergisch. Diese Hypersensitivitätsreaktion zeigt sich gleich nach der Zufuhr oder einige Tage danach mit Exanthemen, Nesselsucht und Schwellungen. Im Ausnahmefall kann es sogar zum anaphylaktischen Schock kommen.

  • eine Lichtempfindlichkeit der Haut.

  • Muskel- und Sehnenschmerzen, Sehnenrisse und Nervenschäden. Diese treten insbesondere bei Antibiotika auf, die zur Gruppe der Fluorchinolone gehören. Werden diese Reserve-Antibiotika bei einer harmlosen Blasenentzündung verschrieben, können sie schon nach kurzer Zeit extreme Beschwerden verursachen.

Tritt bei Ihnen eine der genannten Reaktionen auf, konsultieren Sie bitte schnellstmöglich Ihren Arzt. Dieser verordnet Ihnen dann ein Antibiotikum, welches am besten verträglich ist.

 

Wechselwirkungen von Antibiotika

Bei der Einnahme von Antibiotika kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen kommen. So setzen beispielsweise manche Medikamente die Wirkung der Antibabypille herab. Außerdem können Alkohol, Koffein, blutverdünnende Arzneimittel und Magensäure bindende Medikamente zusammen mit Antibiotika Wechselwirkungen auslösen. Achten Sie bitte darauf, dass Sie während Ihrer Antibiotika Therapie möglichst keine Nahrungsergänzungen zu sich nehmen. Wirkstoffe wie Eisen und Magnesium binden sich an Antibiotika und schwächen deren Wirkung ab.

 

Antibiotika und Sport

Hat der Arzt Ihnen Antibiotika verordnet, verzichten Sie bitte auf Ihre gewohnte sportliche Betätigung. Weil Antibiotika auch die Anzahl der nützlichen Darmbakterien reduzieren, wird das zu 80 % im Darm angesiedelte Immunsystem nachhaltig geschwächt. Und der Körper nicht mehr ausreichend mit Vitaminen versorgt. Machen Sie in diesem Zustand auch noch Sport, können sich die Bakterien durch die physische Anstrengung noch besser im Körper verteilen. Im Extremfall kann es sogar zu einer Herzmuskelentzündung kommen. Langsame Spaziergänge ohne starkes Schwitzen sind jedoch erlaubt. Einige Tage nach Absetzen des Medikaments dürfen Sie Ihr Training schrittweise wieder aufnehmen.

 

Was versteht man unter Antibiotikaresistenz?

Der Fachterminus Antibiotikaresistenz bezeichnet die Widerstandsfähigkeit von Bakterien gegenüber Antibiotika. Hat der bei einem Kranken vorhandene Erreger eine Resistenz gegen einen bestimmten Wirkstoff entwickelt, kann das Mittel ihn nicht mehr abtöten oder eindämmen. Eine Antibiotikaresistenz entsteht, wenn der Patient mit einem unterdosierten Wirkstoff behandelt oder die Antibiotika Therapie zu früh beendet wird. Die nicht vollständig beseitigten Erreger haben dann die Möglichkeit, sich genetisch so zu verändern, dass sie den Wirkstoff abschwächen oder komplett neutralisieren. Im schlimmsten Fall entstehen sogar multiresistente Keime.

Heute gibt es immer mehr Bakterienarten, die gegen viele bekannte Antibiotika Resistenzen aufgebaut haben. Um dieser für den infizierten Patienten ungünstigen Entwicklung entgegenzuwirken, geben immer mehr Ärzte nicht sofort die passenden Mittel. Leidet ein Patient beispielsweise an einer Mandelentzündung (Tonsillitis), erhält er anfangs nur ein Medikament gegen seine Schmerzen und wird ärztlicherseits einige Tage beobachtet. Hat er kein hohes Fieber, geht die Infektion oft von allein vorüber. Nur wenn sich sein Zustand verschlechtert, verabreicht man ihm Antibiotika.

 

Was sind natürliche Antibiotika?

Natürliche Antibiotika nennt man gegen Bakterien wirkende Heilpflanzen und Kräuter. Verantwortlich für ihre antibiotische, entzündungshemmende und schleimlösende Wirkung sind ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Flavonoide. Kräuter lassen sich den Mahlzeiten beimischen. Heilpflanzen werden getrocknet und geschnitten als Tee getrunken. Eines der wichtigsten natürlichen Antibiotika ist frischer Salbei. Er eignet sich zur Anwendung bei Mandel- und Rachenentzündungen. Zwiebeln sind gegen Staphylokokken äußerst wirksam. Diese können Durchfall, Hautentzündungen und Erbrechen verursachen. Roh im Salat verzehrt, bessern Zwiebeln Infektionen des Magen-Darm-Trakts. Thymian lindert grippale Infekte. Haben Sie trotz der empfohlenen Anwendung natürlicher Antibiotika anhaltende heftige Beschwerden, suchen Sie bitte umgehend eine Arztpraxis auf.

 

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