Meningokokken

Seit vielen Jahren werden die meisten Kinder in europäischen Ländern gegen Meningokokken C geimpft. Die Immunisierung ist dort sogar Grundvoraussetzung für den Besuch von Schulen und Hochschulen. Und das hat einen triftigen Grund. Denn die Verbreitung der Bakterien erfolgt über Tröpfcheninfektion und geschieht sehr rasch. Es wird immer wieder von schweren Krankheitsverläufen berichtet. Auch in Industrieländern mit einer guten ärztlichen Versorgung sterben rund 10 % aller Infizierten, etwa 20 % müssen mit Spätfolgen leben. 

In Deutschland ist nur etwa jedes 5. Kind gegen Meningokokken geimpft. Warum das so ist, darüber können Wissenschaftler nur Mutmaßungen anstellen. Denn seit 2016 empfiehlt die STIKO eine Immunisierung im zweiten Lebensjahr und eine Nachholimpfung für alle älteren Kinder und Jugendlichen.

Weltweit existieren unterschiedliche Arten von Meningokokken und nicht immer gibt es eine Impfung. Ob diese überhaupt sinnvoll ist und wie eine Erkrankung mit Meningokokken verläuft, lesen Sie in diesem Artikel. Erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema Symptome, Behandlung, Folgeschäden, Ansteckung und Impfempfehlung für Meningokokken.

Was sind Meningokokken und welche Erkrankungen verursachen sie?

Meningokokken sind gramnegative Doplokokken, Bakterien des Stammes Neisseria meningitidis. Der Mensch ist der einzige Wirt. Meningokokken siedeln sich vorrangig im Nasen-Rachen-Raum an. Aufgrund der Zusammensetzung werden insgesamt 12 Subtypen unterschieden: A, B, C, E, H, I, K, L, W, X, Y und Z. In den meisten Fällen werden Meningokokken Erkrankungen durch die Serogruppen A, B, C, W und Y verursacht. 

Meningokokken kommen weltweit vor, wobei große Epidemien in erster Linie durch die Subtypen A, B, C, W und X auftraten. Während in der Subsaharazone und in Asien besonders hohe Inzidenzen von Meningokokken Erkrankungen durch Typ A und C zu beobachten sind, entwickeln sich in Europa vorrangig die Serogruppen B und C weiter. Meningokokken Erkrankungen treten vor allem im Winter und Frühjahr auf.

Infektionen sind in jedem Alter möglich, wobei zwei Erkrankungsgipfel nachweisbar sind: in den ersten 4 Lebensjahren und zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr. 

Bei etwa 10 % verursachen sie keine klinischen Symptome, auch wenn die Betroffenen Überträger des Bakteriums sind. Bei ca. 65 % verläuft eine Infektion mit Meningokokken als Meningitis, wobei etwa 1/3 dieser Menschen im Verlauf der Erkrankung eine Sepsis entwickelt.

Bei fast 15 % der Infizierten kann es zum sogenannten Waterhouse-Friderichsen-Syndrom kommen, bei dem die Nebennieren einbluten und was oft zum Tod führt. Bei ca. 25 % geht eine Meningokokken Infektion mit anderen Erkrankungen wie Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung, Arthritis oder Knochenhautentzündung einher. 

Wie werden Meningokokken übertragen?

Außerhalb des Körpers sterben Meningokokken sehr rasch ab, daher ist für eine Infektion ein enger Kontakt Voraussetzung. In der Regel werden die Erreger durch Sprechen, Niesen oder Husten mit Übertragung des Sekretes aus dem Nasen-Rachen-Raum per Tröpfcheninfektion vom Infizierten an einen anderen Menschen weitergegeben. Auch die Übertragung per Schmierinfektion, beispielsweise durch Berührung des Nasensekretes, ist möglich. 

Die Inkubationszeit beträgt zwischen 3 und 10 Tagen. Dann äußern sich in der Regel die ersten Meningokokken Symptome.

Welche Anzeichen macht eine Meningokokken Infektion?

Im Prodromalstadium klagen Betroffene häufig über unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und allgemeine Schwäche. Das Krankheitsgefühl kann sich jedoch innerhalb weniger Stunden zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln.

Eine Meningitis ist gekennzeichnet durch Erbrechen, stärkste Kopfschmerzen, Schwindel, Lichtscheu und Nackensteife. Weiterhin können bei einer Meningokokken Infektion Symptome wie Schläfrigkeit bis hin zum Koma, Krampfanfälle oder Hirnnervenlähmungen auftreten. Kleine petechiale Exantheme und großflächige Hauteinblutungen sind ebenfalls charakteristisch und kündigen meist einen septischen Verlauf an. Hinzu kommen manchmal auch knotig-fleckige Ausschläge. 

