MRSA: Wichtigste Fakten zum multiresistenten Krankenhauskeim


Spricht man von Krankenhauskeimen, meint man meist MRSA. Der gefährliche Erreger ist Verursacher verschiedenster Infektionen. Man zählt ihn zu den Krankenhauskeimen, weil die Mehrzahl der MRSA Infektionen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erfolgt (nosokomiale Infektionen).

Was ist MRSA?

MRSA ist die Abkürzung für methicillinresistenter Staphylococcus aureus. Diese Bezeichnung besagt, dass es sich bei dem Erreger um eine Staphylococcus aureus Variante handelt, die gegen Methicillin resistent ist. Die Bakterien haben eine kugelige Form, goldgelbe Farbe und siedeln traubenähnlich. Sie kommen überall auf der Welt vor. Klinikpatienten haben aufgrund ihres ohnehin oft geschwächten Immunsystems ein erhöhtes Infektionsrisiko. MRSA Erreger sind multiresistent. Das heißt, dass die meisten Antibiotika bei ihnen nicht wirken. Für Menschen mit intaktem Abwehrsystem stellen MRSA Keime keine Gefahr dar.

Die multiresistenten Bakterien besiedeln wie ungefährliche Staphylococcus aureus Stämme die Hautoberfläche und Schleimhäute der oberen Atemwege. Man findet sie unter den Achseln, in der Leistenbeuge sowie in Nase und Rachen. Gelangen die resistenten Keime in die Blutbahn, können sie eine MRSA Infektion verursachen, wenn sie auf eine schwache Immunabwehr treffen. Weil MRSA Erreger auf Oberflächen und Kitteln gut haften und lange überlebensfähig sind, müssen besonders strenge Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

MRSA Bakterien sind gegen Methicillin, Oxacillin und viele gängige Antibiotika unempfindlich. Sie bilden im Unterschied zu den herkömmlichen Staphylococcus aureus Stämmen ein Protein, das die Wirkung vieler Antibiotika hemmt.

Welche Typen von MRSA-Keimen gibt es?

Die Mediziner unterscheiden je nach Infektionsquelle vier Typen von MRSA Bakterien:

  • HA-MRSA: Diesen Typ findet man überwiegend in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Er wird oft über Beatmungsschläuche und Katheter übertragen.
  • HCA-MRSA: Bei ihm zeigt sich die Infektion erst im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt.
  • CA-MRSA: Dieser Typ kommt an Orten mit großen Menschenansammlungen vor (Schulen, Kitas).
  • LA-MRSA: Die Infektion erfolgt ausschließlich über den Kontakt mit Nutztieren und betrifft spezielle Berufsgruppen (Landwirte, Schlächter).

Wie häufig sind MRSA-Infektionen?

Schwere Infektionen mit dem multiresistenten Krankenhauskeim unterliegen der behördlichen Meldepflicht. Für das Jahr 2018 führt das Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt 2.424 schwere MRSA-Verläufe auf. Verglichen mit den Jahren zuvor bedeutet dies einen Rückgang der MRSA-Infektionen.

Welche Ursache hat die MRSA-Infektion?

Hauptverursacher von Infektionen mit MRSA sind tragischerweise die Menschen, die den Patienten eigentlich helfen sollen: das medizinisch-pflegerische Personal. Beachten sie die Vorschriften zur Handhygiene und Sterilisation von in den Körper eingeführten Gerätschaften nur unzureichend, setzen sie die Patienten einem hohen Risiko aus.

Auch für pflegende Angehörige ist die Einhaltung der Hygienemaßnahmen ein Muss. MRSA ist der am weitesten verbreitete Krankenhauskeim. Das liegt insbesondere daran, dass in Kliniken und Pflegeheimen sehr häufig Antibiotika verabreicht werden. Außerdem haben Kranke und Pflegebedürftige oft offene Wunden, eine schlechtere Immunabwehr und Schläuche und Katheter.

