Hygiene im Krankenhaus – Welche Vorschriften und Maßnahmen gibt es?


„Jährlich erkranken rund 400.000 – 600.000 Menschen an Krankenhausinfektionen, die zum Teil vermieden oder beeinflusst werden können“ – so lautet es in einem Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit. Kein Wunder also, dass sich viele Menschen große Sorgen über Infektionen machen, wenn sie einen stationären Krankenhausaufenthalt vor sich haben.

Doch was genau beinhalten die Hygienestandards in Krankenhäusern und wie kann ich erkennen, ob diese wirklich eingehalten werden?

Die allgemeinen Hygiene-Vorschriften für Krankenhäuser

Ziel der Krankenhaushygiene ist es, nosokomiale Infektionen zu vermeiden. Zu den nosokomialen Infektionen gehören die Infektionen, die sich Patienten in Einrichtungen des Gesundheitswesens eingefangen haben, die im Zusammenhang mit dem Aufenthalt stehen und vor dem Aufenthalt noch nicht vorhanden waren.

Zunächst ist jedes Krankenhaus dazu verpflichtet, die betrieblichen und baulichen Funktionen für die Einhaltung der Hygienevorschriften sicherzustellen. Das heißt, dass beispielswiese genügend Händedesinfektionsspender zur Verfügung stehen, die immer gefüllt sind und das Behandlungsräume ordnungsgemäß gereinigt werden können. Eine Flächendesinfektion sollte immer möglich und dementsprechend alle nötigen Utensilien für das Personal vorhanden sein.

Zudem hat jedes Krankenhaus eine Hygienekommission einzurichten. Zu dieser gehören Vertreter verschiedener Abteilungen des Krankenhauses, die zusammen einen Hygieneplan für das Krankenhaus erstellen.

Diese Hygienepläne müssen regelmäßig aktualisiert und jedes Jahr von den Mitarbeitern zur Kenntnis genommen und unterschrieben werden. So verpflichtet sich jeder Mitarbeiter, sich streng an diese Vorschriften zu halten. Das diese dann auch wirklich eingehalten werden, gehört mit zu den Aufgaben der Hygienekommission.

Unterstützt werden die Mitglieder der Kommission von sogenannten Hygieneexperten im ärztlichen und pflegerischen Dienst. Diese achten darauf, dass die geltenden Regeln der Hygiene und Infektionsprävention eingehalten werden und arbeiten an der Weiterentwicklung und Verbesserung der Hygienepläne mit. Zudem muss jedes Krankenhaus sicherstellen, dass das Personal immer auf dem neusten Stand der Hygieneforschung ist und muss dem Personal entsprechende Fortbildungen vorschreiben. Hygieneexperten dürfen zudem jederzeit Unterlagen, so auch Patientenakten, einsehen. Alle Daten, die für die Hygiene im Krankenhaus relevant sein können, müssen erfasst und dokumentiert werden, wie beispielsweise die Zahl der Infektionen und die angewandten Maßnahmen.

Gibt es spezielle Maßnahmen für Operationssäle?

Generell gelten für alle Abteilungen eines Krankenhauses dieselben Hygiene-, Reinigungs-, und Desinfektionsverordnungen – so auch für den OP. Trotzdem wird natürlich auf Operationssäle ein besonderes Augenmerk gelegt, da hier invasive Eingriffe stattfinden und das Risiko einer Infektion nicht gerade geringer ist, als in anderen Krankenhausabteilungen.

So ist für alle Personen, die im Operationssaal tätig sind, geregelt, dass vor Betreten des Saals keimarme Bereichskleidung anzulegen ist und dass an Händen und Unterarmen kein Schmuck getragen werden darf. Zusätzlich muss vorher eine Handdesinfektion durchgeführt und ein Mund- und Nasenschutz angelegt werden. Bei den Schuhen muss sichergestellt werden, dass die keine Flüssigkeiten durchlassen können. Das Krankenhaus muss somit sicherstellen, dass Umkleidemöglichkeiten für Patienten und Personal gegeben sind und dass sterile Schutzkleidung, wie Kittel, Mundschutz, Nasenschutz, Handschuhe und wenn nötig Haarschutz vorhanden ist.

