Lungenembolie - Symptome und Behandlung

Die Lungenembolie ist eine schwere Erkrankung, die immer häufiger auftritt. Sie entsteht durch einen Embolus, also ein Blutgerinnsel, das die Lungenarterien verlegt. Meist schwemmt das Gerinnsel aus den tiefen Beinvenen und nach oben. Die Betroffenen leiden unter schwerer Atemnot und Herz-Kreislauf-Versagen und müssen schnellstmöglich intensivmedizinisch versorgt werden. 

Die Lungenembolie ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit, vor allem bei älteren Patienten. Etwa 200 Menschen von 100.000 erleiden eine akute Lungenembolie, wobei jeder dritte Fall bei der Erstdiagnose verkannt wird. Dadurch sterben jährlich mehr als 370.000 Menschen in Deutschland an einer Lungenembolie, insbesondere wenn eine andere ventrikuläre (herzbezogene) Dysfunktion oder pulmonale (lungenbezogene) Begleiterkrankungen vorliegen. 

Doch was passiert bei einer Lungenembolie genau? Lässt sich eine Lungenembolie vorbeugen? Welche Symptome zeigen sich? Und wie wird eine Lungenembolie behandelt? Wenn auch Sie zur Risikogruppe gehören, bereits eine Lungenembolie hatten oder ein Angehöriger behandelt wird, erhalten Sie in diesem Beitrag Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Was ist eine Lungenembolie?

Der kardio-pulmonale Kreislauf ist für die Versorgung des menschlichen Organismus mit Sauerstoff und den Abtransport von Kohlendioxid verantwortlich. Mit der Einatmung gelangt sauerstoffreiches Blut über die Lungenverzweigungen bis in die Lungenalveolen (kleinste Lungenbläschen). Die Alveolen stellen eine Luft-Blut-Schranke dar, bei der es möglich ist, Gase von der Luft ins Blut abzugeben und umgekehrt.

Bei der Einatmung gelangt über die Alveolen Sauerstoff in das Blut und wird durch die Arterien im ganzen Körper verteilt. Die Zellen benötigen Sauerstoff zur Verstoffwechselung und produzieren als Endprodukt Kohlendioxid. Venen befördern das kohlendioxidreiche Blut wieder in die Lungen. Dort kann das Kohlendioxid über die Alveolen abgegeben und bei der Exspiration ausgeatmet werden. Gleichzeitig wird das Blut dort wieder mit Sauerstoff angereichert – der Kreislauf beginnt erneut. 

In der Medizin wird von einer Lungenembolie gesprochen, wenn ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel aus dem peripheren Blutkreislauf (vor allem aus den Beinvenen) die Lungenarterien teilweise oder vollständig verlegt. Dieser Blutpfropf verlangsamt oder stoppt den Blutfluss, sodass das sauerstoffarme Blut aus dem Körper nicht mehr in die Lunge gelangen kann. 

Je größer (im Innendurchmesser) das verstopfte Gefäß ist, umso schwerer ist die Symptomatik. Kleinste Embolien in Mikroarterien bleiben häufig sogar unbemerkt. Die Einteilung der Lungenembolien erfolgt in Schweregrad 1 bis 4.

In mehr als 90 % der Fälle handelt es sich bei der Lungenembolie um eine sogenannte Thrombembolie, bei der ein Blutpfropf Ursache der Verstopfung ist. Sehr selten sind septische Embolien, bei der Bakterien für die Unterbrechung des Blutflusses verantwortlich sind. Auch Fettembolien, Luftembolien oder Tumorembolien sind möglich. 

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Lungenembolie?

In mehr als 90 % der Fälle sind Thrombosen in den tiefen Beinvenen oder Beckenvenen die Ursache für eine Lungenembolie. Doch auch Thromben, die sich im rechten Herzen oder in der Vena cava bilden (vor allem durch einen zentralen Venenkatheter) sowie verlegte Lipidtropfen, Luftblasen oder Fremdkörper können eine Lungenembolie in sehr seltenen Fällen hervorrufen. 

Für die Hauptursache „Thromben in den tiefen Beckenvenen oder Beinvenen“ sind verschiedene Risikofaktoren auszumachen, die die Wahrscheinlichkeit eines thrombo-embolischen Ereignisses erhöhen.

