Operation eines Aneurysmas

Sie selbst oder ein naher Angehöriger ist von der Diagnose "Aneurysma" betroffen? Sie sind unsicher, ob eine OP die richtige Methode der Behandlung ist? Suchen Sie einen Spezialisten für eine Aneurysma OP?

Informieren Sie sich in diesem Artikel über die Operation von Aneurysmen und deren Risiken. Erfahren Sie alles Wichtige zum Thema Verhalten nach der OP und Notwendigkeit einer Behandlung.

 

Was ist ein Aneurysma?

Ein Aneurysma ist eine dauerhafte, lokal begrenzte Erweiterung einer Arterie infolge von Wandveränderungen. In der Regel sind zu über 70 % Männer über 50 Jahren von einem Aneurysma betroffen. Ursächlich wird eine degenerative Gefäßwanderkrankung ausgemacht.

Diese sogenannte Arteriosklerose führt zu Ablagerungen an der Gefäßinnenwand. Infolgedessen verengt sich das Lumen und der Druck des durchfließenden Blutes erhöht sich. Dadurch überdehnt die Arterie und es kommt zu Mikroeinrissen in der Innenwand. Das Blut kann anschließend dort vermehrt Druck auf die mittlere und äußere Schicht ausüben. Diese reißen jedoch nicht, sondern sacken aus, ähnlich einem Ballon.

In seltenen Fällen können Aneurysmen auch als Folge anderer Erkrankungen wie rheumatisches Fieber, Lime-Borreliose oder angeborene Herzfehler auftreten. Als besonders gefährlich gelten das Aorten-Aneurysma und das zentrale Aneurysma. Das Aortenaneurysma ist eine Erweiterung der Aorta im Bereich des Brustkorbes (thorakal) oder im Bauch (abdominal), während zentrale Aneurysmen an Hirnarterien auftreten.

 

Gefahren und Risiken eines Aneurysmas

Das Blut fließt mit einer hohen Geschwindigkeit und einem hohen Druck durch die Arterien und versorgt den Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen. Ein Aneurysma ist also mit jedem Herzschlag einem Druck von 90 bis 160 mmHg ausgesetzt. Die Gefahr zentraler Gefäßerweiterungen liegt vorrangig in der Ruptur, wenn das Gewebe dem Druck nicht mehr standhalten kann. Innerhalb weniger Minuten fließt dann das Blut mit hoher Geschwindigkeit neben der Arterie und der Betroffene verblutet innerlich.

Wenn das Blut eine Gefäßerweiterung passiert, dann fließt es nicht direkt weiter, sondern verwirbelt von Zeit zu Zeit. Das bedeutet, dass sich Thromben in den Arterienaussackungen bilden. Diese Thrombenmassen können im Blutkreislauf so lange zirkulieren, bis sie eine arterielle Verzweigung erreichen und das darunterliegende Gefäß dann verschließen. Diese irreversiblen Gefäßverschlüsse können für Betroffene innerhalb von Minuten den Verlust einer Gliedmaße oder eines Organes bedeuten.

Unbehandelt können Aneurysmen zudem zu einer enormen Größe heranwachsen und dann anliegende Körperstrukturen verdrängen oder in ihrer Funktion beeinträchtigen. So wird vor allem von Schmerzen, Lähmungserscheinungen, Verdauungsschwierigkeiten, Schluckbeschwerden oder Blutungen berichtet.

Ein Aneurysma gehört daher in jedem Fall behandelt. Ob jedoch die Operation die erste Wahl bei der Therapie ist, entscheidet der Mediziner nach einer ausführlichen Untersuchung und Bildgebung.

 

OP-Methoden bei Aneurysmen

Eine Operation an einem rupturierten Aneurysma stellt eine absolute Notfallsituation dar und ist mit zahlreichen Risiken verbunden. Die Überlebenschance hängt von der Zeit und dem Zustand des Patienten ab, liegt aber nur zwischen 10 und 40%. Auch die Not-OP bei einem Verschluss durch einen Aneurysma-Thrombos ist bei weniger als 30% erfolgreich mit dem Erhalt der unterversorgten Gliedmaße oder Organes verbunden.

Anders sieht es bei prophylaktischen Operationen aus. Die vorsorglichen Operationen an Aortenaneurysmen korrelieren mit einer Letalität von unter 40%, an zentralen Aneurysmen unter30%.