Wie erkenne ich, ob sich ein Krankenhaus an die Vorschriften hält?

Als Patient lässt es sich meistens nicht sicher sagen, ob die Krankenhäuser sich wirklich zu 100 Prozent an die Vorschriften halten. Dazu ist das ganze Thema zu komplex und es gibt zu viele einzelne Vorschriften, welche die Krankenhäuser einzuhalten habe. Die meisten hygienetechnischen Maßnahmen sind mit bloßem Auge für einen Patienten zu schwer zu erkennen.

Was Sie als Patient jedoch machen können, ist einen Blick auf das Krankenhauspersonal zu werfen. Eine der wichtigsten Maßnahmen, wie sich Infektionen im Krankenhaus vermeiden lassen, ist das regelmäßige desinfizieren der Hände. Natürlich ist es als Außenstehender schwer zu beurteilen, wann ein Arzt oder eine Pflegekraft sich die Hände desinfizieren sollte, jedoch gibt es einige Grundregeln, wann das Desinfizieren in jedem Fall angebracht ist:

  • Direkt vor dem Hautkontakt
  • Unmittelbar vor jeder Behandlung, wie beispielsweise Spritzen geben, Verbände wechseln, Blut abnehmen etc.
  • Wenn der Mitarbeiter zum nächsten Patienten geht
  • Direkt nach Kontakt mit Blut oder Wundsekreten

Falls Ihnen auffallen sollte, dass sich das Krankenhauspersonal nicht an die Vorschriften hält und Ihnen etwas zu der Sauberkeit im Krankenhaus auffällt, sollten Sie das ruhig ansprechen. Alle in einem Krankenhaus arbeitenden Personen sind auch nur Menschen. Da kann es in einem hektischen Behandlungsalltag schon mal passieren, dass einzelne Handdesinfektionen vergessen werden.

Passieren darf so etwas natürlich trotzdem nicht, also weisen Sie die jeweilige Person ruhig darauf hin.

 

 

Was kann ich selber tun, um mehr Hygiene im Krankenhaus sicherzustellen?

Die Hygiene im Krankenhaus geht jede einzelne Person etwas an, die sich dort aufhält – so auch Sie als Patient. So ist auch bei Ihnen das Wichtigste, dass Sie Ihre Hände regelmäßig desinfizieren und reinigen. Um wirklich sicherzustellen, dass auch alle Bakterien und Krankheitserreger entfernt wurden, sollten Sie sich mindestens 20 Sekunden lang die Hände waschen.

Waschen Sie sich am besten jedes Mal die Hände, wenn Sie in Kontakt mit möglicherweise von Krankheitserregern infizierten Gegenständen kommen. Hier gilt die Regel: Besser einmal zu viel, als einmal zu wenig die Hände waschen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine Handdesinfektion bei einer bestimmten Behandlungsmaßnahme durchgeführt werden muss, fragen Sie beim entsprechenden Personal nach – da wird Ihnen sicherlich niemand böse sein, wenn Sie auf so etwas wichtiges aufmerksam machen. Fassen Sie zudem nichts an, was nicht dringend angefasst werden muss, besonders Katheter oder Zugänge.

Eine weitere wichtige Regel, die nicht nur für einen Krankenhausaufenthalt wichtig ist: Nehmen Sie nur dann Antibiotika, wenn Sie es verschrieben bekommen und nur genau so viel, wie es Ihnen verschrieben wurde. Mit jeder zusätzlichen Antibiotikaeinnahme erhöht sich die Chance, eine Resistenz gegen dieses zu entwickeln. In dem Fall können Bakterien nicht mehr richtig von einem Antibiotikum bekämpft werden.

 

Zusammenfassend können Sie folgendes für die Hygiene tun:

  • Auf gute Handhygiene achten
  • Mindestens 20 Sekunden Hände waschen
  • Nach jedem Kontakt mit eventuell infizierten Gegenständen Hände waschen
  • Nachfragen, wenn Sie nicht sicher sind, wann eine Handdesinfektion durchgeführt wird
  • Fassen sie nichts an, was nicht unbedingt angefasst werden muss
  • Nehmen Sie nur Antibiotika, wenn Sie es verschrieben bekommen

 

 






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