Im Falle einer Meningokokken Sepsis werden die Bakterien mit dem Blut im gesamten Organismus verteilt. Die Sepsis ist zuerst durch einen Blutdruckabfall gekennzeichnet. Es kommt zur gestörten Blutgerinnung in verschiedenen Gefäßen und infolgedessen zu Organversagen. Wenn die Nebennierenrinde betroffen ist, spricht der Mediziner vom Waterhouse-Friderichsen-Syndrom. 

Säuglinge und Kleinkinder zeigen weniger charakteristische Anzeichen bei einer Meningokokken Erkrankung. So können Fieber, Reizbarkeit, Schreien, Schläfrigkeit und Krämpfe oft die einzigen Anzeichen sein. Die Nackensteifheit kann fehlen, dafür wölbt sich in manchen Fällen die Fontanelle vor. 

Wie ist der Verlauf der Erkrankung?

In der Regel heilt eine Meningokokken Erkrankung bei Vorliegen von Symptomen nicht ohne medizinische Unterstützung aus. Daher ist es in jedem Fall sinnvoll, bei Verdacht auf eine Meningokokken Infektion sofort einen Arzt zu konsultieren, vor allem da der Zustand des Patienten innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich werden kann.

Etwa jeder 5. Infizierte entwickelt im Rahmen der Meningokokken Erkrankung eine Komplikation. Das reicht von Hirnnervenlähmungen, Halbseitenlähmungen, Epilepsie und Hydrozephalus über Intelligenzminderung und Lernbehinderung bis hin zu Taubheit oder Erblindung. Bei einem septischen Verlauf können die Hauteinblutungen nekrotisieren und eine Amputation notwendig machen. 

In Deutschland werden jährlich etwa 300 Meningokokken Infektion gemeldet, rund 60 Betroffene leiden nach Kuration unter den lebenslangen, schweren Spätfolgen. 

Bei einer isolierten Meningokokken Infektion liegt die Sterblichkeitsrate bei 1 %, im Falle einer Meningokokken Sepsis bei 13 % und bei Vorliegen des Waterhouse-Friderichsen-Syndroms bei mehr als 35 %. 

Wie wird eine Meningokokken Erkrankung behandelt?

Wenn die an Meningokokken Erkrankten keine Symptome zeigen, ist keine Therapie notwendig.

Andernfalls wird bei Verdacht, bzw. nach dem Nachweis aus Blut-, Rachen- oder Liquordiagnostik, eine Therapie mit Cephalosporinen, beispielsweise Ceftriaxon, begonnen. Diese Art von Antibiotika führen zur Keimeradikation. Die Behandlung mit Penicillin hat sich nicht bewährt, da dieses Antibiotikum einerseits die Meningokokken nur supprimiert und andererseits mehrere Penicillin-resistente Meningokokken-Stämme existieren.

Im Falle einer Meningokokken Sepsis oder anderer Komplikationen sind weitere therapeutische Maßnahmen notwendig. Diese umfassen beispielsweise Volumenschocktherapie, Elektrolytersatz, die Behandlung der Gerinnungsstörung oder des Hirnödems, die Therapie bei Epilepsie usw.

Ist Meningitis ansteckend?

Meningokokken sind hochansteckend. Daher müssen Betroffene bei Verdacht auf eine Meningokokken Infektion sofort ins Krankenhaus eingewiesen werden. 

Etwa 7 Tage vor Ausbruch der Meningokokken Erkrankung bis 24 Stunden nach Beginn der Antibiotika-Therapie gelten die Betroffenen als infektiös. Innerhalb dieser Zeit müssen die Erkrankten isoliert werden: strikte Händedesinfektion, Tragen von Schutzkleidung und Verwendung von Einmalhandschuhen sowie gegebenenfalls Benutzen von Atemschutzmasken.

Wenn Betroffene an Meningokokken erkrankt sind oder der Verdacht besteht, dürfen sie keine Gemeinschaftseinrichtungen besuchen, bis sie keimfrei sind. Dies gilt auch für die Angehörigen von Infizierten.

Anhand vieler Metastudien konnte belegt werden, dass enge Angehörige ein hohes Risiko haben, selbst eine Meningokokken Erkrankung zu erleiden. Deshalb wird eine sogenannte Prophylaxe bis maximal 10 Tage nach dem letzten Kontakt zu einem Infizierten empfohlen. Dabei handelt es sich um die prophylaktische Gabe von Rifampicin, Ciprofloxacin oder Ceftriaxon, abhängig von Alter und Gewicht, um die etwaig vorhandenen Keime im Nasen-Rachen-Raum vor Ausbruch einer Meningokokken Erkrankung zu eliminieren.

Wer ist gefährdet?

Prinzipiell kann sich jeder Mensch mit Meningokokken infizierten. Doch bestimmte Personengruppen tragen ein erhöhtes Risiko.