Aortenaneurysmen können bei kleiner Größe ummantelt werden, größere Aussackungen benötigen eine aufwändige Operation mit einer Gefäß-Prothesenversorgung. Zentrale Aneurysmen werden entweder ausgefüllt und dadurch vom Blutkreislauf abgeschnitten oder durch Clipping dauerhaft entfernt.

 

Wie läuft eine Aneurysma-Operation ab?

OP-Methoden bei Aortenaneurysma

Der endovaskuläre Eingriff bei einem kleinen Aortenaneurysma wird unter Betäubung oder Narkose durchgeführt. Durch einen kleinen Schnitt in der Leiste schiebt der Chirurg einen Katheter über die Arterie bis zum Aneurysma vor. Dort bringt dieser einen Stent ein, welcher die Aussackung ummantelt. Dadurch ist die Aorta weniger Druck ausgesetzt und die Wahrscheinlichkeit einer Ruptur sinkt. Wenn der Stent fixiert ist, wird der Katheter wieder entfernt. Dieser Eingriff ist zwar schonender als eine offene Operation, sie ist jedoch mit häufigen Lagekontrollen und Wieder-Eingriffen verbunden.

Bei einer offenen Bauch-Aortenaneurysma OP wird unter Vollnarkose die Bauchdecke geöffnet und die Bauchaorta freigelegt. Oberhalb und unterhalb der Erweiterung wird eine Klemme gesetzt und das Aneurysma aufgeschnitten. Der Chirurg näht eine Gefäß-Prothese ein, fixiert die körpereigenen Gefäßwände des Aneurysmas mit der Prothese und gibt den Blutstrom wieder frei. Der Eingriff beinhaltet zahlreiche hohe Risiken.

Wenn es sich um eine offene Operation eines thorakalen Aortenaneurysmas handelt, so verläuft die OP gleich, jedoch muss der Patient zudem an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden, da der natürliche Blutkreislauf unterbrochen ist und das Herz zum Zeitpunkt der Operation nicht schlagen darf. Ist der Abschnitt der Aorta von dem Aneurysma betroffen, aus welcher die Arterien für das Gehirn entspringen, so muss das Blut zudem auf 18 Grad Celsius gekühlt werden. Dadurch verlangsamt sich der Stoffwechsel und das Gehirn reagiert unempfindlicher auf die Durchblutungsunterbrechung.

 

Aneurysma-Operation am Gehirn

Aneurysmen im Gehirn werden mithilfe des Coiling- oder des Clipping-Verfahrens operiert. Im Rahmen des Coiling-Verfahrens wird über einen Schnitt in der Leiste ein Katheter bis zum Aneurysma im Gehirn vorgeschoben. Ist die Spitze des Katheters richtig platziert, so werden darüber Spiralen in die Aussackung eingefüllt. Diese Platinspiralen werden durch einen Stent an Ort und Stelle gehalten. Das mit Platinspiralen gefüllte Aneurysma ist dann vom Blutstrom abgetrennt und kann infolgedessen nicht mehr rupturieren. Die Betroffenen müssen sich regelmäßigen Lagekontrollen unterziehen und lebenslang blutverdünnende Medikamente einnehmen.

Das Aneurysma Clipping ist eine offene Aneurysma Operation am Gehirn durch einen Neurochirurgen. Dieser öffnet den Schädel und legt das Blutgefäß frei. Das Aneurysma wird mithilfe eines kleinen Clips abgeklemmt und ist dann nicht mehr dem Blutstrom unterworfen. Der Clip verbleibt zeitlebens im Körper. Das Blut in dem abgeklemmten Aneurysma gerinnt, es wird zu Bindegewebe umgebaut und ist dann ungefährlich. Der Eingriff ist mit verschiedenen hohen Risiken verbunden und nur für Patienten geeignet, deren Aneurysmen gut zugängig liegen.

 

Überlebenschancen, Risiken und Lebenserwartung bei Aneurysmen

Die Aneurysma Behandlung wie auch die Operation obliegt nur Spezialisten für Aneurysmen. Diese verfügen über hohe fachliche Kompetenz, spezielles Wissen und gute Netzwerke. Doch auch die beste Spezial Klinik für Bauchaortenaneurysma und das hoch zertifizierte Krankenhaus für zentrale Aneurysma kann die OP-Risiken nur bis zu einem gewissen Grad senken.

