Bauchnabelentzündung - Wenn der Nabel Probleme bereitet

Etwa 1 % aller neugeborenen Babys entwickeln im Laufe der ersten Lebenswochen eine Bauchnabelentzündung. Doch auch Erwachsene können von der bakteriellen Infektion betroffen sein. Unbehandelt kann diese Erkrankung zu schweren Komplikationen führen, weshalb Betroffene schon bei Verdacht einen Arzt konsultieren sollten.

Doch woher kommt eine Bauchnabelentzündung? Und wie kann man als Laie eine Bauchnabelentzündung feststellen? Lesen Sie in diesem Artikel mehr zu Symptomen, Diagnostik und Behandlung einer Bauchnabelentzündung.

 

Was ist eine Bauchnabelentzündung?

Eine Omphalitis, wie die Bauchnabelentzündung im Fachjargon genannt wird, ist eine Entzündung des Nabels und der umgebenden Bauchwand. Vor allem Säuglinge sind davon betroffen, in wenigen Fällen können auch Erwachsene erkranken.

Doch insbesondere für Säuglinge kann eine Nabelentzündung lebensbedrohlich werden, da der Nabelstumpf in den ersten Wochen eine offene Wunde ist, über die Bakterien leicht in den Organismus eindringen und sich im Blut vermehren können.

 

Ursachen einer Bauchnabelentzündung

 

Bauchnabelentzündung bei Neugeborenen

Während der Schwangerschaft ist die Nabelschnur für den Säugling essentiell, denn diese verbindet den kindlichen Organismus mit der Plazenta. Über die Nabelschnur erreichen Sauerstoff und Nährstoffe den Fötus und versorgen ihn bis zur Geburt. Nach der Entbindung wird die Nabelschnur dann nicht mehr benötigt, deshalb durchtrennen Hebammen oder Ärzte die Nabelschnur, wenn diese mit dem Auspulsieren ihre Dienste beendet. Der Schnitt muss unbedingt steril erfolgen, damit keine Bakterien in die Wunde eindringen können. Nach der Durchtrennung der Nabelschnur werden im kindlichen Organismus Immunzellen und Eiweiße aktiviert, um den Nabelschnurrest einzutrocknen, einzufärben und nach etwa 2 Wochen abzustoßen.

Der Nabelschnurstumpf ist nach Abfallen des Restes jedoch noch immer eine offene Wunde und eine ideale Eintrittspforte für Keime. Am häufigsten führt das Bakterium Staphylococcus aureus zu einer Nabelinfektion, jedoch sind auch Mischinfektionen mit A-Streptokokken, Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae oder Proteus mirabilis möglich. Diese Erreger sind bei Erwachsenen harmlos, doch das unreife Immunsystem eines Neugeborenen ist nicht in der Lage, diese Keime abzuwehren.

Besonders häufig treten Bauchnabelentzündungen bei Neugeborenen mit einem geringen Geburtsgewicht, einem schlechten Allgemeinzustand oder in Kombination mit anderen Infektionen auf. Auch die Punktion der Nabelschnur oder eine Behandlung mit einem Nabelschnurkatheter erhöhen das Risiko an einer Bauchnabelentzündung zu erkranken.

 

Bauchnabelentzündung bei Erwachsenen

In der Heilungsphase eines Bauchnabelpiercings ist das Infektionsrisiko anfangs bei der neuen Wunde relativ hoch. Doch auch eine Kontaktallergie, welche durch Hosenknöpfe oder Gürtelschnallen hervorgerufen wird, kann eine Bauchnabelentzündung begünstigen. Ebenso kann eine Psoriasis (Schuppenflechte) in der Bauchnabelfalte auftreten und eine Infektion hervorrufen.

Nach einer Laparoskopie, bei der im Rahmen einer Operation nur ein kleiner Schnitt in der Nähe des Bauchnabels gemacht wird, kann es bei einer Wundheilungsstörung zu einer Bauchnabelinfektion kommen.

 

Symptome der Bauchnabelentzündung

Klassische Symptome bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen sind

  • Rötung, Schwellung und Übererwärmung des Nabels
  • Schmerzen im Bereich des Nabels
  • Vorwölbung der Nabelfalte
  • eitriger Ausfluss
  • eventuell blutiger Ausfluss
  • bei Fortschreiten der Infektion: Fieber, niedriger Blutdruck, Herzrasen

 

Der Bauchnabel riecht unangenehm

Wenn der Geruch des Bauchnabels unangenehm ist, dann liegt das zum großen Teil an mangelnder Hygiene. Denn insbesondere in den tiefen Nabelfalten können sich Fremdkörper der Kleidung, Hautschuppen, Schmutz und Bakterien sammeln. Dieses Gemisch sorgt für einen unangenehmen Geruch, was jedoch allein kein Anzeichen für eine Bauchnabelentzündung ist.

