Gebärmuttersenkung


Alle Organe haben im Körper einen zugewiesenen Platz, damit sie ihren Funktionen nachkommen können. Um die Organe an Ort und Stelle zu wissen, sind sie durch Muskeln, Bänder, Sehnen, Faszien oder Bindegewebe fixiert. Aufgrund verschiedener Ursachen kann es jedoch zu einer Schwächung dieser Halteapparatur kommen und die Organe bewegen sich mit der Schwerkraft nach unten. Frauen sind davon besonders häufig betroffen. Insbesondere die Organe des Urogenitaltraktes können so weit absinken, dass es manchmal dabei sogar zu einer Ausstülpung der Gebärmutter durch die Scheidenöffnung kommt.

Man spricht dann von einer Gebärmuttersenkung, bei einem Austritt von einem Gebärmutterprolaps oder –vorfall. Die Gebärmuttersenkung kann durch verschiedene Maßnahmen konservativ behandelt werden. Im Falle eines Gebärmuttervorfalls ist die Operation die erste Wahl. Lesen Sie in diesem Artikel alles Wichtige zum Thema Gebärmuttersenkung, deren Ursachen, verbundene Risiken und die Therapiemöglichkeiten.

Die Gebärmutter – der Sitz der Weiblichkeit

Die Gebärmutter, im Fachjargon als Uterus bezeichnet, ist ein Teil der weiblichen Geschlechtsorgane. In dieser nistet sich nach der Empfängnis die befruchtete Eizelle ein und reift zu einem geburtsfähigen Fötus heran. Die Gebärmutter reicht vom Muttermund bis zum Übergang der Eileiter und besteht aus Gebärmutterhals, dem Isthmus (einer Engstelle im Übergang) und dem Gebärmutterkörper. Vor einer Schwangerschaft hat die Gebärmutter die Form einer Birne und ist etwa 7 cm lang, gegen Ende des letzten Trimesters reicht die Gebärmutter an die Größe zweier Fußbälle heran.

Wie alle Hohlorgane ist die Gebärmutter auch aus drei Schichten aufgebaut: Außenhaut, Muskelschicht und innenliegende Schleimhaut. Die glänzende, rutschige Außenhaut verhindert ein Reiben an anderen Organen. Die innenliegende Schleimhaut verändert sich durch verschiedene Hormone und wird zyklisch aufgebaut, um anschließend bei Nicht-Befruchtung durch Zusammenziehen der Muskelschicht wieder abgestoßen zu werden.

Anatomisch betrachtet liegt die Vorderwand der Gebärmutter auf der Harnblase, die Hinterwand auf dem Mastdarm. Alle drei genannten Organe sind miteinander verbunden, da sie vom Bauchfell eingeschlossen sind. Gehalten werden die Bauchorgane vorrangig durch Bindegewebe und Beckenbodenmuskulatur.

Ursachen der Gebärmuttersenkung

Normalerweise werden die Organe des Urogenitaltraktes durch die Beckenbodenmuskulatur und das Bindegewebe gestützt und gehalten. Doch durch einen erhöhten Druck ist es möglich, dass der Halteapparat größeren Belastungen ausgesetzt ist, als er erdulden kann. Dann kommt es zu einer dauerhaften Überdehnung, infolgedessen bilden sich Mikrorisse, die dann narbig abheilen.

Ist dann der Halteapparat aus Beckenbodenmuskulatur und Bindegewebe zu schwach, um die Organe in Position zu halten, kommt es zu einer Gebärmuttersenkung. Dabei sackt auch die vordere Scheidenwand aus. Aufgrund der anatomischen Verbindung treten zudem Harnblase und Mastdarm mit in die Scheidenaussackung ein. Durch die Senkung von Gebärmutter und Scheide verändert sich der Winkel der innenliegenden Organe, sodass die Schließmechanismen von Blase und Darm schlechter funktionieren.