Zu den Thrombolyserisikofaktoren zählen vor allem:

  • Operationen

  • schwere Traumata

  • Immobilität

  • Einnahme von Hormonen zur Verhütung

  • Frakturen der unteren Extremitäten

  • Gelenkersatztherapie in Hüfte oder Knie

  • Herzinfarkt

  • Rückenmarksverletzungen

  • zentraler Venenkatheter

  • Chemotherapie

  • Herz- oder Lungeninsuffizienz

  • Krebserkrankungen

  • bestimmte Autoimmunerkrankungen

  • Schlaganfall

  • Schwangerschaft und Wochenbett

  • Adipositas

  • Krampfadern

  • Rauchen

  • hohes Alter

Symptome der Lungenembolie

Die Lunge bringt bei jeder Inspiration zwar noch Sauerstoff bis zu den Alveolen, doch durch den Embolus und die damit verbundene eingeschränkte Weiterleitung des Blutes kann der Sauerstoff nicht mehr ins Blut abgegeben werden und erreicht die Organe nicht. Infolgedessen nimmt der alveoläre Totraum zu, die Betroffenen haben Luftnot und beginnen zu hyperventilieren.

Der Lungenkreislauf ist aber auch direkt mit dem Herzkreislauf verbunden, sodass eine Lungenarterienembolie sich sofort auf das Herz auswirkt: Durch die Blockade der Lungenarterie erhöht sich der Widerstand im Gefäß und belastet den rechten Teil des Herzens. Das rechte Herz kann dem steigenden Druck nicht unbegrenzt standhalten, sodass sowohl die Klappen des rechten Herzens geschädigt werden als auch die Herzwand dilatiert (ausleiert).

Infolgedessen pumpt der rechte Herzteil weniger Blut weiter. Der linke Herzteil versucht, diese Unterversorgung mit Blut durch eine Vasokonstriktion (Zusammenziehen der verbindenden Blutgefäße) zu kompensieren. Dieses Phänomen verursacht Herzrasen, Brustschmerzen und Beklemmungsgefühle. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert die Kompensation und der linke Herzteil ist so in der Lage, kurzzeitig noch verbliebenes sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pumpen. Wenn dieses System versagt, kommt es zum Blutdruckabfall, die Gefäße im Herz und im Gehirn erhalten zu wenig Sauerstoff und der Betroffene verliert das Bewusstsein. 

Wenn auch der linke Herzteil durch die Überlastung versagt und die Betroffenen einen Schock erleiden, dann ist jedes Organ des Körpers mit Sauerstoff unterversorgt. Als direktes Resultat ist oftmals ein Lungeninfarkt, Herzinfarkt oder Hirninfarkt (abgestorbenes Gewebe) zu beobachten. 

Risiken einer unbehandelten Lungenembolie

Meist sind die Symptome einer Lungenembolie jedoch nicht eindeutig und auch nicht immer fulminant. Daher sollten Betroffene Anzeichen wie Husten, Atemnot, Herzrasen oder Schwindel ernst nehmen, insbesondere wenn sie nach einer Operation oder nach Immobilität auftreten. Auch die Kombination mit Thrombose-Anzeichen wie eine gerötete, erwärmte und schmerzende Wade nach einem langen Flug, während der Schwangerschaft oder im Alter sollten Betroffene in Alarmbereitschaft versetzen. 

Denn kleine Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen oder Beckenvenen können sich leicht lösen und dann in die Lungengefäße wandern. Wenn schon bei den ersten Anzeichen einer Lungenembolie ein Arzt konsultiert wird und eine rasche Therapie erfolgt, lassen sich schwere Verläufe der Lungenarterienembolie verhindern. 

Die Überlebenschance bei einer Lungenembolie hängt allgemein von der Größe des verstopften Lungengefäßes, der Schwere der Symptomatik und der Dauer bis zur Therapieeinleitung ab. Eine fulminante Lungenembolie zieht oftmals schwere Folgen mit sich: Lungenentzündung, Pleuraerguss (Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustfell), Lungeninfarkt, bleibende Herz- oder Lungenschäden. Eine Lungenarterienembolie ist vor allem im Alter mit einer erhöhten Letalität verbunden. Etwa 5 bis 10 % der Fälle verlaufen tödlich, wobei der Tod in mehr als 90 % innerhalb der ersten 2 Stunden eintritt und mit einem fulminanten Verlauf (Schock etc.) einherging. 

Lungenembolie Therapie

Bei Verdacht auf eine Lungenembolie sollte sofort der Notarzt gerufen werden. Die Betroffenen dürfen sich nicht bewegen, um keine weiteren Thromben zu lösen. Die Erstversorgung bis zum Eintreffen des Notarztes umfasst beruhigen, Oberkörper hochlagern sowie enge Kleidung öffnen (Krawatte, Schal, Jacke, ...).

Der Notarzt wird den Betroffenen stabilisieren und zur Diagnostik und Therapie in ein Krankenhaus verlegen. Wenn die Untersuchungen ergeben, dass es sich bei den Anzeichen um eine Lungenarterienembolie handelt, wird der Patient auf einer Intensivstation behandelt. 

