Wie Marisol die Leukämie bezwang


Wie Marisol den Krebs bezwang

 

Marisol Bohlig ist 26 und studiert Sozialwissenschaften in Berlin. Bis 2015 führte Sie das ganz normale Leben einer jungen Studentin. Dann wurde bei ihr Leukämie diagnostiziert. Von da an wurde das Leben der jungen hübschen Frau auf den Kopf gestellt. Doch Mari gab nicht auf. Sie startete Aktionen, war schon bei SpiegelTV und erhielt prominente Unterstützung von Jimi Blue Ochsenknecht. Mittlerweile ist sie wieder gesund und arbeitet für den VKS (Verein für Knochenmarks und Stammzellenspende), um weiterhin Aufmerksamkeit auf das Thema Leukämie zu lenken und vor allem so viele Menschen wie möglich dazu zu bringen, sich in der Datenbank zu registrieren.

In diesem Interview spricht sie über Ihre Erkrankung, Ihren Aufenthalt im Krankenhaus, was sie dazu motivierte niemals aufzugeben, und sie verrät uns auch, warum sie im Krankenhaus immer ihren Toaster mit dabei hatte.

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Krankenhaus.de: Hallo Mari! Schön, dass du Zeit für uns gefunden hast. Wie geht es dir?

 

Mari: Es geht mir gut, ich bin gesund. Ob ich auch geheilt bin wird sich bald herausstellen, das ist bei Krebs ja immer so eine Sache.

 

Krankenhaus.de: Erzähl uns deine Geschichte.

 

Mari: 2015 befand ich mich gerade mitten in der Ausbildung zur Erzieherin, und nebenbei studierte ich Psychologie. In der Berufsschule war ich zu dieser Zeit häufig sehr müde. Ich hatte Sehstörungen, blaue Flecken am Körper, Kreislaufprobleme, und bin sogar mal ohnmächtig geworden. Aber ich habe mir nicht so viel dabei gedacht. Es war November, in der dunklen Jahreszeit ist man ja generell ein bisschen müde und weniger fit. Dann stand irgendwann eine Prüfung in der Schule an. Und ich habe es einfach nicht geschafft dafür zu lernen, ich bin dabei immer wieder eingeschlafen. Ich wollte mich dann in Ruhe auskurieren und bin deshalb zum Arzt gegangen, um mich krankschreiben zu lassen. Dem Arzt habe ich alle meine Symptome erzählt.

Auf Drängen des Arztes bin ich dann direkt ins Krankenhaus gefahren, um Bluttest zu machen. Dort habe ich die Ärztin auf dem Flur telefonieren gehört. Ich habe nur einige Gesprächsfetzen mitbekommen: „Was soll ich jetzt tun? Wo soll ich sie hinschicken?“

Sie kam dann kam sie zu mir und meinte, dass ich ein anderes Krankenhaus müsste, weil die Ergebnisse meines Bluttests besorgniserregend seien. Dort wurde noch einmal Blut abgenommen, es wurden weitere Tests gemacht und ich bekam schon erste Infusionen. Das war schon sehr beunruhigend, so viel Gewusel um mich herum. Ich war davor noch nie im Krankenhaus.

 

Krankenhaus.de: Und zu diesem Zeitpunkt wusstest du immer noch nicht was genau los war?

 

Mari: Nein, ich wusste nur das es „besorgniserregend“ ist. Ich hatte ein Zimmer auf der Station der Onkologie, wusste aber nicht mal was das bedeutet. Dann wurde eine Knochenmarkpunktion gemacht, ich bekam Tabletten. Keiner konnte mir sagen was ich habe. Ich wurde gar nicht aufgeklärt. Es ging alles so schnell. Das war am 20. November. Am 22. November, zwei Tage später, kam dann die Diagnose.

Ein Arzt kam zu mir ins Zimmer und fragte ob ich schon aufgeklärt wurde. Ich war zu diesem Zeitpunkt einfach wütend, ich wollte endlich wissen was los ist. Er nahm sich dann einen Stuhl und setzte sich zu mir ans Bett. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, verdammt, das sieht gar nicht gut aus.

Er meinte zu mir, dass ich eine sehr schwerwiegende Diagnose habe und erklärte mir dann, was Leukämie ist, was eine Chemotherapie ist, wie es genau abläuft, was mögliche Nebenwirkungen sind – aber ich konnte ihm zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr richtig zuhören.

In meinem Kopf war nur noch Gedanke „Verdammt…ich habe Krebs…“. Wenn ich jetzt daran zurückdenke weiß ich noch genau wie ich nur noch sah wie sich sein Mund bewegte, ich konnte ihm aber nicht mehr zuhören. Irgendwann stand er auf, und dann kamen mir endgültig die Tränen. Ich hatte Angst.

