Nierenschmerzen erkennen und behandeln

Mehr als 5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Nierenerkrankung und wissen nichts davon.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen verlaufen Nierenerkrankungen anfangs fast symptomlos, sodass die Betroffenen nichts von einer Schädigung merken. Wenn dann Nierenschmerzen auftreten, sind im ungünstigsten Fall viele der winzigen Nierenkörperchen bereits geschädigt. Zum anderen werden Nierenschmerzen oftmals mit Rückenschmerzen verwechselt und fälschlicherweise mit orthopädischen Maßnahmen selbst kuriert. Das kann jedoch fatale Folge haben. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Körperzellen können sich Nierenkörperchen bei einer Schädigung nicht mehr regenerieren.

Daher ist es wichtig, Nierenschmerzen eindeutig zuzuordnen und zu erkennen. Bei einer Erkrankung der Niere sollten Sie rechtzeitig eine Therapie beginnen und gegebenenfalls auch zum Arzt gehen.

Lesen Sie in diesem Beitrag, welche Ursachen Nierenschmerzen haben können, wie die Symptome und die Begleiterscheinungen aussehen und was Sie zur Linderung tun können.

 

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Über die Niere

Der gesunde Mensch hat zwei Nieren, auf denen jeweils eine Nebenniere sitzt. Sie sind rechts und links auf Höhe der untersten Rippe neben der Wirbelsäule in schützende Fettkapseln eingebettet.

Die Nieren bestehen aus winzigen Nierenkörperchen und einem ausgefeilten Tubulussystem.

Pro Minute werden etwa 200 ml Blut vom Herzen in die Nieren gepumpt. Etwa 20 ml dienen der Versorgung der Nieren mit Sauerstoff und Nährstoffen, der Rest, also ca. 180 ml, wird durch die Nierenkörperchen (Glomeruli) gepresst und gefiltert. Die Glomeruli entziehen dem Blut harnpflichtige Substanzen wie Kreatinin und Harnstoff, giftige Stoffwechselendprodukte (beispielsweise aus Medikamenten) sowie Blutsalze. Nach der Filtration gelangt der sogenannte Primärharn in das Tubulussystem, wo er durch Wasserentzug stark konzentriert wird. Über die Nierenbecken gelangt der Endharn dann schließlich in die Harnleiter und zur Blase.

Die Hauptaufgabe der Nieren besteht also darin, das Blut zu reinigen und regulierend auf den Wasser- und Elektrolythaushalt einzuwirken.

Zudem wird dadurch auch der Blutdruck sowie der Säure-Basen-Haushalt beeinflusst. Die Nieren produzieren aber auch einige wichtige Hormone wie Renin und Erythropoetin, was entscheidenden Einfluss auf die Blutbildung, die Knochendichte sowie die Rückkoppelung des Blutdrucks hat.

 

Über Nierenschmerzen

Wenn die Nieren funktionieren, geht es uns gut. Doch bei einer eingeschränkten Funktionsfähigkeit hat dies Auswirkungen auf unseren gesamten Organismus, vom Verdauungstrakt über die Haut bis hin zum Herzen und zur Lunge. Manche Menschen leiden zeitweise unter Nierenschmerzen. Dies kann harmlose Ursachen haben, dann verschwinden sie bei einer geeigneten Therapie schnell wieder.

Doch auch ernsthafte Erkrankungen machen sich im fortgeschrittenen Stadium durch Nierenschmerzen bemerkbar. Wenn die Symptome und die Begleiterscheinungen durch die Behandlungsmaßnahmen nicht verschwinden oder sich sogar verschlechtern, müssen Betroffene unbedingt zum Arzt, da andernfalls bleibende Nierenschäden die Folge sein können.

Generell treten Nierenschmerzen, egal welcher Genese, meist in der Flankengegend auf.

Je nachdem, welche Niere betroffen ist, können die Nierenschmerzen rechts oder links auftreten. Wenn Sie mit der Handkante einen leichten Schlag auf den Flankenbereich unterhalb der letzten Rippe seitlich der Wirbelsäule geben und starke Schmerzen auftreten, ist dies ein Anzeichen für eine renale (die Nieren betreffend) Erkrankung. 

