Tinnitus und Hörsturz: Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

 

Ohrgeräusche kennt eigentlich jeder. Ein lauter Knall kann sie ebenso auslösen wie das Einwirken lauter Geräusche über längere Zeit, wie etwa Maschinen, Fahrzeuge oder auch ein Musikevent. Bestimmte Erkrankungen wie z. B. ein Hörsturz können ebenfalls Ohrgeräusche verursachen. Manchmal entsteht ein sogenannter Tinnitus aber auch spontan ohne nachvollziehbaren Grund. Problematisch wird es für Betroffene, wenn das Geräusch nicht mehr von selbst verschwindet.

 

Ab wann ist ein Tinnitus ein Problem?

Ohrgeräusche sind vor allem nervig, aber ansonsten nicht weiter gefährlich. In den allermeisten Fällen tritt das landläufig auch als „Ohrenklingeln“ bezeichnete Ohrgeräusch nur wenige Minuten auf. Über längere Zeiträume kann ein Tinnitus aber extrem belastend wirken und zu starken Einschränkungen in der Lebensqualität führen. Da die Beeinträchtigung ein sehr subjektives Phänomen ist, das sich zudem diagnostisch oft nicht wirklich nachweisen lässt, stoßen Betroffene in ihrem sozialen Umfeld sowie im Arbeitsleben nicht selten auf Unverständnis.

Insbesondere Kommentare wie „Ich hab auch einen Tinnitus, aber der stört mich nicht“, hilft Betroffenen nicht weiter, die unter ihren Ohrgeräuschen leiden. Tatsächlich gibt es viele Menschen, die über lange Zeit mit einem Tinnitus leben, ihn aber nicht als besonders störend empfinden und sich daran gewöhnt haben. Andere finden kaum noch Schlaf und sind permanent gestresst durch das nicht enden wollende Geräusch im eigenen Ohr. Ob ein Tinnitus ein Problem darstellt, liegt also vor allem im Ermessen des Patienten.

Medizinisch gesehen kann ein Tinnitus allerdings auch der Hinweis auf ein ernsteres Problem sein. Obwohl die Ursache für viele Ohrgeräusche nicht klar identifiziert werden kann, liegt manchmal eine Ursache im Gehirn zugrunde. Das können beispielsweise Veränderungen in den Gefäßen sein oder auch ein Hirntumor, wenngleich dies eher die Ausnahme als die Regel darstellt. Dennoch: Wenn Ihnen ein Tinnitus plötzlich starke Probleme bereitet oder über längere Zeit bestehen bleibt, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden – oder bestimmte Erkrankungen zumindest ausgeschlossen sein.

 

Wie erkennt man einen Tinnitus?

Früher sagten die Menschen, ein Ohrenklingeln weise sie darauf hin, dass andere Menschen an sie denken. Obwohl das lateinische Wort Tinnitus tatsächlich „Klingeln“ bedeutet, nehmen nicht alle Menschen Ohrgeräusche auf die gleiche Weise wahr. Was der eine als Klingeln beschreibt, ist für den anderen vielleicht eher ein Fiepen oder Pfeifen. Doch auch Brummen, Klopfen oder Klickgeräusche fallen unter den Begriff Tinnitus.

Unterschiedlich wird meist auch die Lokalisierung beschrieben. Für den einen Patienten hört es sich an, als entstünde das Geräusch direkt im Kopf, bei anderen fühlt es sich eher wie ein Geräusch von außen an. Bei länger bestehenden Ohrgeräuschen ändern sich bisweilen auch Lautstärke und Intensität.

 

Ist ein Tinnitus immer ein Hinweis auf einen Hörsturz?

Oftmals werden Tinnitus und Hörsturz durcheinandergebracht. Prinzipiell ist es so, dass ein Hörsturz häufig auch einen Tinnitus als Symptom nach sich zieht. Ein isoliert auftretender Tinnitus ist deshalb aber nicht zwangsläufig ein Hinweis auf einen Hörsturz. Auch der Hörverlust, der beim Hörsturz ein Hauptsymptom ist, kann (muss aber nicht) beim Tinnitus auftreten. Ein Hörsturz ist vor allem durch die sehr plötzliche, in der Regel einseitige, Schwerhörigkeit im Innenohr geprägt. Wenn der Hörsturz überstanden ist, klagen viele Patienten anschließend über einen Tinnitus, der fast immer zumindest zeitweise auftritt.

 

Was passiert bei einem Hörsturz?