Durch das feucht-warme Milieu vermehren sich jedoch Bakterien und Pilze sehr schnell. Wenn der Bauchnabel riecht und zudem sehr berührungsempfindlich ist, kann es sich jedoch um eine Infektion handeln.

 

Der Bauchnabel schmerzt

Schmerzen sind klassische Entzündungzeichen und begleiten die Bauchnabelinfektion. Je stärker die Entzündung vorangeschritten ist, umso heftiger zeigen sich die Schmerzen. Handelt es sich jedoch um einen Pilzbefall in der Bauchnabelfalte, so treten kaum Schmerzen zu Tage. Bakterielle Infektionen des Nabels hingegen sind durch Schmerzen, Rötung und Schwellung gekennzeichnet.

 

Der Bauchnabel eitert

In vielen Fällen tritt bei einer Bauchnabelentzündung eitriges Sekret aus. Differenzialdiagnostisch kann sich jedoch auch ein Abszess am Bauchnabel ausbilden. Dabei handelt es sich um einen geschlossenen Raum, der mit Eiter gefüllt ist. Viele Betroffene können die Eiterhöhle ertasten, wobei dies extrem schmerzhaft ist. Ein Abszess muss immer medizinisch behandelt werden.

 

Bauchnabelentzündung: Ab wann zum Arzt?

Aufsteigende Infektionen sind nicht selten bei einer Bauchnabelentzündung. Wenn sich Ihr Allgmeinzustand oder der Ihres Kindes verschlechtert, sollten Sie umgehend einen Arzt konsultieren. Denn die Erreger können den Bauchnabel hinterwandern und umliegendes Gewebe infizieren. Auch die Verschleppung der Keime über das Blut in weiter entfernte Organe ist nicht selten. Dies geht dann zum Beispiel mit einer Peritonitis (Bauchfellentzündung), Leberabszessen, Pfortaderthrombosen, Endokarditis (Herzinnenhautentzündung), Nekrosen (Absterben von Gewebe) von Faszien oder Muskeln oder einer Sepsis (Vergiftung) einher.

Die Mortalitätsrate ist bei Komplikationen durch eine Bauchnabelentzündung sehr hoch. Vor allem Neugeborene sind aufgrund des unreifen Immunsystems besonders gefährdet. In Entwicklungsländern ist die Bauchnabelentzündung eine der Hauptursachen für die hohe Säuglingssterblichkeit.

 

Eine Bauchnabelentzündung feststellen

Der Arzt wird durch das klinische Bild in der Regel schnell die Diagnose Bauchnabelentzündung stellen. Denn der eitrige Ausfluss, die hohe Berührungsempfindlichkeit und die deutliche Rötung sprechen für sich.

Zur Sicherung des Verdachts nimmt der Mediziner Blut und einen Abstrich am Bauchnabel ab. Die Entzündungswerte im Blut sind bei bakterieller Ursache sehr hoch, die Bakterienkultur gibt anschließend Aufschluss über die Art des Erregerstammes.

Um Abszesse, Fisteln oder die Beteiligung anderer Strukturen auszuschließen, ist eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll. Diese ermöglicht es dem Arzt, tiefreichende Organe zu erkennen und Komplikationen frühzeitig zu diagnostizieren.

 

Behandlungsmöglichkeiten und Therapien für Bauchnabelentzündung

Wurde eine Bauchnabelentzündung diagnostiziert, muss die Therapie sofort eingeleitet werden. Insbesondere wenn eine Besiedelung mit multiresistenten Keimen vorliegt, kann eine Bauchnabelentzündung unbehandelt zu schweren Komplikationen führen.

 

Allgemeine Maßnahmen bei einer Bauchnabelentzündung

Bei vielen Kindern und Erwachsenen genügt es, den entzündeten Bauchnabel mehrmals täglich mit lauwarmen Wasser vorsichtig zu reinigen, mit einer Kamillenlösung zu spülen oder mittels geeigneter Wunddesinfektionsmittel zu säubern. Da die Bakterien vor allem in einem feucht-warmen Milieu gut gedeihen, ist es ratsam, den Bauchnabel nicht vollständig zu bedecken, sondern nur mithilfe einer sterilen Kompresse vor Reibung zu schützen.

Ist eine Kontaktallergie ursächlich für die Bauchnabelentzündung, sollten Betroffene das Allergen bis zur Ausheilung unbedingt meiden.

Bauchnabelpiercings, die eine Nabelinfektion hervorgerufen haben, sollten unbedingt regelmäßig gereinigt und bewegt werden, damit der Stichkanal und der Nabel abheilen können.

 

Antibiotika bei Bauchnabelentzündung

Ist die Infektion sehr hartnäckig oder handelt es sich um eine Bauchnabelentzündung bei einem Neugeborenen, sind antibiotische Maßnahmen unbedingt anzuraten. Die Therapie bei Babys erfolgt unter Umständen stationär.

Eine Behandlung mit antibiotischer Salbe ist dann sinnvoll, wenn sich die Infektion noch in einem frühen Stadium befindet. Ziel dieser Therapie ist es, die Keimzahl zu reduzieren, ohne eine systemische Antibiotikagabe anvisieren zu müssen.

