Syphilis

Syphilis ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die durch Bakterien hervorgerufen und fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen wird.

Während in Mitteleuropa vor allem homo- und bisexuelle Männer betroffen sind, infizieren sich in anderen Regionen der Erde meistens heterosexuelle Frauen mit dem Erreger. Die Syphilis Symptome sind sehr vielfältig, daher verkennen Betroffene die Erkrankung und eine Therapie bleibt im Anfangsstadium meist aus.

Infolgedessen entwickeln sich schwere Folgeschäden, weshalb die Krankheit lange Zeit gefürchtet war. Doch seit der Verfügbarkeit von Penicillin ist Syphilis gut zu behandeln.

Lesen Sie in diesem Beitrag alles über die Krankheit Syphilis, die Anzeichen, Stadien, Risiken und Behandlungsmöglichkeiten. 

Was ist Syphilis?

Die erste Erwähnung fand die Syphilis Ende des 15. Jahrhunderts als „Franzosenkrankheit“ während der französischen Invasion in Italien, als sich die Krankheit in Neapel durch die französischen Truppen rasant verbreitete. 

Syphilis zählt noch immer zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten. Das Bakterium Treponema pallidum gelangt vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr über die Schleimhäute in den Körper und verursacht die Erkrankung, gegen die der menschliche Organismus keine wirksamen Antikörper produzieren kann. So verläuft Syphilis in mehreren Stadien, welche durch diverse Symptome gekennzeichnet sind.

Während der ersten Phase mit teilweise sehr leichten Anzeichen ist die Infektionsgefahr am höchsten, die späteren Stadien sind zwar durch schwere gesundheitliche Beschwerden gekennzeichnet, doch eine Übertragung kann nur noch selten stattfinden. 

In Deutschland sind etwa 6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner jährlich zu verzeichnen. Auf 10 infizierte Männer kommt 1 Frau. Nicht selten tritt die Erkrankung zusammen mit HIV in Erscheinung. In Deutschland sind etwa 80 % der Neuinfizierten homo- oder bisexuelle Männer.

Syphilis, auch als Lues oder harter Schanker bezeichnet, ist meldepflichtig. 

Welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen eine Syphilisinfektion?

Syphilis wird durch das Bakterium Treponema pallidum übertragen. Der Mensch ist der einzige Wirt dieses Erregers.

Es ist in der Lage, durch kleinste Läsionen der vaginalen, analen oder oralen Schleimhaut in den menschlichen Organismus einzudringen. In mehr als 30 % der Fälle führt dies zu einer Infektion. 

Das Bakterium kann allerdings auch über die austretende Flüssigkeit der hochinfektiösen Geschwüre weitergetragen werden. Die Infektiösität der serösen Flüssigkeit ist vor allem im Primärstadium am höchsten.

Die diaplazentare Übertragung zwischen Mutter und Fötus führt zum Tod des ungeborenen Kindes, zu Frühgeburten oder schweren Schädigungen des Fötus. Daher wird im Rahmen der Mutterschaftsuntersuchungen das Blut systematisch auf Syphilisantikörper getestet und bei Vorhandensein eine geeignete Therapie eingeleitet, damit das Bakterium nicht mehr über die Plazenta zum Fötus gelangen kann.

Die Übertragung durch Bluttransfusionen, Injektionsnadeln oder Akupunkturnadeln ist nicht erwähnenswert, da im medizinischen Alltag immer Einmalprodukte verwendet werden und alle Blutspender auf Syphilis getestet sind. Ebenso ist die Ansteckung über gemeinsam genutzte Toiletten extrem gering, da der Erreger außerhalb des Körpers nicht überleben kann. 

Nach einer ausgeheilten Syphilisinfektion können sich Menschen wieder mit dem Erreger infizieren, weil der menschliche Organismus nicht in der Lage ist, spezifische Antikörper und Gedächtniszellen gegen das Bakterium auszubilden.

Was sind typische Syphilis Anzeichen?

Bei mehr als der Hälfte der Infizierten verläuft die Infektion vorerst asymptomatisch. Das bedeutet, sie entwickeln keine Symptome, sodass die Krankheit nicht wahrgenommen wird und nicht behandelt werden kann.

Kommt es jedoch zu Symptomen, sind die Syphilis Anzeichen beim Mann und bei der Frau nahezu gleich. Lediglich die Stellen, an denen sich die ersten Symptome zeigen, variieren. 

Syphilis verläuft unbehandelt beim Mann und bei der Frau in drei Stadien: Frühsyphilis oder auch Primärsyphilis, Sekundärsyphilis sowie Spätsyphilis oder Tertiärsyphilis.

Der zeitliche Verlauf zwischen den einzelnen Stadien sowie die Ausprägungen sind von Patient zu Patient unterschiedlich.