Das wichtigste Symptom bei einem Hörsturz ist naturgemäß der Hörverlust, der typischerweise auf ein Ohr beschränkt auftritt. In manchen Fällen sind allerdings auch beide Ohren betroffen. Finden sich keine nachvollziehbaren Ursachen für einen derartigen Hörverlust (z. B. lauter Knall oder Explosion, ein Unfall, bestimmte Medikamente mit ihren Nebenwirkungen etc.), sprechen Mediziner von einem idiopathischen Hörsturz. Starke Ohrgeräusche, also ein Tinnitus, werden häufig als Begleitsymptom benannt. Manchmal spüren Betroffene auch ein Druckgefühl („Watte im Ohr“) und neigen zu Schwindel.

 

Typische Symptome für einen Hörsturz

  • spontaner Hörverlust auf einer Seite
  • Druckgefühl auf dem Ohr
  • gedämpfte Wahrnehmung wie mit Watte im Ohr
  • Schwindelgefühl
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Haut im Umfeld des Ohrs fühlt sich leicht taub an

 

Ursachen für einen Hörsturz

Die Ursachen für einen Hörsturz können vielfältiger Natur sein und stellen für Mediziner nach wie vor oft ein Rätsel dar. In vielen Fällen scheint eine Verminderung des Blutflusses im Innenohr ein möglicher Auslöser zu sein. Durch die verminderte Blutversorgung wird auch die Sauerstoffversorgung des Organs reduziert. Dadurch kommt es zu Fehlfunktionen der Sinneszellen im Innenohr, die mit feinen Haaren die Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln. Derartige Funktionsstörungen im Innenohr können allerdings auch durch bakterielle oder virale Infektionen verursacht werden.

Weitere Faktoren sind Entzündungen bei Allergien oder durch Stoffwechselprobleme. Außerdem gelten seelische Belastungen im Berufs- und Privatleben als Stressfaktoren, die zumindest vorübergehend einen Hörsturz auslösen oder seine Folgen verschlimmern können.

 

Wann man mit einem Hörsturz zum Arzt gehen sollte

Manchmal ist beim Thema Hörsturz auch vom „Infarkt des Innenohrs“ die Rede. Dieser technisch korrekte Ausdruck führt manchmal dazu, dass Patienten die Symptome von der Dringlichkeit her mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gleichsetzen. Im Gegensatz dazu gilt ein Hörsturz nicht als Notfall, wohl aber als sogenannter Eilfall. Das bedeutet, dass Sie bei Auftreten der ersten Symptome nicht länger als 48 Stunden warten sollten, bevor Sie einen Arzt aufsuchen.

Danach sinken die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung der Symptome – wodurch die Wahrscheinlichkeit für einen dauerhaften Tinnitus steigt. Sie müssen also nicht in Panik verfallen, wenn Sie glauben, einen Hörsturz erlitten zu haben, aber schieben Sie den Arztbesuch bitte auch nicht auf die lange Bank.

Treten zusätzlich neurologische Symptome auf wie etwa Desorientierung, Sprachverlust, Lähmungserscheinungen etc., müssen Sie sofort zum Arzt – möglicherweise ist Ihr Hörverlust dann die Folge eines akuten Schlaganfalls im Gehirn.

 

Therapie von Hörsturz und Tinnitus

Etwa die Hälfte aller Hörstürze heilt spontan und folgenlos von selbst aus, allerdings können die Ärzte in der Regel nicht vorhersagen, bei welchem Patienten dies der Fall sein wird. Manche Patienten gehen davon aus, dass sie bei einer nur leichten Beeinträchtigung des Hörvermögens auf eine Behandlung verzichten können.

Diese Entscheidung sollte allerdings ein HNO-Arzt treffen. Leider werden viele Behandlungsmethoden gegen Hörsturz von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen – hier muss der Patient abwägen, ob ihm die Behandlung das Geld wert ist.

 

Akutbehandlung bei Hörsturz

Die akute Behandlung eines Hörsturzes richtet sich nach der vermutlichen Ursache. Diese zu ermitteln, ist manchmal das größte Problem. Bei Verdacht auf einen Entzündungsprozess im Innenohr ist eine Behandlung mit abschwellenden und entzündungshemmenden Medikamenten angezeigt. In der Akutbehandlung kommt hierfür meist eine Infusion mit Kortison-Präparaten infrage. Die oft mit Kortison in Zusammenhang gebrachten möglichen Nebenwirkungen sind aufgrund der kurzen Behandlungsdauer zweitrangig und bilden sich normalerweise schnell wieder zurück.