Die Gebärmuttersenkung wird in Grade eingeteilt, wobei Grad 1 und Grad 2 Senkungen ohne Scheidenaustritt bedeuten, es sich bei Grad 3 und Grad 4 um Senkungen mit Austritt aus der Scheidenöffnung handelt. Besonders häufig sind davon Frauen betroffen, welche viele oder sehr schwere Kinder geboren haben. Doch auch Übergewicht, Rauchen, chronische Verstopfung, dauerhaftes Husten und das Tragen schwerer Lasten erhöhen das Risiko, eine Gebärmuttersenkung zu erleiden.

Gebärmuttersenkung Symptome – so können Sie erste Anzeichen sicher deuten

Anfangs macht die leichte Senkung der Gebärmutter kaum Symptome, die meisten Frauen haben unspezifische Rücken- oder Unterleibsschmerzen, die sie meist in Zusammenhang mit der Regelblutung sehen. Im weiteren Verlauf verspüren die meisten Frauen jedoch ein unangenehmes Fremdkörpergefühl in der Scheide, ein Drücken und Ziehen der Scheide nach unten, sowie Schmerzen bei Geschlechtsverkehr.

Die Symptome treten vornehmlich im Stehen, Sitzen oder Gehen auf, im Liegen verschwinden sie oftmals wieder. Sie können die Gebärmuttersenkung ertasten, wenn Sie im Stehen husten und es sich um eine Senkung Grad 2 handelt. Wenn die Gebärmutter oder die Scheide aus der Scheidenöffnung tritt, ist die Gebärmuttersenkung sichtbar. Sie sollten dann alsbald Ihren Frauenarzt aufsuchen.

Welche Risiken birgt eine Gebärmuttersenkung?

Durch das Zurückdrängen der Blase kann es zu Inkontinenzproblemen kommen. Dies macht sich beispielsweise durch den unfreiwilligen Urinabgang beim Niesen, Lachen oder Husten bemerkbar. Doch auch Harnverhalt oder wiederkehrende Blasenentzündungen können Folge einer Gebärmuttersenkung sein. In Zusammenhang mit der Gebärmuttersenkung stehen auch Schwierigkeiten mit dem Stuhlgang, sei es in Form von chronischer Verstopfung oder von unfreiwilligem Stuhlabgang.

Da die Gebärmuttersenkung stets in Verbindung mit einer Scheidensenkung auftritt, kann der Scheideneingang nicht mehr richtig verschlossen werden. Infolgedessen verändert sich die Scheidenflora und der pH-Wert erhöht sich. Dadurch werden Entzündungen in der Scheide begünstigt. Insbesondere bei Frauen in der Menopause ist das Risiko einer chronischen Scheidenentzündung sehr hoch.

Beim Geschlechtsverkehr kann es durch die mechanische Reibung an der gesenkten Gebärmutter zu Verletzungen kommen, sodass Betroffene blutigen Ausfluss aus der Scheide haben. Doch nicht nur körperliche Leiden stehen in Zusammenhang mit der Gebärmuttersenkung, die Betroffenen haben vor allem psychische und soziale Probleme aufgrund vieler Begleiterscheinungen wie Inkontinenz, Infektionen oder Schmerzen beim Sex.

Gebärmuttersenkung Übungen – Hilfe bei leichten Beschwerden

Im Falle einer leichten Gebärmuttersenkung können Betroffene mit Übungen den Beckenboden stärken und damit ein weiteres Sinken verhindern. Bei jüngeren Frauen ist es häufig zu beobachten, dass sich mithilfe eines gezielten Beckenbodentrainings die Senkung wieder vollständig zurückbildet. Diese Beckenbodengymnastik sollten betroffene Frauen unter fachkundiger Anleitung lernen und täglich durchführen.

Auch nach Verschwinden der Beschwerden ist es unablässig, die Muskulatur durch gezielte Übungen zu aktivieren, um eine erneute Gebärmuttersenkung zu verhindern. Vaginalkegel oder Reizstromtherapie kommen bei Frauen mit einer Gebärmuttersenkung Grad 2 zusätzlich zum Einsatz und können die Muskulatur positiv stimulieren. Der Einsatz eines hormonhaltigen Vaginalrings gilt als umstritten, da langjährig zugeführtes Östrogen insbesondere nach dem 30. Lebensjahr als Hochrisikofaktor für Brustkrebs gilt.

