Prophylaktische Mastektomie – Ab wann ist sie sinnvoll?


Brustkrebs ist die am häufigsten vorkommende Krebserkrankung bei Frauen. Im Schnitt erkrankt eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs und jährlich sterben über 17.800 Frauen daran. Um genau das zu verhindern, entscheiden sich viele Frauen für eine prophylaktische Mastektomie – eine Brustentfernung. Doch ab wann kommt für eine Frau eine Brustentfernung in Frage und was muss man bei dieser genau beachten?

Prophylaktische Mastektomie – Was ist das?

Eine Mastektomie beschreibt die einseitige oder beidseitige Entfernung der Brustdrüse. Diese kann bei einer bereits eingetretenen Brustkrebserkrankung oder schon vorher präventiv durchgeführt werden. Denn nicht für alle Frauen kommt eine Krebserkrankung überraschend und unerwartet. Etwa fünf Prozent aller Karzinome der Brust werden durch eine familiäre Anlage begünstigt.

Im Grunde bedeutet das, dass bestimmte Genmutationen das Risiko erhöhen, an Brustkrebs zu erkranken. Die genauen Ursachen einer Brustkrebserkrankung sind noch weitestgehend unbekannt. Welche aber bereits bekannt sind, sind die Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen. Diese verursachen ein um 50 bis 80 Prozent erhöhtes Brustkrebsrisiko. Bei einer prophylaktischen Mastektomie wird dabei die Brust vor dem Auftreten des Tumors entfernt, womit ein verlängertes Überleben erreicht wird.

Ab wann wird eine prophylaktische Mastektomie notwendig?

Für eine Frau kommt nur dann eine prophylaktische Mastektomie in Frage, wenn ein sehr hohes Risiko auf eine Brustkrebserkrankung besteht.

 

Mögliche Risikofaktoren, durch die eine prophylaktische Mastektomie in Frage kommen kann, sind:

  • BRCA1- oder BRCA1-Mutationen: Durch einen Test können diese Genmutationen gefunden werden. Laut dem Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) kommen diese Mutationen bei etwa fünf bis maximal zehn von hundert Patientinnen vor.
  • Frühere Brustkrebserkrankung: Wenn bereits eine Brust einer Patientin von Krebs betroffen war, kann die andere mit einer präventiven Mastektomie entfernt und so das Brustkrebsrisiko verringert werden
  • Dichtes Brustgewebe: Manche Frauen besitzen ein sehr dichtes Brustgewebe, was die Diagnose schwierig machen kann. In Kombination mit anderen Risikofaktoren kann auch dieses ein Grund für eine präventive Behandlung sein
  • Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie, die noch vor dem 30. Lebensjahr durchgeführt wurde, kann auch das Risiko erhöhen, im Laufe des Lebens Brustkrebs zu entwickeln
  • Lobuläres Karzinom in situ (LCIS): Bei einem LCIS breiten sich anormale Zellen in den Drüsenläppchen aus. Bei diesen handelt es sich zwar nicht um Krebszellen, jedoch gelten diese als Marker für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.
  • Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie: Wenn bereits zwei Verwandte ersten Grades an Brustkrebs erkrankt sind und mindestens eine davon vor dem 50. Lebensjahr, besteht ebenfalls ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

In den meisten Fällen ist eine Genmutation der Hauptgrund für eine prophylaktische Brustamputation. Aber auch ohne Genmutation kann eine prophylaktische Mastektomie vorgenommen werden, wenn das Risiko einer Brustkrebserkrankung zu hoch ist.

Wie läuft eine prophylaktische Brustentfernung ab?

Während es bei einer Frau, die bereits von Brustkrebs betroffen ist, bei der Operation darum geht, so viel Brust wie nur möglich zu erhalten, ist bei einer prophylaktische Mastektomie das Gegenteil der Fall: Hier werden die Brüste komplett entfernt.

Eine präventive Brustabnahme wird in Vollnarkose durchgeführt. Die Operation wird von einem Frauenarzt oder einer Frauenärztin durchgeführt. Bei der Operation entfernt der Frauenarzt den gesamten Drüsenkörper der Brustdrüse, in der ein Tumor entstehen könnte. Dabei können die Brustwarze und die Haut, die den Drüsenkörper bedeckt entweder mit entfernt oder erhalten bleiben. Ob es notwendig ist, die Brustwarze und den Brustwarzenvorhof mit zu entfernen, wird noch diskutiert. Noch gibt es kein eindeutiges Ergebnis, inwiefern sich die Entfernung auf das Brustkrebsrisiko auswirkt. Um das Risiko aber möglichst gering zu halten empfehlen die meisten Ärzte, die Hautlappen zumindest sehr dünn zu präparieren, da möglichst viel Drüsengewebe entfernt werden sollte.

Damit die emotionale und körperliche Belastung für die behandelnde Frau geringgehalten wird, kann noch in derselben Operation die Brust ästhetisch rekonstruiert werden. Dies kann aber auch in einer späteren Operation erfolgen. Welche der beiden Varianten durchgeführt wird, muss die Patientin gemeinsam mit dem behandelnden Frauenarzt entscheiden. Wichtig ist hierbei, dass der Wiederaufbau der Brust nicht dem Entfernen des risikohaltigen Gewebes im Weg steht.

Für die Brustrekonstruktion können Silikonimplantate oder aber körpereigenes Gewebe verwendet werden. Mit dem Silikonkissen kann in der Regel ein ansprechenderes Ergebnis erzielt werden und die dafür benötigte Operation ist technisch einfacher. Hierbei kann das Kissen entweder vor oder hinter dem Brustmuskel eingesetzt werden. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass der Körper das Silikonimplantat abstößt, was zu Schmerzen und eventuell einer erneuten Operation führen kann.

Ansonsten kann die Brust durch Lappentransplantate oder Lappenplastiken rekonstruiert werden. Dabei werden Muskeln von anderen Körperstellen, wie beispielsweise dem Rücken oder dem Bauch entfernt und in die Brüste eingesetzt. Diese Operation ist jedoch sehr komplex und anspruchsvoll und sollte daher nur von erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden.

Heilungsdauer und Kosten einer prophylaktische Mastektomie

Die Heilungsdauer eine Mastektomie kann sehr unterschiedlich ausfallen. So wird sie bei jungen und fitten Frauen wesentlich schneller vonstatten gehen, als bei älteren Frauen mit eventuellen Vorerkrankungen. Meistens kann die Patientin das Krankenhaus ein paar Tage nach der Operation wieder verlassen. Wichtig ist hierbei jedoch, dass eine adäquate Schmerztherapie durchgeführt wird und die Wunde weiter beobachtet wird.

Bis die Narbe vollständig abgeheilt ist, können mehrere Monate vergehen. Viele Frauen stellen sich auch die Frage, wie lange sie nach einer prophylaktische Mastektomie krankgeschrieben sind. In der Regel wird man nach einer Brustamputation zwei Wochen krankgeschrieben. Dies kann jedoch individuell nach Patientin und Entwicklung der Wundheilung unterschiedlich ausfallen. Die Kosten prophylaktische Brustamputation können sich je nach Komplexität auf mehrere tausend Euro belaufen. Da eine prophylaktische Mastektomie nur dann vorgenommen werden, wenn sie wirklich medizinisch notwendig ist, wird die Kostenübernahme sowohl von der gesetzlichen als auch von der privaten Krankenkasse getragen.






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