 

Primärstadium

Die ersten Anzeichen der Syphilis treten zwischen drei und vier Wochen nach der Infektion auf. Lues zeigt sich als schmerzloses, knötchenförmiges Geschwür mit hartem Rand. Bei Vaginalverkehr tritt der Hautdefekt meist am Penis, an den Schamlippen oder in der Vagina auf, bei Analverkehr findet er sich im Enddarm und nach Oralverkehr im Mund-Rachen-Raum. Ein Geschwür außerhalb des Genitalbereiches kann leichte Schmerzen verursachen. 

Innerhalb weniger Tage wächst das Knötchen zu einem münzgroßen, flachen Geschwür mit derben Rand an und sondert eine farblose Flüssigkeit ab. Diese enthält eine Vielzahl an Bakterien, weshalb sie als hochinfektiös gilt. 

Weitere ein bis zwei Wochen später schwellen auch die lokalen Lymphknoten an und werden hart. Dann sind die Erreger über spezifische Tests nachweisbar. Auch Muskel-, Gelenk- oder Knochenschmerzen können im Zusammenhang mit dem Primärstadium der Syphilis auftreten. 

Etwa 2 Monate nach dem ersten Auftreten der Knötchen bilden sich die hochinfektiösen Hautgeschwüre allein wieder zurück.

Deshalb wird die Erkrankung oftmals nicht als Syphilisinfektion eingeordnet und eine adäquate Therapie bleibt aus.

Dadurch geht die Primärsyphilis in das nächste Stadium über. 

 

Sekundärstadium

Etwa 2 bis 3 Monate nach der Ansteckung leiden viele Menschen unter grippeartigen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, generalisierten Lymphknotenschwellungen oder Müdigkeit. Das ist der Zeitpunkt, an dem sich die Bakterien über das Blut- und Lymphsystem im gesamten Körper verbreitet haben. 

Typischerweise zeigt sich ein Exanthem, das sehr variabel sein kann: leichte, rötliche Flecken am Rumpf, derbe Knötchen in den Hautfalten, lappenartige Hautanhängsel im Genitalbereich, nässende Geschwüre an der Kopfhaut mit Haarausfall, Plaques an der Mundschleimhaut oder Depigmentierungen am Halsansatz. Diese Hauterscheinungen bilden sich innerhalb von 4 Monaten wieder zurück. Bei manchen Betroffenen treten sie immer wieder in bestimmten Zeitabständen auf. Für Syphilis typisch sind Hautausschläge, welche allesamt nicht mit Juckreiz einhergehen. 

Auch wenn sich die Sekundärsyphilis optisch meist nur auf Haut und Schleimhäute beschränkt, ist der gesamte Körper betroffen. Die Bakterien verursachen bei der Ausbreitung in Leber oder Milz beispielsweise auch Organschwellungen oder Blutarmut. Des Weiteren ist Syphilis auch im Sekundärstadium noch sehr ansteckend. 

Eine besondere Form der Sekundärsyphilis ist das sogenannte Babinski-Vaques-Syndrom, bei dem zu den oben genannten Symptomen auch eine veränderte Pupillenreaktion, eine Entzündung der Aorta, abgeschwächte Reflexe der Muskulatur sowie rezidivierende Gehirnentzündungen auftreten. 

Die meisten Erkrankten entwickeln im Rahmen der Sekundärsyphilis im Anschluss an die Phase eine sogenannte Latenz. Die Bakterien bleiben zwar im Körper, lösen jedoch keine typischen Symptome aus. Diese Phase kann sich über Monate bis Jahre erstrecken. 

 

Tertiärstadium

Das dritte Stadium tritt durchschnittlich 3 bis 5 Jahre nach der Infektion auf. Es ist gekennzeichnet durch den Befall der inneren Organe, der Blutbahnen, Muskeln sowie des Nerven- und des Lymphsystems.

Große Geschwüre an der Haut, an den Schleimhäuten, Augen und Knochen verursachen Entzündungen, die nicht abheilen, sondern nekrotisieren (absterbendes Gewebe). Die Knoten beinhalten ein gummiartiges Sekret, weshalb diese als „Gummen“ bezeichnet werden. Besonders gefährlich sind diese Gummen an der Aorta, weil sie Aneurysmen begünstigen. Schlimmstenfalls reißt die Aorta an der betroffenen Stelle und die Betroffenen können verbluten. 

Etwa 20 % der Betroffenen, die nicht behandelt wurden, zeigen nach ca. 10 Jahren schwere neurologische Störungen: chronische Hirnentzündungen, die zu Demenz führen, Neurolues mit zunehmenden Bewegungs- und Sprachstörungen, Ausfall von Hirnnerven mit einhergehenden Missempfindungen bei Schmerzen und Temperatur, Impotenz sowie Harn-und Stuhlinkontinenz, Wahrnehmungsstörungen, Sexualtriebstörungen, Lähmungen sowie Erblindung. 

Welche Risiken gehen von Syphilis aus?

Unbehandelt heilt die Syphilis nur sehr selten aus. Selbst wenn die Symptome wieder verschwinden, bleiben die Erreger für gewöhnlich im Körper und breiten sich aus.