Langfristige Hilfe durch eine Gebärmuttersenkung Operation

Wenn die Gebärmuttersenkung Schmerzen verursacht, mit psychischen und physischen Belastungen verbunden ist und die Betroffenen die Familienplanung abgeschlossen haben, so raten die meisten Mediziner zu einer Gebärmuttersenkung Operation. Während früher bei Frauen nach der Menopause die Gebärmutter nach einer Senkung völlig entfernt wurde, wird heute in den meisten Fällen darauf verzichtet. Denn die fehlende Gebärmutter kann Anlass für weitere Senkungen anderer Organe in den Hohlraum sein.

Deshalb existieren heutzutage zwei verschiedene Operationsverfahren: über die Scheide (vaginale OP) oder über die Bauchwand (transkutane OP). Bei der gebärmuttererhaltenden Operation werden die gesenkten Organe wieder in die ursprüngliche Lage zurückgeschoben, die Beckenbodenmuskulatur gerafft und ein Halteband, eine Scheidenplastik oder ein Netz eingesetzt. Die Operation selbst dauert etwa 1 Stunde und kann entweder unter Vollnarkose oder unter örtlicher Betäubung stattfinden. In der Regel können die betroffenen Frauen nach zwei Tagen das Krankenhaus wieder verlassen und sind nach einer Woche wieder vollständig genesen.

Verhalten nach Gebärmuttersenkung OP und Vorbeugung eines erneuten Prolapses

Die Gebärmuttersenkung ist im eigentlichen Sinne keine Erkrankung selbst, sondern ein Symptom des erschlafften Halteapparates im Unterleib. Eine ursächliche Behandlung ist daher nicht möglich, sondern nur eine symptomatische. Damit es nicht immer wieder zu einer Gebärmuttersenkung oder einem Gebärmuttervorfall kommt, ist es wichtig, durch gezielte Maßnahmen nach der Operation vorzubeugen.

Die wichtigste Verhaltensregel nach einer OP ist die Straffung der Beckenbodenmuskulatur. Durch spezielle Übungen wird die Haltemuskulatur gekräftigt und der Beckenboden gestützt. Des Weiteren ist es absolut wichtig, übermäßige körperliche Belastungen wie schweres Heben oder Tragen zu vermeiden. Wenn dies unumgänglich ist, so sollten Betroffene nach einer Gebärmuttersenkung Operation darauf achten, aus der Hocke zu heben, um den Beckenboden zu schonen.

Besonders hilfreich für eine gute Durchblutung der Beckenbodenmuskulatur und für eine Stärkung des Bindegewebes sind Ausdauersportarten ohne Stöße und Erschütterungen. Dazu zählen beispielsweise Schwimmen, Nordic Walking oder Fahrradfahren. Zudem gilt es als obligat, auf ein normales Körpergewicht zu achten und Verstopfungen sowie Husten schnell zu therapieren.

Fazit

Eine Gebärmuttersenkung betrifft etwa jede dritte Frau ab dem 50. Lebensjahr. Dabei sind die Ausprägungen und die Begleiterscheinungen sehr individuell. Während manche Frauen keinerlei Beschwerden durch eine Gebärmuttersenkung verspüren, leiden andere unter Inkontinenz, Schmerzen und Infektionen.

Eine Therapie ist in jedem Stadium möglich, wobei bei Grad 1 und Grad 2 konventionell mit Beckenbodengymnastik sehr gute Erfolge erzielt werden können. Ab Grad 3 kommt eine Operation in Frage, wobei es verschiedene Verfahren gibt. Insgesamt können eine Gebärmuttersenkung wie auch ein Gebärmutterprolaps häufig verhindert oder zeitlich verzögert werden, wenn Frauen frühzeitig mit gezielten Maßnahmen beginnen.






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