 

Krankenhaus.de: Das war sicherlich ein riesiger Schock für dich. Wie bist du damit umgegangen?

 

Mari: Vor allem haben mir meine Familie und meine Freunde extrem viel Rückhalt gegeben. Außerdem dachte ich mir: ich bin jung, ich schaffe das, ich werde leben. Eine Freundin war ganz viel für mich da, ihr Bruder hatte einen Hirntumor und sie hatte entsprechende Erfahrungen.

Sie hat mich auf das, was auf mich zukam, bestmöglich vorbereitet. Bei so einer Erkrankung ist es ein ständiges auf und ab, es gibt gute und schlechte Phasen. Dank meiner Freundin wusste ich Bescheid: schlechte Phasen bedeuten nicht, dass es vorbei ist. So konnte ich mich darauf einstellen. Und das hat mir unglaublich geholfen.

 

Krankenhaus.de: Der Lebenswille hat also gesiegt!

 

Mari: Ganz genau. (lächelt)

 

Krankenhaus.de: Wir von Krankenhaus.de wollen das Thema Krankenhaus transparenter für Patienten machen. Deshalb finden wir auch, dass Patienten immer wissen sollten, wo genau sie gerade stehen, was genau sie haben und was die nächsten Schritte sind.

 

Mari: Was mir vor allem gefehlt hat war eine „Einführung“ in das Leben im Krankenhaus. Ich bin beispielsweise in Socken rumgelaufen, und die Krankenschwester hat mit mir geschimpft, weil man in Krankenhäusern immer Hausschuhe tragen muss. Und auch dass man sein Essen bestellen muss wusste ich nicht. Ich war einfach insgesamt ein bisschen überfordert. Ich hätte mir gewünscht, dass man mich ein bisschen mehr an die Hand nimmt.

 

Krankenhaus.de: Also wurdest du insgesamt nicht so gut abgeholt. Hast du dich denn danach trotzdem gut aufgehoben und betreut gefühlt?

 

Mari: Ich habe mir gesagt, dass wenn ich mich dort nicht wohlfühle, und die Ärzte nicht kompetent wirken, wechsele ich das Krankenhaus. Für mich war es oberste Priorität, dass ich mich wohlfühle und den Leuten vertrauen kann. Ich wusste ja, dass es hier um mein Leben ging.

 

Krankenhaus.de: Viele Patienten in Deutschland wissen gar nicht, dass sie in Deutschland ein fest im Gesetz verankertes Recht auf eine freie Krankenhauswahl haben. Wie hast du dein Krankenhaus gewählt? Wurde das von deinem Arzt empfohlen?

 

Mari: Ja, der Arzt hat mir einfach erstmal das nächste empfohlen, damit alles möglichst schnell geht. Aber wenn ich wählen würde, wäre meine wichtigstes Entscheidungskriterium die Qualität der medizinischen Versorgung. In dem Krankenhaus beispielsweise war aus medizinischer Sicht eigentlich alles gut, aber es gab eben leider ein paar hygienische Mängel. Einmal war das Obst was ich bekam verschimmelt, und das Besteck war schmutzig. Das fand ich absolut nicht in Ordnung – durch meine Erkrankung war die Infektionsgefahr sehr hoch, und ich durfte auch nur mit Mundschutz besucht wurden.

 

Krankenhaus.de: Das ist wirklich ein Tabu. Auf Krankenhaus.de bekommen wir täglich Bewertungen für Krankenhäuser, wo Patienten in persönlichen Erfahrungsberichten über Ihre Aufenthalte berichten. Wir erleben oft, dass solche Dinge gelobt oder kritisiert werden, und dass jedem Patienten ganz unterschiedliche Dinge beim Aufenthalt wichtig sind.

 

Mari: Die Qualität vom Essen war auch nicht so besonders. Aber Hygiene ist natürlich noch viel wichtiger.

 

Krankenhaus.de: War es im zweiten Krankenhaus besser?

 

Mari: Ja. Dort hatten sie auch direkt ein Labor, um die Bluttests schnell auszuwerten. Ich glaube dass es schon das richtige Krankenhaus für mich war.

 

Krankenhaus.de: Wie lange warst du im Krankenhaus?

 

Mari: Der Therapieplan geht ein Jahr. Jede Chemotherapie geht drei bis neun Wochen im Krankenhaus. Dann zwei Wochen zuhause. Aber das ist nicht immer planmäßig. 2015 ging es mir richtig schlecht, da lag ich drei Monate am Stück im Krankenhaus.

 

Krankenhaus.de: Das ist eine lange Zeit. Was macht man während dieser Zeit, um sich die Zeit zu vertreiben?