Wie wird MRSA übertragen?

Hierzulande erfolgt die Ansteckung mit dem multiresistenten Erreger üblicherweise in medizinischen Einrichtungen (Krankenhäusern, Seniorenheimen). Dort ist das Infektionsrisiko besonders hoch. Die Ansteckung ist Folge eines Mensch-zu-Mensch-Kontakts über die Hände des medizinischen Personals und von Anniesen. Der zweithäufigste Übertragungsweg ist der über kontaminierte medizinische Geräte und Handtücher. Werden Katheter vor der Anwendung nicht richtig desinfiziert, können die Erreger sofort in den Körper eindringen. Krankenhauspatienten, die in die häusliche Pflege entlassen werden, stecken sich durch den Kontakt mit MRSA-verunreinigten Toiletten, Duschen, Haltegriffen und Betten an. Die Bakterien befinden sich sogar im Leitungswasser. In Ländern wie den USA mehren sich dagegen die CA-MRSA Fälle.

Infektiös sind mit MRSA besiedelte, aber gesunde Menschen (MRSA-Träger) und an einer MRSA-Infektion erkrankte Personen. Träger können sich sogar selbst anstecken: Berühren sie beispielsweise die Achselhöhle und kratzen anschließend einen Mückenstich auf, gelangen die MRSA-Erreger in die winzige Wunde.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Ist Ihre Haut oder Schleimhaut mit den Krankenhauskeimen besiedelt, können Sie erkranken, wenn diese in Ihre Blutbahn gelangen und Ihr Immunsystem sie nicht erfolgreich abwehren kann. Die ersten Infektionssymptome zeigen sich vier bis zehn Tage nach dem Kontakt Ihrer Abwehrzellen mit dem Bakterium. Anschließend können Sie es so lange übertragen, bis es bei Ihnen nicht mehr nachweisbar ist.

Welche Patienten sind besonders gefährdet?

Zu den Risikopatienten gehören:

  • Klinikpatienten
  • Bewohner von Pflegeeinrichtungen
  • Menschen mit geschwächter Immunabwehr
  • immunsupprimierte Patienten
  • Diabetiker
  • Nierenkranke, die eine Dialyse benötigen
  • Menschen mit offenen Verletzungen
  • Patienten mit chronischen Wunden (offenes Bein)
  • Menschen mit Brandverletzungen
  • frisch Operierte
  • Patienten, bei denen die Antibiotika-Behandlung längstens sechs Monate zurückliegt
  • Patienten mit Fremdkörpern (Dauerkatheter, Gelenkersatz)
  • Kranke mit künstlichem Luftröhrenausgang
  • Säuglinge

Ein erhöhtes Risiko für Infektionen haben darüber hinaus Menschen, die bereits eine MRSA-Infektion hatten und solche, in deren Krankenzimmer sich ein Infizierter befand.

Welche Symptome treten bei einer MRSA-Infektion auf?

Menschen mit MRSA Besiedlung können ihr ganzes Leben symptomfrei sein. Tritt eine Infektion auf, zeigen sich die unterschiedlichsten Anzeichen. Sie gleichen denen des normalen Staphylococcus aureus Bakteriums. Je nachdem, in welche Organe MRSA gelangt und welche Erkrankungen es dort verursacht, kommt es zu verschiedenen Infektionen.

MRSA Infizierte leiden an

  • Mittelohrentzündung
  • Hirnhautentzündung
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • postoperativen Wundinfektionen
  • Abszessen und Furunkeln auf der Haut
  • Lungenentzündung (MRSA-Pneumonie)
  • Harnwegsinfektionen
  • Lebensmittelvergiftungen

 

Setzen die in den Körper eingedrungenen Bakterien ein bestimmtes Toxin frei, kann es zu hohem Fieber, Blutvergiftung und schlimmstenfalls zum Tod durch Nieren- oder Kreislaufversagen kommen.