Während die Letalität bei normalen Operationen in der Regel zwischen 1 und 5 % liegt, so ist die Überlebenschance bei einer Gehirnaneurysma-OP zwischen 50 und 70 %. Auch die Sterblichkeitsrate bei einer Aortenaneurysma-OP kann nicht unter 40 % gesenkt werden. Das Risiko, während oder direkt nach dem Eingriff Schäden durch Blutungen oder Sauerstoffmangel zu erleiden, steigt auf bis auf 40 %. Etwa genauso hoch ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer offenen Aneurysma-Operation einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Etwa 20 % aller Menschen mit einer offenen Aneurysma-OP müssen sich noch einmal einer Therapie unterziehen. Doch etwa 60 % aller Patienten, welche mithilfe eines Katheters behandelt wurden, werden innerhalb der ersten zehn Jahre noch einmal therapiert. Die Lebenserwartung mit einem unbehandelten Aneurysma sinkt bei Zunahme der Aussackung. Innerhalb von zehn Jahren nach Entdeckung kommt es bei über 50 % aller Betroffenen zu einer Aneurysmaruptur. Eine Behandlung kann die Überlebenschance bei einem Aneurysma erhöhen.

Ein schlechter Allgemeinzustand des Patienten führt innerhalb der ersten 4 Jahre nach Aneurysma Behandlung sehr häufig zum Tod, egal welche Art der Therapie stattgefunden hat. Die Lebenserwartung nach einer Aneurysma OP bei Menschen mit einer normalen körperlichen Verfassung kann dadurch jedoch signifikant erhöht werden.

 

Verhalten nach der Aneurysma OP und Genesung

Je nach Art des Eingriffs sind die Patienten nach einer Aneurysma Behandlung für etwa 10 bis 20 Tage im Krankenhaus. Anschließend ist es wichtig, in der Genesungsphase körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Während eine Stent Operation zwei bis drei Wochen Rekonvaleszenz bedarf, sollten sich Betroffene nach einer offenen Aortenaneurysma OP oder nach einer offenen Aneurysma OP am Gehirn für etwa 8 Wochen schonen.

In dieser Zeit ist es ratsam, durch geringe Bewegungen und Anstrengungen wie Spazierengehen den Körper wieder an Leistung zu gewöhnen. Es ist wichtig, Heben und Tragen von schweren Lasten, Sport, Sauna oder Schwimmen für etwa 3 Monate zu vermeiden.

Da oftmals die Ursache des Aneurysmas in einer Arteriosklerose liegt, sollte das Risiko einer weiteren Gefäßerweiterung durch diese Erkrankung gesenkt werden. Die Arterienverkalkung kann nicht rückgängig gemacht werden, doch das Fortschreiten der Erkrankung kann verzögert oder gestoppt werden, wenn sinnvolle Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise die Rauchentwöhnung, das Erreichen gesunder Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte sowie eine Anpassung des Körpergewichtes an die Normwerte. In der Regel empfiehlt sich nach der Aneurysma OP eine Anschlussheilbehandlung in einem Reha-Zentrum. Dort sind die Betroffenen bestens medizinisch versorgt und können entscheidende Weichen zur Anpassung ihres Lebensstils stellen.

Nach der Aneurysma Behandlung sind Nachkontrolluntersuchungen im Abstand von 3, 6 und 12 Monaten notwendig. Anschließend wird bei unauffälligem Befund alle ein oder zwei Jahre die Größe des Aneurysmas oder die Lage des Stents bzw. der Prothese kontrolliert.

 

 

Fazit zum Aneurysma

Ein Aneurysma ist eine Gefäßerweiterung, die zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann. Unbehandelt liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa 40 %, doch auch die Operation birgt viele Risiken. Während kleine Aneurysmen minimalinvasiv therapiert werden, behandeln Mediziner große Aneurysmen durch offene Operationen.

Die offene Operation wird nur von Spezialisten für Aneurysma in Spezialkliniken durchgeführt. Nach einer Genesungszeit im Krankenhaus empfiehlt sich eine Reha-Maßnahme. Denn neben dem Aufbau der körperlichen Leistungsfähigkeit nach der Aneurysma OP können Betroffene dort auch lernen, wie sie durch eine Umstellung des Lebensstils das Risiko einer neuen Gefäßerweiterung senken.

 

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