 

Mari: Ich war im Krankenhaus unterwegs, und kannte es bald in und auswendig. Ich bin viel durch die Gänge spaziert, war im Keller und sicher auch in Bereichen, in denen ich eigentlich gar nicht sein durfte. War viel spazieren. In besseren Phasen waren wir draußen, auf dem Krankenhaus Gelände. Pfaueninsel, raus gefahren schöne Landschaften mit dem Auto, einfach damit ich mal etwas andere sehe. Aber dadurch dass ich isoloiuert war hat es sich manchmal auch wie ein Gefängnis angefühlt.

 

Krankenhaus.de: In einigen Kliniken bekommen Patienten beispielsweise ein Tablet mit Entertainmentangeboten & Streamingdiensten ans Bett. Das ist bisher allerdings eher noch die Ausnahme. Was hätte das Krankenhaus anbieten können, um dir die Zeit angenehmer zu gestalten?

 

Mari: Eine Sache hat mich wirklich genervt: es gab kein freies WLAN. Das hätte ich mir wirklich gewünscht. Wenn man als junger Mensch so lange im Krankenhaus ist möchte man natürlich gerne in Kontakt mit Freunden bleiben. Auch andere Beschäftigungsangebote gab es wirklich kaum, und das hat mir wirklich gefehlt. Ich wollte mich ja ablenken.

 

Krankenhaus.de: Verständlich. Wir setzen uns auf jeden Fall gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern dafür ein, den Aufenthalt im Krankenhaus für unsere Patienten angenehmer zu gestalten.

 

Mari: Mir hätte es schon geholfen (lacht). Ich habe es mir immer so gemütlich wie möglich gemacht. Ich hatte auch immer meinen Toaster dabei. Wenn man wie ich durch die Therapie wenig Appetit hat, ist der Duft von frisch getoastet Toast sehr hilfreich. Dann bekommt man wieder Lust aufs Frühstück.

 

Krankenhaus.de: Du hast mit dem VKS (Verein für Knochenmarks- und Stammzellenspende) während deiner Erkrankung intensiv zusammengearbeitet. Und du bist dort immer noch aktiv. Wie kam das zustande?

 

Mari: Meine Mutter hat mich dazu motiviert eine Aktion zu starten, um einen geeigneten Spender zu finden. Gemeinsam mit Freunden habe ich dann meine erste Aktion ins Leben gerufen. Damit ich war damit so erfolgreich, dass ich von fremden Menschen angeschrieben wurde, die mir sagten, dass sie sich meinetwegen registriert haben.

 

„Zu wissen, dass nur weil ich krank war jemand anderem geholfen werden kann, ist für mich ein wunderschönes Gefühl.“

 

Ich habe sogar geweint als ich die Nachricht bekommen habe. Meine Erkrankung hat so einen echten Sinn bekommen. Deshalb bin ich sehr engagiert und motiviert, weiterhin Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Der Verein war sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Mittlerweile bin ich dort fest angestellt und versuche jetzt möglichst viele Leute davon zu überzeugen sich registrieren zu lassen.

  

Krankenhaus.de: Wie kann man sich registrieren?

Mari: Das ist wirklich kinderleicht. Man kann das Spenderkit ganz einfach online bestellen und bekommt es dann kostenlos zugeschickt. Dort ist ein Wattestäbchen enthalten, mit dem man einen Abstrich des Mundes macht. Und das Stäbchen schickt man dann einfach zurück. Fertig! Dann ist man registriert. Wenn man als Spender dann in Frage kommt und jemandem das Leben retten kann, wird man kontaktiert. Aber das geschieht nur bei 1% aller Registrierten. Und wenn es soweit kommt, ist der damit verbundene Eingriff absolut ungefährlich.

 

Krankenhaus.de: Du hast es gut durchgestanden, bist gut drauf. Was würdest du anderen Patienten mit Leukämie sagen, um Mut ihnen zu machen?

   

Mari: Glaub immer daran das es weiter geht. Das macht wirklich viel aus. Die Krankheit besteht aus einem ständigen Auf und Ab. Mal gehts dir ganz gut, manchmal gehts dir beschissen. Du musst die Phasen akzeptieren. Und mir hat besonders mein Umfeld geholfen. Ich musste es nicht allein durchstehen. Auch wenn Freunde und Familie nicht direkt betroffen sind, kämpfen sie natürlich dennoch mit mir, an meiner Seite. Wir haben es gemeinsam durchgestanden, und nie die Hoffnung verloren.

 

Kh.de: Wir finden es wunderbar. Vielen Dank Mari! Wir wünschen dir alles Gute.

 

Marisol und das Team von Krankenhaus.de bitten Sie freundlich darum, sich bei Interesse zu registrieren. Es geht einfach, schnell und kostenlos. Gemeinsam können wir auf diesem Wege ganz einfach Leben retten!

 

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