Wie wird MRSA nachgewiesen?

MRSA Bakterien lassen sich außer auf Haut und Schleimhaut auch in Stuhl, Urin, Blut und in der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) nachweisen. Dafür macht der Mediziner beispielsweise einen schmerzfreien Abstrich von der Nasen- und Rachenschleimhaut. Die Probe wird anschließend im Labor untersucht. Das Ergebnis der Laboranalyse ist innerhalb weniger Tage verfügbar. In einigen deutschen Laboren werden zusätzlich Schnelltests auf MRSA durchgeführt. Der für die Infektion verantwortliche Erreger lässt sich mithilfe spezieller mikro- und molekularbiologischer Verfahren exakt nachweisen. Ein Antibiogramm gibt Aufschluss darüber, auf welche Antibiotika der festgestellte Erreger nicht mehr anspricht. So weiß der behandelnde Arzt sofort, welche Medikamente noch einsetzbar sind.

Um ein Antibiogramm zu erhalten, sind Abstriche vom Rachen, von der Leistengegend, dem Nasenvorhof oder von der mit Eiter oder Wundflüssigkeit bedeckten Wunde erforderlich.

Welche vorbeugenden Maßnahmen werden bei einer MRSA-Infektion ergriffen?

Stellt der Arzt bei einem hospitalisierten Patienten eine MRSA-Infektion fest, wird er in ein Einzelzimmer gebracht (Isolierung). Anschließend nimmt er insbesondere bei den MRSA Risikopatienten Abstriche und schickt sie ans Labor. Um herauszufinden, ob es in einem Krankenhaus MRSA-Träger gibt, führt er ein MRSA Screening durch.

Wie wird MRSA behandelt?

Bei der Behandlung des methicillinresistenten Staphylococcus aureus unterscheidet die Medizin bei Krankenhauspatienten zwischen der

  • Therapie einer bestehenden MRSA Infektion
  • Sanierung von MRSA Trägern

Behandlung der MRSA Infektion

Infektionen mit dem Krankenhauskeim lassen sich mit vielen normalerweise wirksamen Antibiotika nicht therapieren. Das Bakterium hat gegen die Wirkstoffe Resistenzen entwickelt. Um es abzutöten, muss der Arzt spezielle Antibiotika einsetzen, die sogenannten Reserve-Antibiotika. Diese werden entweder als Monopräparate verabreicht (Linezolid) oder als Kombination mehrerer Arzneimittel.

Die letztlich eingesetzten Antibiotika sind diejenigen, die sich im Antibiogramm als besonders wirksam erweisen. Ärzte behandeln je nach Labortest mit Fusidinsäure und Forfomycin. Oder sie wenden die Kombination Rifampicin, Gentamicin, Clindamycin und ein Glykopeptid-Antibiotikum an. Die Reserve-Antibiotika zeichnen sich durch hohe Wirksamkeit aus, verursachen aber oft Durchfall, Übelkeit und andere Nebenwirkungen.

Sanierung des MRSA Trägers

Die MRSA Sanierung wird nach einem festen Schema vorgenommen. Sie umfasst neben der eigentlichen Sanierungsbehandlung Basishygienemaßnahmen, Behandlungspausen und Nachkontrollen in mehr oder weniger großen Zeitabständen.

Die fünf Phasen der MRSA Sanierung sind:

  • MRSA Screening
  • lokale Behandlung in Kombination mit Isolation und Hygienemaßnahmen
  • Therapiepause von bis zu fünf Tagen - Nachkontrolle
  • weitere Nachkontrolle(n)

 

