Lymphödem

Was ist ein Lymphödem?

ICD-10-GM I89.0-I89.09

Das Lymphsystem gilt als das Abwassersystem unseres Körpers: Flüssigkeit mit Abfallstoffen werden in die Lymphknoten transportiert und gesäubert.

Anschließend kann die Flüssigkeit in den Blutkreislauf zurückgeführt werden. Übersteigt die Flüssigkeit die Kapazität dieses Systems, bilden sich Lymphödeme.

 

Angeboren

Angeborene oder primäre Lymphödeme sind eine angeborene Entwicklungsstörung.

Oft können nur geringe Mengen Gewebsflüssigkeit transportiert werden. Dadurch staut sie sich im gesamten Körper. Am auffälligsten ist dies in den Beinen, die aufgrund der Schwerkraft üblicherweise zuerst anschwellen.

Erworben

Das sekundäre Lymphödem entsteht durch Verletzungen oder die Entfernung von Lymphknoten. Es kann sich jedoch auch durch bösartige Erkrankungen bilden, weswegen Lymphödeme immer ein Verdachtsfall für Medizinier sind.

 

Ursachen und Diagnose

Das primäre Lymphödem entsteht durch genetische Veranlagung. Es gibt eine ganze Reihe von erblichen Krankheiten, die ein Lymphödem verursachen. Oftmals macht sich diese jedoch noch nicht direkt bemerkbar. Nur selten sind bereits Säuglinge betroffen.

Das sekundäre Lymphödem entsteht hingegen erst später, beispielsweise durch Operationen, die Entfernung von Lymphknoten, Adipositas oder venöse Insuffizienz. Neben Verletzungen kann es also auch die Folge von notwendigen Therapien sein.

Üblicherweise können Ärzte ein Lymphödem bereits durch den optischen Eindruck diagnostizieren. Es gibt zudem einige Tests, die bei der Differentialdiagnose helfen. Um eine Blockade zu lokalisieren, können CT oder MRT notwendig werden.

 

Stadien und Symptome

Zu den typischen Symptomen eines Lymphödems gehört eine Schwellung des betroffenen Bereichs. Häufig schmerzt der Bereich und kann nicht mehr uneingeschränkt bewegt werden. Wenn das Ödem bestehen bleibt, schädigt die Flüssigkeit das umgebende Gewebe. Es wird hart und verdichtet sich. Das wirkt sich stark auf die Beweglichkeit und Lebensqualität der Betroffenen aus.

Ein Lymphödem wird in vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium 0 (auch Latenzstadium): Es handelt sich dabei um ein subklinisches Stadium, das noch keine Symptome verursacht.

  • Stadium I: Das Ödem ist weich und die Schwellung kann durch Hochlagern reduziert werden

  • Stadium II: Das Ödem wird durch sekundäre Gewebeveränderungen begleitet. Hochlagern reduziert die Schwellung nicht mehr.

  • Stadium III: Die Schwellung ist hart und deformierend und es zeigen sich häufig typische Hautveränderungen.

 

Wie läuft die Behandlung ab?

Das Lymphsystem ist sehr komplex und ein Lymphödem dadurch in der Regel nicht heilbar. Deswegen konzentrieren Mediziner sich vielfach darauf, vor allem die Symptome zu lindern. Dies erreichen sie durch die Verringerung der Flüssigkeitsansammlung.

Konservativ

Welche Behandlungsmethode Ärzte wählen, hängt auch von der Schwere der Erkrankung an.

Häufig kommt die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) zum Einsatz, die aus verschiedenen Bestandteilen besteht. In frühen Stadien zeigt sich die manuelle Lymphdrainage als sehr wirksam. Patienten müssen die betroffenen Gliedmaßen bewegen. Häufig helfen Kompressionsstrümpfe oder -bandagen dabei, die Lymphe aus dem betroffenen Bereich zu verdrängen.

 

Operativ 

Manchmal kann es notwendig werden, das geschwollene Gewebe zu entfernen, um den Abfluss der Lymphe wieder zu ermöglichen.

Dies ist nur über eine Operation möglich, die Patienten jedoch üblicherweise erst dann angeboten wird, wenn die KPE sechs Monate lang nicht die gewünschten Erfolge zeigte. Es gibt diverse Operationstechniken, die von einer Eröffnung des Ödems zum Entfernen der Flüssigkeit bis hin zur Rekonstruktion und Transplantation von Lymphbahnen reichen.

 

Übernimmt die Krankenkasse die Lymphödem OP-Kosten?

Wenn ein chirurgischer Eingriff medizinisch indiziert ist, übernehmen Krankenkassen die Kosten für eine Lymphödem-Operation.

 

Was kann man selbst dagegen tun?

Bei einem Lymphödem ist Therapietreue entscheidend für die dauerhafte Linderung der Erkrankung. Regelmäßige Anwendungen sind, genauso wie regelmäßiger Sport, unerlässlich dafür, Lymphödeme zu kontrollieren.

Ernährung 

Da Übergewicht die Entstehung von Lymphödemen begünstigt, sollten Betroffene versuchen, Übergewicht zu reduzieren und zu vermeiden.

 

Gibt es Spezialisten für Lymphödeme?

Ärzte

Für Lymphödem ist der Hausarzt üblicherweise der erste Ansprechpartner. Er überweist die Patienten weiter, wenn ihm die entsprechende Spezialisierung fehlt.

Lymphödeme fallen in die Fachdisziplinen Innere Medizin, Angiologie und Dermatologie. Gerade Angiologen können bei weitfortgeschrittenen Lymphödemen häufig weiterhelfen. Die Behandlung erfolgt jedoch häufig durch verschiedene Disziplinen, die Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Chirurgen und bei Krebserkrankungen auch Onkologen.

 

Kliniken

In deutschen Krankenhäusern sind lymphologische Abteilungen selten. Deswegen sollten Patienten die jährlichen Fallzahlen für Lymphödeme beachten.

Wer unter einem Lymphödem leidet, sollte sich für Reha-Maßnahmen an lymphologische Fachkliniken wenden.

 

Über die Autorin

Sarah Kreilaus

Fachautorin für Krankenhaus.de für Themen rund um Gesundheit und Medizin

Zuletzt aktualisiert: August 2022