 

Symptomatische Behandlung bei Hörsturz

Manchmal tritt der Hörsturz als Folge einer anderen Erkrankung oder einer Verletzung auf. Dann ist die ursächliche Therapie der Grunderkrankung die wichtigste Maßnahme. Im Falle einer bakteriellen Infektion ist die Gabe von Antibiotika eine übliche Therapie. Bei physischen Verletzungen im Innenohr (die z. B. bei Unfällen oder durch starke Knallereignisse auftreten können), kann der HNO-Arzt ggf. eine Operation empfehlen, um den Riss im Innenohr wieder zu schließen.

Zudem können bestimmte chronische und akute Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs etc. zu einem Hörsturz führen. Die Risikofaktoren für sonstige Gefäßerkrankungen gilt es auch beim Hörsturz zu reduzieren. Das betrifft insbesondere das Rauchen.

 

Krankschreibung bei Hörsturz und Tinnitus

Sowohl nach einem akuten Hörsturz als auch bei einem chronischen Tinnitus kann eine Krankschreibung durchaus sinnvoll sein. Da die Beeinträchtigung höchst subjektiv ist, liegen Krankschreibungen im Ermessen des behandelnden Arztes, der sich hierfür eingehend mit dem Patienten beraten sollte. Nach einem Hörsturz ist fast immer eine Ruhephase zu empfehlen, damit sich der Betroffene erholen kann.

Gerade im Hinblick auf den Einfluss von Stress auf die Erkrankung macht dies Sinn. Der Nachweis eines Tinnitus wird manchmal zum Problem, da sich (abhängig von der Ursache) das Ohrgeräusch oft nicht physisch reproduzieren oder abhören lässt. In diesen Fällen sind Mediziner auf die Beschreibung der Symptome durch die Patienten angewiesen.

Die Dauer einer Krankschreibung kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Von einigen Tagen bis hin zu vielen Wochen ist so gut wie alles möglich. Manchmal sind die Folgen eines chronisch bestehenden Tinnitus nach Hörsturz oder wegen anderer Ursachen so gravierend, dass die Arbeitsfähigkeit und Belastbarkeit der Patienten dauerhaft eingeschränkt ist. Dann ist sogar eine teilweise oder vollständige Erwerbsminderung möglich. Dies betrifft allerdings nur einen kleinen Teil der Betroffenen.

 

Was Sie bei einem Hörsturz und Tinnitus noch tun können

Dort, wo die Symptome nicht mehr ganz verschwinden, wird der Umgang mit ihnen zur wichtigsten Behandlungsstrategie. Medikamente sind dabei nicht das einzige, was bei Tinnitus helfen kann. Psychotherapie oder Entspannungstechniken sind sinnvolle Ergänzungen, die vielen Menschen dabei helfen, mit der Erkrankung umzugehen. Meditation, Verhaltenstherapien und bewusste Stressbewältigung können die Beschwerden lindern oder zumindest so in den Hintergrund drängen, dass sie das Leben der Betroffenen nicht übermäßig einschränken. Wichtig ist vor allem zu Beginn der Erkrankung, sich nicht vom sozialen Umfeld oder dem Arbeitgeber unter Druck setzen zu lassen. Die Zeit für die Genesung sollte sich jeder Betroffene nehmen und daher auch kein schlechtes Gewissen wegen einer Krankschreibung haben. Hin und wieder ist eine Krankschreibung übrigens weder erforderlich noch sinnvoll.

Es gibt Patienten mit Tinnitus, die ihre Ohrgeräusche vor allem in Ruhephasen wahrnehmen und sie eher ausblenden können, wenn sie durch andere Tätigkeiten abgelenkt sind. In diesem Fall wäre es sicher kontraproduktiv, sich wochenlang ins Bett zu legen. Wie bei allen Behandlungen des Tinnitus gilt jedoch, dass Betroffene sich eng mit ihrem Arzt abstimmten sollten. Bisweilen wird der Tinnitus leider zum ständigen Begleiter. Dann müssen individuelle Strategien zum Umgang mit der Erkrankung gefunden werden. Selbsthilfegruppen können hierbei eine große Hilfe sein, denn der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen bringt nicht nur neue Erkenntnisse zu Therapie und Diagnostik, sondern zeigt auch, dass man mit dem Problem nicht alleine auf der Welt ist.

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