Im Falle einer ausgedehnten Bauchnabelentzündung oder bei vorliegenden Infektionen in tiefer liegenden Gewebeschichten muss die antibiotische Therapie systemisch erfolgen, oral oder per Infusion.

 

Operation

Wenn sich im Rahmen der Bauchnabelentzündung eitrige Abszesse bilden, müssen diese immer operativ ausgeräumt werden. Dies ist ein vergleichsweise kurzer und unkomplizierter Eingriff mit großer Wirkung.

 

 

Bauchnabelentzündung vorbeugen

Allgemeine Maßnahmen

Wenn Sie sich ein Bauchnabelpiercing stechen lassen, ist es ratsam, sich rechtzeitig über die geeignete Wundpflege zu informieren und das dafür notwendige Material zu besorgen. Da der Stichkanal sehr lang ist, dauert auch die Heilung unter Umständen mehrere Wochen. In dieser Zeit sollten Sie unbedingt darauf achten, dass der Hosen- oder Rockbund nicht am Piercing reibt oder reißt. Zudem ist eine hohe Wärmeexposition, zum Beispiel durch Sauna oder Solarium, kontraindiziert.

Bei bekannter Nickelallergie müssen Sie darauf achten, Nabelschmuck oder Bekleidung mit Knopf ohne Nickelanteil zu kaufen. Bereits beim ersten Juckreiz sollten Sie das Allergen entfernen, bevor es zu einer Entzündung im Nabelbereich kommt.

 

Strenge Hygiene

Bei Säuglingen wird eine Bauchnabelentzündung in den wenigsten Fällen bei der Geburt durch die Mutter übertragen. Die auslösenden Keime gelangen vor allem durch Schmierinfektion in den Nabelbereich und verursachen eine Bauchnabelentzündung. Deshalb ist es ratsam, vor jedem Kontakt mit einem Neugeborenen die Hände zu desinfizieren.

 

Präventive Antibiotika

Unter verschiedenen Geburtsvoraussetzungen ordnen Ärzte manchmal eine präventive Antibiotikagabe an. Ein vorzeitiger Blasensprung, Fieber in der Geburtsphase oder eine Geburt über 12 Stunden sind Indikationen. Dadurch wird auch das Risiko einer Bauchnabelentzündung bei dem gestressten Neugeborenen gesenkt wird.

 

Bauchnabelpflege bei Babys

Die Nabelpflege ist Teil der allgemeinen Pflege bei Säuglingen und bedarf keiner besonderen Fachkenntnisse.

Versuchen Sie dennoch, folgende Tipps bis zum Abfallen und kompletten Abheilen des Nabels umzusetzen:

 

  • Halten Sie den Nabel stets sauber und frei von Urin oder Stuhl
  • Entfernen Sie Verunreinigungen mit Wasser, Calendulaessenz und sterilen Kompressen
  • Tupfen Sie den Nabel nach jeder Reinigung trocken
  • für die Pflege kann beispielsweise auch Nabelöl (Partnerlink*) verwendet werden
  • Entfernen Sie selbst keine Verkrustungen, da dadurch Verletzungen entstehen können, die wiederum Eintrittspforten für Keime sind
  • Wenn der Nabel bis zum Abfallen des Stumpfes leicht blutet, ist das im Rahmen der Heilungsphase normal
  • Die Meinungen darüber, ob die Windel den Nabelstumpf bis zum Abfallen überdecken oder unterhalb des Stumpfes umgeschlagen werden sollte, gehen auseinander – wichtig ist, dass es unter keinen Umständen zu Reibung am Stumpf oder im Nabelbereich kommt
  • Verzichten Sie bis zum Abfallen des Stumpfes auf Vollbäder, reinigen Sie den Säugling besser mit Schwammbädern
  • Lassen Sie den Nabel unbedingt von selbst abfallen

 

Fazit

Eine Bauchnabelentzündung ist eine schwere Infektion, die unbehandelt noch immer in vielen Teilen der Erde zum Tod führt. In der Regel sind Säuglinge davon betroffen, da bis zum Abfallen des Nabelstumpfes der Bauchnabel eine offene Wunde darstellt. Doch auch Erwachsene können beispielsweise aufgrund eines entzündeten Bauchnabelpiercings oder einer Kontaktallergie eine Bauchnabelentzündung entwickeln.

Die Symptome der Bauchnabelentzündung sind in jedem Alter gleich: Rötung, Schmerzen, Schwellung und eitriges Sekret kennzeichnen die Infektion. Unbehandelt treten vor allem bei Säuglingen sehr rasch Komplikationen zu Tage, die auch tödlich enden können.

Daher ist es ratsam, eine Bauchnabelentzündung schnell zu behandeln und vor allem bei Säuglingen durch die richtige Nabelpflege vorzubeugen.

 

 

 

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