Dazu gehören:

  • Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche

  • Menschen mit Immunsuppression

  • Personen mit chronischen Atemwegs-Erkrankungen

  • Laborpersonal

  • Reisende in epidemische Länder, Entwicklungshelfer, Mekka-Pilger

  • Austauschschüler/-studenten in Ländern mit Impfempfehlung

  • ungeimpfte Kontaktpersonen von Infizierten

Wie kann ich mich und meine Angehörigen schützen?

In Deutschland können Sie sich gegen verschiedene Meningokokken-Stämme impfen lassen: B oder C sowie A, C, W und Y.

Meningokokken Impfung

Die Meningokokken Impfung ist eine Immunisierung mit toten Bestandteilen der Bakterien. Sie regt den menschlichen Organismus an, Antikörper gegen Meningokokken zu produzieren. Nach der aktiven Impfung ist der Körper dann in der Lage, bei einem Kontakt mit Meningokokken die bestehenden Antikörper bereitzustellen und einen Krankheitsausbruch zu verhindern bzw. stark abzuschwächen. 

Heute werden moderne Konjugatimpfstoffe verwendet, weil diese eine stärkere Immunantwort provozieren. Dadurch kann der Körper mehr Antikörper produzieren und der Impfschutz hält länger.

Laut RKI sollten Kinder ab dem 2. Lebensjahr in Deutschland eine Immunisierung mit einem Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff erhalten. Wenn dies versäumt wurde, kann die Impfung bis zum vollendeten 18. Lebensjahr nachgeholt werden. 

Eine Immunisierung gegen Meningokokken der Stämme B und ACWY ist nur für Personen mit einem erhöhten Infektionsrisiko vorgesehen. Dies liegt zum einen daran, dass Daten zur vollständigen Grundimmunisierung noch nicht in ausreichendem Maße vorliegen. Zum anderen können noch keine Aussagen zur langfristigen Immunisierung getroffen werden. Auch die Aussagen zur Effektivität nach einer Impfung gegen die Meningokokken Stämme B und ACWY sind noch nicht eindeutig. Bei Bedarf steht der Impfstoff gegen Meningokokken B jedoch ab dem 2. Lebensmonat zur Verfügung und kann simultan mit anderen Impfstoffen verabreicht werden. Der Impfstoff gegen Meningokokken ACWY kann bereits Säuglingen im Alter von 6 Wochen injiziert werden.

Kostenübernahme

Bei der Impfung gegen Meningokokken C handelt es sich um eine Immunisierung, die von der STIKO empfohlen wird. Daher sind die gesetzlichen Krankenkassen zur Kostenübernahme verpflichtet.

Bei der Vierfachimpfung gegen Meningokokken ACWY und bei der Meningokokken-B-Impfung können sich die Krankenkassen an den Kosten beteiligen, müssen dies jedoch nicht. Bei Risikopatienten und Reiseimpfungen erstatten die Krankenkassen in vielen Fällen die Kosten – Nachfragen lohnt sich.

Hat eine Meningokokken Impfung Nebenwirkungen?

Wie jede andere Impfung auch, kann eine Meningokokken Impfung mit Nebenwirkungen verbunden sein. Zu den klassischen Impfreaktionen gehören neben Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle auch Fieber, Krankheitsgefühl, Magen-Darm-Beschwerden, Muskelschmerzen oder Reizbarkeit. Diese Symptome sind nach einer Impfung vollkommen normal und Zeichen eines aktiven Immunsystems. In der Regel verschwinden die Beschwerden innerhalb weniger Tage wieder. Sie können schmerzlindernde Medikamente einnehmen.

In sehr seltenen Fällen kann es zu einer allergischen Überreaktion gegen den Impfstoff kommen. Diese zeigt sich durch Nesselsucht, Schüttelfrost, Fieberkrämpfe, Ohnmacht oder Sehstörungen. Eine Überreaktion muss in jedem Fall medizinisch behandelt werden. 

Fazit

Meningokokken sind Bakterien, die überall auf der Welt vorkommen und schwere Krankheiten auslösen können.

Zu den häufigsten zählen Meningitis und Sepsis. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder sowie Jugendliche. Meningokokken Erkrankungen sind in Deutschland zwar selten, jedoch geht jede 5. Infektion mit schwerwiegenden, lebenslangen Schäden wie Taubheit, Amputation oder Hirnentwicklungsstörungen einher. Bei einer schweren Sepsis verläuft jede 3. Meningokokken Infektion tödlich.

Während in anderen europäischen Ländern eine Meningokokken Impfung obligat ist, exisitert in Deutschland erst seit 2016 eine Impfempfehlung gegen Meningokokken C im zweiten Lebensjahr. Auch gegen andere Stämme kann geimpft werden, dies geschieht jedoch nach Abwägen des Infektionsrisikos. Informieren Sie sich dazu am besten bei Ihrem Kinderarzt.

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