 

Ursachen von Nierenschmerzen

Nierenschmerzen nach einer Blasenentzündung (Zystitis)

Besonders Frauen leiden zeitweise unter einer Blasenentzündung.

Grund hierfür ist die sehr kurze Harnröhre, in die beispielsweise durch die falsche Intimhygiene nach dem Stuhlgang, durch Geschlechtsverkehr oder durch Verschleppung von vaginalen Bakterien während der Periode Erreger sehr leicht eindringen können.

Die häufigste Ursache für Nierenschmerzen nach einer Blasenentzündung ist eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Besonders wenn die ursächliche Zystitis nicht antibiotisch behandelt wurde, ist die Gefahr groß, dass Bakterien aufsteigen und das Nierenbecken infizieren. 

Eine Nierenbeckenentzündung verursacht starke Schmerzen im Nierenbereich, manche Menschen klagen zudem über Fieber, Unterleibsschmerzen und häufigen Harndrang


Nierenschmerzen während der Periode oder in der Schwangerschaft

Es kommt häufig vor, dass Frauen während der Menstruation oder in der Schwangerschaft über Nierenschmerzen klagen.

 Während der Periode handelt es sich in den meisten Fällen um ausstrahlende Unterleibsschmerzen, da die Gebärmutter an vielen Bändern hängt und die Kontraktion während der Periode die Bänder belastet. Durch geeignete Therapiemaßnahmen verschwinden diese vermeintlichen Nierenschmerzen schnell wieder. 

In der Schwangerschaft jedoch ist es möglich, dass der wachsende Fötus Druck auf die Harnleiter oder die Nieren ausübt.

Dies kann Nierenschmerzen links oder rechts verursachen. In einigen Fällen kann es sich bei den Schmerzen sogar um eine Harnstauung im Nierenbecken handeln, weil der Urin nicht mehr ausreichend abfließen kann. Diese Art der Erkrankung äußert sich mit Symptomen wie diffusen Nierenschmerzen, Übelkeit und einer deutlich verringerten Harnausscheidung. Eine Harnstauung muss unbedingt medizinisch behandelt werden. 


Nierenschmerzen bei Menschen mit langfristigem oder übermäßigem Medikamentengebrauch

Schmerzmittel wie Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol aber auch bestimmte Antibiotika wie Amoxicillin, Cephalosporine, Sulfonamide oder Cotrimoxazol können bei einigen Patienten Nierenschäden auslösen. Besonders betroffen sind dabei Menschen mittleren oder höheren Alters, die entweder die jeweiligen Pharmazeutika in sehr hohen Dosen oder die Medikamente über einen langen Zeitraum eingenommen haben. 

Dadurch kann es zu einer Entzündung der Nierenkörperchen kommen – eine Glomerulonephritis. Unbehandelt führt diese Erkrankung zum Untergang der Nierenkörperchen und zum Nierenversagen. Typische Symptome einer Glomerulonephritis sind starke Flankenschmerzen, blutiger Urin sowie häufiger Harndrang.


Nierenschmerzen oder Rückenschmerzen?

Nierenschmerzen können rechts, links oder beidseitig auftreten. Während Rückenschmerzen vor allem bei Bewegung deutlich spürbar sind und dadurch die Mobilität einschränken, treten Nierenschmerzen phasenweise bewegungsunabhängig zu Tage. Zudem werden Nierenschmerzen deutlich stärker, wenn Druck auf die Nierenregion ausgeübt wird. Rückenschmerzen aufgrund von Bandscheibenvorfällen oder Wirbelentzündungen hingegen verstärken sich nicht bei einem leichten Schlag auf die Flanken. 

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie an einer Nierenerkrankung oder an Rückenschmerzen leiden, gehen Sie besser einmal mehr als einmal weniger zum Arzt. Schon ein einfacher Urintest oder ein Ultraschall kann Aufschluss geben, ob es sich bei Ihren Beschwerden um Nierenschmerzen oder Rückenschmerzen handelt. Die daraus resultierende Therapieempfehlung unterscheidet sich grundlegend.