Sind Sie mit den Keimen besiedelt, aber nicht infiziert, reicht eine lokale Therapie aus. Zuerst stellt der Arzt im Rahmen eines MRSA Screenings fest, wo sich bei Ihnen die Besiedlung mit dem Erreger befindet. Der Nasenraum lässt sich gut mit einer antibiotischen Salbe wie beispielsweise Mupirocin sanieren. Der Rachen wird mit desinfizierender Mundspülung MRSA-frei gemacht. Kopfhaut und Haare müssen mit einem gegen MRSA wirksamen Shampoo gewaschen werden. Bei einer Besiedlung der Haut hilft eine antiseptische Spezialseife. Die lokale Sanierungsbehandlung ist nach spätestens sieben Tagen abgeschlossen. Bei Kranken mit offenen Wunden kann sie allerdings deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Dies gilt auch für Patienten, die schon seit Langem Antibiotika einnehmen, und für inkontinente Patienten mit Dauerkatheter.

Die Isolation im Einzelzimmer ist so lange erforderlich, bis bei Ihnen an den üblichen Abstrichstellen keine Keime mehr nachweisbar sind. Damit sich andere Kranke auf der Station, das medizinische Personal und Besucher nicht anstecken, sind besondere Hygienemaßnahmen notwendig. Zu diesen gehören vor allem eine gründliche Händedesinfektion und ein Mund-Nasen-Schutz. Das medizinische Personal schützt sich zusätzlich mit Handschuhen, Kopfhaube und Schutzkittel. Die Umgebung des Patienten wird regelmäßig und gründlich mit hochwirksamen medizinischen Desinfektionsmitteln gesäubert.

An die MRSA Sanierung schließt sich eine drei- bis fünftägige Pause an. Danach macht der Klinikarzt an drei Tagen hintereinander an drei unterschiedlichen Körperstellen Abstriche (Kontrolltest). Die Proben werden von den für MRSA Tests üblichen Stellen genommen.

Hinzu kommen je nach medizinischem Befund Abstriche von

  • der Körperregion, wo der Erreger erstmals festgestellt wurde
  • dem Zugang zum zentralen Venenkatheter

Beachten Sie bitte, dass Sie trotz erfolgreicher MRSA Sanierung später erneut Träger werden können. Weil jeder zweite MRSA-freie Patient im Laufe eines Jahres erneut besiedelt wird, macht der Arzt während dieser Zeit noch weitere zwei oder drei Abstriche.

Kann man MRSA vorbeugen?

Eine Ausbreitung des Erregers innerhalb der Klinik lässt sich mit verschiedenen Maßnahmen zur Infektionsprävention effektiv verhindern. Die Hygienevorschriften gelten für den Kranken, Besucher und die medizinischen Kräfte gleichermaßen. Letztere achten auf Schutzkittel und Einmalhandschuhe. Und verwenden nach dem gründlichen Händewaschen Desinfektionsmittel für die Hände. Für Krankenhausbesucher stehen nahe dem Klinikeingang und neben den Türen zu den Krankenzimmern Halter mit Desinfektionsmittel bereit. Dort desinfizieren sie sich vor und nach dem Krankenbesuch die Hände.

Haben die Patienten gerade eine erfolgreich behandelte MRSA-Infektion hinter sich, müssen sie jedoch nicht zwangsläufig frei von MRSA-Bakterien sein. Es sei denn, sie erhielten anschließend eine Sanierungsbehandlung. Doch auch wenn noch eine MRSA Besiedlung vorhanden ist, besteht für Sie als Angehöriger nur eine geringe Infektionsgefahr: Umarmen und küssen Sie den Patienten, gelangt nur eine geringe Menge an Erregern auf Ihren Körper. Sie bleibt im Regelfall ohne Folgen und verschwindet von allein.

Besondere Vorsicht sollten Sie aber walten lassen, wenn Sie anfällig für Staphylokokken-Infektionen sind (Diabetiker) oder offene Wunden haben. Decken Sie vor dem Besuch im Krankenhaus Ihre Verletzung gut mit einem Pflaster oder Verband ab. Diabetes-Patienten und solche mit einer Immunschwäche nehmen besser erst dann Kontakt auf, wenn der Kranke vollständig MRSA-saniert ist.






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