Als Mittel der Wahl hat sich Heparin durchgesetzt. Dieses sogenannte Thrombolysemittel löst das Gerinnsel auf. In einigen Fällen ist der Embolus so groß, dass das verstopfte Gefäß im Rahmen einer kleinen Operation mit einem Katheter wieder eröffnet werden muss. Sehr selten wird für die Ausräumung des Embolus eine große Operation mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine anberaumt.

Nach etwa 5 bis 10 Tagen erfolgt die Umstellung von venösem Heparin auf orale Antikoagulantia. Diese blutverdünnenden Medikamente sollen verhindern, dass sich erneut Thromben bilden. Die Tabletten müssen meist ein Leben lang eingenommen werden. 

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, lebensbedrohliche Zustände zu therapieren. Wie lange der Krankenhausaufenthalt ist, hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Erst wenn der Zustand der Betroffenen stabil ist und keine direkte Gefahr mehr durch einen Embolus ausgeht, kann die Entlassung nach Hause oder in eine Reha-Einrichtung erfolgen. 

Die Reha-Maßnahme stellt eine Möglichkeit dar, einerseits neue Embolien zu verhindern und andererseits die Folgen der Lungenarterienembolie in das Leben zu integrieren. Hierzu stehen den Betroffenen verschiedene Möglichkeiten im Rahmen der Reha zur Verfügung. Rauchentwöhnung, Mobilisierung oder Ernährungsberatung senken das Risiko für Rezidive (Wiederauftreten). Physiotherapie, Psychotherapie oder Atemtherapie sind geeignet, um nach dem lebensbedrohlichen Zustand wieder körperlich fit zu werden, die Atmung zu verbessern oder das Ereignis mit psychologischer Hilfe aufzuarbeiten. 

 

Nachsorge ist Vorsorge

Die meisten Menschen müssen Zeit ihres Lebens blutverdünnende Medikamente einnehmen, um die Gefahr von Thromben und Embolien zu minimieren. Sie erhalten dann einen medizinischen Ausweis, den sie immer bei sich führen müssen und Ärzten vor jeglicher Behandlung vorlegen sollten.

Lässt sich eine Lungenembolie vermeiden?

Da mehr als 90 % der Lungenarterienembolien aufgrund eines Blutgerinnsels in den tiefen Bein- oder Beckenvenen entstehen, ist die Prophylaxe von Thrombosen obligat.

Hierzu zählen vor allem:

  • Applikation von blutverdünnenden Medikamenten nach einer Operation, bei Ruhigstellung von Gliedmaßen (Gips, Schiene, etc.) oder bei Bettruhe bzw. Bettlägerigkeit

  • Mobilisation (Aktivierung der Wadenmuskelpumpe) bei längerem Sitzen oder Stehen, bei Flugreisen oder Autofahrten zur Förderung des venösen Rückflusses

  • Kompressionsstrümpfe oder –wickel korrekt anlegen und nach Arztanordnung tragen

  • ausreichend trinken 

  • Übergewicht reduzieren

  • Hochlagerung der Beine um 20 Grad (nur bei intaktem Herz)

Fazit

Eine Lungenembolie ist ein lebensbedrohliches Ereignis, bei dem ein Blutpfropf die Lungenarterie verlegt. Infolgedessen kann das Blut zum Wiederanreichern mit Sauerstoff nicht weiter transportiert werden und staut sich zurück zum Herzen. Zum einen bedeutet das eine Herzschädigung durch den überhöhten Druck, zum anderen eine Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Die Ursache ist in über 90 % der Fälle ein Thrombus aus den tiefen Beinvenen oder Beckenvenen, der sich losgelöst hat und in den immer dünner werdenden Gefäßen der Lunge stecken bleibt. 

Da meistens die Lungenarterie nicht komplett verlegt ist, können die Symptome einer Lungenembolie sehr diffus sein. Husten, Atemnot, Herzrasen oder Schwindel sind Anzeichen für eine Lungen- oder Herzerkrankung und sollten immer sofort abgeklärt werden. Wird die Lungenarterienembolie nämlich rasch erkannt und die Therapie eingeleitet, lassen sich schwere Verläufe und Folgeschäden vermeiden.

Die Behandlung zielt meist auf eine medikamentöse Thrombolyse ab, bei der sich der Embolus durch Heparin oder ähnliche Substanzen auflöst. Selten muss der Blutpfropf durch eine invasive Maßnahme entfernt werden. Die meisten Betroffenen müssen lebenslang blutverdünnende Medikamente einnehmen, um das Risiko eines Rezidivs zu minimieren. Doch auch andere Maßnahmen helfen, Thrombosen und daraus resultierende Embolien zu vermeiden.

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