So tritt Lues in das nächste Stadium über. Ohne eine Therapie sind nicht nur schwere körperliche Einschränkungen zu verzeichnen, Tertiärsyphilis führt unbehandelt nach durchschnittlich 5 Jahren zum Tod.

Was tun bei Syphilis?

Besteht der Verdacht, sich mit Syphilis infiziert zu haben, sollten Betroffene sofort einen Arzt konsultieren.

Geeignete Adressen finden sich im Gesundheitsamt, bei Frauenärzten, Urologen und Allgemeinärzten sowie in Beratungsstellen für AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten. 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Syphilis?

In der Regel erfolgt die Therapie der Syphilis ambulant. Penicillin ist zur Behandlung zugelassen, bei Unverträglichkeiten helfen auch Doxycyclin oder Erythromycin sowie Ceftriaxon.

Dauer und Dosierung hängen vom Stadium ab: Die Frühsyphilis kann durch eine einmalige Injektion oder eine mehrmalige Tablettengabe therapiert werden, im Sekundärstadium sind mehrere Gaben des Antibiotikums notwendig, weshalb Patienten manchmal stationär aufgenommen werden. Insbesondere wenn eine neurologische Beteiligung durch die Hirnwasserdiagnostik nachweisbar ist, muss die Therapie stationär erfolgen, unabhängig davon, ob neurologische Symptome auf die Syphilis hinweisen oder nicht.

Aufgrund der Antibiotika-Gabe zerfallen die Syphilis-Bakterien und setzen dadurch Toxine frei. Diese lösen bei den Betroffenen schwere Vergiftungserscheinungen wie Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Kopfschmerzen aus. Um dieser Reaktion vorzubeugen, hat es sich bewährt, vor der ersten Antibiotika-Gabe Kortison zu verabreichen. 

Um den Erfolg der Syphilis Therapie beurteilen zu können, muss der behandelnde Arzt in regelmäßigen Abständen Blut und bei neurologischer Beteiligung auch Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) abnehmen und untersuchen lassen. 

Da Syphilis hochansteckend ist, sollten Betroffene ihre Sexualpartner über die Erkrankung informieren. Im Frühstadium ist es zu empfehlen, alle Sexualpartner der vergangenen 3 Monate vorbeugend antibiotisch zu behandeln, ab dem Sekundärstadium alle Partner der letzten 2 Jahre. 

Schwangere Frauen werden ebenso mit Penicillin oder vergleichbaren Medikamenten behandelt. Gegebenenfalls wird die Dosis reduziert und dafür länger verabreicht, um den Fötus so wenig wie möglich zu belasten. 

Allgemein ist die Heilungsrate mit Antibiotika sehr hoch und liegt beinahe bei 100 %. Selbst Menschen im Tertiärstadium können noch durch das Antibiotika genesen. Doch die Organschädigungen lassen sich dann nicht mehr therapieren, daher sollte die Behandlung so früh wie möglich erfolgen. 

Vorbeugung ist besser als Therapie

Syphilis lässt sich einfach durch Safer Sex vorbeugen. Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome oder Oraltücher, sodass Sie nicht mit den Körperflüssigkeiten des anderen in Kontakt kommen. Besonders wichtig ist das für Menschen, die häufig ihre Sexualpartner wechseln.

Dadurch lässt sich das Risiko einer Übertragung erheblich senken, wenn die Betroffenen keine Mikroläsionen im Mund oder an den Lippen haben, die beim Küssen zur Übertragung führen könnten. 

Menschen, die Drogen nehmen, sollten immer ein eigenes Spritzenbesteck benutzen, um sich nicht mit Syphilis oder anderen Krankheiten zu infizieren.

Fazit

Syphilis ist eine Geschlechtskrankheit, die durch das Bakterium Treponema pallidum übertragen wird. Der häufigste Übertragungsweg ist ungeschützter Sex. Die Symptome der Syphilis sind sehr variabel und nur 50 % der Betroffenen zeigen im Frühstadium überhaupt Anzeichen.

Die Erkrankung macht sich meist durch kleine Geschwüre im Genitalbereich bemerkbar. Da diese jedoch auch unbehandelt nach einiger Zeit verschwinden, erkennen viele Betroffene die Krankheit nicht. Dadurch kann es zum Ausbreiten der Syphiliserreger kommen. Im Sekundärstadium zeigt sich die Syphilis dann nicht nur durch Geschwüre auf der Haut und auf Schleimhäuten, sondern auch durch andere Symptome. 

Syphilis kann gut durch eine entsprechende Antibiotikatherapie behandelt werden. Die Erfolgsquote ist auch bei fortgeschrittener Krankheit enorm hoch. Da jedoch die Folgeschäden, welche im Laufe der Zeit durch die Erreger hervorgerufen wurden, oftmals irreversibel sind, ist es ratsam, bei Verdacht auf Syphilis einen Test durchführen und eine Therapie einleiten zu lassen.

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