Nierenschmerzen während eines grippalen Infektes

Bei einer Erkältung treten meist Symptome wie Schnupfen, Husten und Müdigkeit auf.

Wenn die Erkältung nicht auskuriert sondern verschleppt wird, können die Erreger von den oberen Atemwegen in tiefe Ebenen wandern und eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung verursachen. Dabei entzündet sich die Schleimhaut der Bronchien oder der Lunge. Diese Erkrankungen sind schwerwiegender und müssen immer medizinisch behandelt werden. 

In einigen Fällen treten beim Husten oder beim Atmen Schmerzen im Bereich der Nieren auf. Das ist deshalb möglich, da bei der Atmung das Zwerchfell involviert ist und dieses eng an die Nieren grenzt. Nierenschmerzen beim Husten oder beim Atmen sind nicht auf eine Erkrankung der Nieren zurückzuführen, sondern Ausdruck eines Infektes der unteren Atemwege. In der Regel kommen Fieber, Abgeschlagenheit und Schüttelfrost hinzu und machen die Vorstellung beim Arzt notwendig.


Nierenschmerzen mit Kolik und schwerem Krankheitsgefühl

Nierensteine sind Salzablagerungen, die sich zu steinähnlichen Gebilden formen und sehr hart sind.

Meist entwickeln Männer deutlich häufiger Nierensteine als Frauen, da diese aufgrund ihrer Ernährung eher zu Steinbildung neigen. Handelt es sich um kleine Steine, werden diese als Nierengrieß bezeichnet. 

Wenn die Nierensteine das große Nierenbecken, indem sie sich bilden, verlassen, können sie die engen Harnleiter oder die Harnröhre verstopfen. Es kommt dann zu einem akuten Nierenstau. Dieser äußerst sich in einseitigen oder beidseitigen kolikartigen Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit und einem schweren Krankheitsgefühl. Eine Nierenkolik muss schnellstens medizinisch behandelt werden, um die betroffene Niere zu erhalten. 


Wiederkehrende Nierenschmerzen mit mannigfaltigen Begleiterscheinungen

Treten Nierenschmerzen nur zeitweise auf und werden sie von Symptomen wie Ödemen, Bluthochdruck, blutigem Urin, Müdigkeit oder gelegentlichen Fieberschüben begleitet, sollten Sie einen Arzt konsultieren.

Denn schwere Erkrankungen wie die polyzystische Nierenkrankheit, Nierenkrebs und Niereninsuffizienz zeigen im Anfangsstadium keinerlei Symptome, bei fortgeschrittenen Stadien jedoch machen diffuse Symptome auf die Krankheit aufmerksam. Um eine Dialysepflicht hinauszuzögern, ist es unabdingbar, rechtzeitig eine Therapie einleiten zu lassen.

 

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Nierenschmerzen: Ab wann zum Arzt?

Bei Nierenschmerzen sollten Sie immer einen Nephrologen oder Ihren Hausarzt konsultieren, um die Ursache abklären zu lassen.

In einigen Fällen helfen Hausmittel und Ruhe, bei schweren Erkrankungen bedarf es jedoch zusätzlicher medikamentöser Therapie. Unbehandelte Nierenerkrankungen können im schlimmsten Fall zum Niereninfarkt oder dem Verlust der Niere führen. Auch lebensbedrohliche Zustände sind bei einer Nierenerkrankung nicht auszuschließen. 

Besonders dringend ist der Arztbesuch, wenn:

  • Nierenschmerzen über Tage anhalten und sich verschlimmern

  • der Urin blutig ist

  • Fieber, Schüttelfrost und Nierenkolik hinzukommen

  • der Urin nahezu ausbleibt

  • Herzrhythmusstörungen, Schwindel oder Bewusstseinsstörungen hinzukommen

  • Ödeme in den Beinen auftreten

 

Nierenschmerzen behandeln

Schmerzen im Nierenbereich müssen abgeklärt werden. Denn der Mediziner wird in der Regel erst einmal eine ursächliche Therapie einleiten und anschließend symptomatische Maßnahmen vorschlagen.

Nierenschmerzen, die auf einer bakterielle Entzündung fußen, müssen antibiotisch behandelt werden. Unter der Therapie lassen die Schmerzen schnell nach und auch die Begleiterscheinungen verschwinden. Das Antibiotikum muss unbedingt so lange eingenommen werden, wie der Arzt es verordnet hat, da andernfalls die Bakterien eine erneute Infektion hervorrufen können. Für Frauen während der Schwangerschaft gibt es spezielle Antibiotika, die auch für den Fötus verträglich sind und keine Schäden verursachen. Die Komplikationen, welche durch eine unbehandelte Nierenentzündung entstehen, wären für das ungeborene Kind weitaus größer.

Nierengrieß geht durch eine hohe Flüssigkeitsaufnahme und einer geeigneten Diät von selbst ab. Nierensteine hingegen müssen mithilfe einer Stoßwellenlithotripsie zerstört werden, damit sie der Körper über die Harnwege ausscheiden kann. Dieses Verfahren ist eine ambulante Maßnahme, die schnell zum Erfolg führt.

Schwere Erkrankungen, wie die Glomerulonephritis, die polyzystische Nierenkrankheit, Nierenkrebs und Niereninsuffizienz verlangen nach einer umfassenden Therapie, die nicht selten monatelang bis lebenslänglich andauert. Ein Nephrologe in Ihrer Nähe wird Sie bei Vorliegen einer schweren Nierenerkrankung in Behandlung nehmen und die beste Therapie für Sie zusammenstellen.

 

Hilfe und Hausmittel bei Nierenschmerzen

Wärme in Form einer Wärmflasche, einer Rotlichtlampe oder eines Moorkissens hilft, den Schmerz zu lindern. Zudem bewirkt die Wärmeanwendung Entspannung und fördert die Durchblutung. Infolgedessen werden Erreger oder Steine besser ausgeschieden.

Flüssigkeit hilft, die Nieren zu spülen. Dadurch können zum einen Erreger schneller ausgeschieden werden, zum anderen wird Nierengrieß verdünnt, bevor er sich zu Nierensteinen entwickelt. Tee aus Löwenzahn, Brennnessel oder Birkenblättern ist für die harntreibenden, entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften bekannt. Versuchen Sie deshalb, unterstützend Tee aus diesen Extrakten zu trinken. 

Menschen mit einer Neigung zu Nierensteinen sollten Lebensmittel mit viel Kalzium, Phosphat, Harnsäure und Oxalat reduzieren. Vor allem schwarzer Tee, Alkohol, Kaffee, Schokolade sowie Fleisch und Käse zählen dazu. 

Wenn es Ihr allgemeiner Gesundheitszustand zulässt, ist Bewegung förderlich. Nach einer Stoßwellenlithotripsie hilft Bewegung sogar, die Steinfragmente zu lösen und auszuscheiden. 

 

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Kurz und knapp

Nierenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. In den meisten Fällen sind Nierenschmerzen das Symptom einer Nierenbeckenentzündung. Doch auch Nierensteine können heftige Nierenschmerzen verursachen. Selten sind schwere Erkrankungen wie Nierenkrebs oder Niereninsuffizienz die Ursache für Nierenschmerzen, denn diese verlaufen anfangs symptomlos und verursachen erst im Laufe der Zeit diffuse Symptome. 

Nierenschmerzen können einseitig, rechts oder links auftreten. In der Regel werden sie von Fieber, Abgeschlagenheit und Übelkeit begleitet. Treten Nierenschmerzen beim Husten, bei der Bewegung oder während der Periode auf, handelt es sich meist nicht um renale Erkrankungen. 

Nierenschmerzen müssen jedoch immer medizinisch abgeklärt werden, da eine unbehandelte Nierenerkrankung zum irreversiblen Untergang von Nierengewebe führt und schwere gesundheitliche Folgen haben kann.

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