Viszeralchirurgie

 

 

Wenn sich die Bauchorgane offenbaren müssen

In der Medizin gibt es Experten für die verschiedensten Bereiche. Eines der Fachgebiete ist die Viszeralchirurgie. Mehr als die Hälfte aller Menschen, die die Arbeit eines Viszeralchirurgen in Anspruch nehmen, sind 60 Jahre oder älter. Vor allem Eingriffe am Darm und an der Gallenblase sind sehr häufig. Doch auch die Reparatur von Leistenbrüchen oder die Entfernung von Tumoren sowie die unterstützende Behandlung adipöser Menschen durch eine Magenverkleinerung machen mehr als 500.000 Eingriffe jährlich in Deutschland aus.

Die Viszeralchirurgie ist eines der ältesten Fachgebiete der Medizin. Bereits 1881 begründete Theodor Billroth mit einer Magenresektion die Magenchirurgie, einen Bereich der Viszeralchirurgie.

Wenn auch Sie wissen möchten, was die Viszeralchirurgie ist, welche Krankheiten von einem Viszeralchirurgen behandelt werden und welche Operationsarten geläufig sind, dann sind Sie bei diesem Artikel richtig.

 

Was ist die Viszeralchirurgie?

Vom lateinischen Wort „Viscera“ abgeleitet, bezeichnet der Begriff Viszeralchirurgie ein Teilgebiet der Medizin, das sich mit operativen Eingriffen im Abdomen beschäftigt. Im Abdomen liegen Speiseröhre, Magen, Dünndarm, Dickdarm, Leber, Gallenblase, Milz und Bauchspeicheldrüse sowie Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebennieren. Viszeralchirurgen therapieren und operieren aber nicht nur Erkrankungen der Eingeweise, sie befassen sich auch mit Verletzungen im Baumraum und behandeln maligne Entartungen der Bauchorgane.

Insbesondere in den Hauptbereichen haben Viszeralchirurgen alle Hände voll zu tun: Operative Entfernungen von Darmabschnitten bei Morbus Crohn, Ausräumung von Fisteln und Divertikeln, Verkleinerung von Tumoren, Transplantationen von Leberteilen, Verschluss eines Leistenbruchs oder die Entfernung des entzündeten Blinddarms – um nur einige Beispiele zu nennen.

Eine Ausnahme bilden die Nieren. Diese liegen zwar auch im Abdomen, fallen jedoch unter das Fachgebiet des Urologen.

 

Welche Bereiche umfasst das Gebiet der Viszeralchirurgie?

Die Viszeralchirurgie wird in verschiedene Bereiche unterteilt:

  • Magenchirurgie
  • Speiseröhrenchirurgie
  • Darmchirurgie
  • Hernienchirurgie
  • Leberchirurgie
  • Pankreaschirurgie
  • Gallenchirurgie
  • Beckenbodenchirurgie
  • Endokrine Chirurgie
  • Adipositaschirurgie

 

Welche Krankheitsbilder werden in der Viszeralchirurgie behandelt?

Jeder Teilbereich der Viszeralchirurgie befasst sich mit diversen Krankheitsbildern. Oftmals wird die Therapie in einem multidisziplinären Team aus Medizinern verschiedener Fachrichtungen angestrebt, um die Patienten bestmöglich zu behandeln.

 

Magenchirurgie

Die Magenchirurgie therapiert unter anderem gutartige und bösartige Tumore des Magens, Stenosen (Verengungen im Bereich des Mageneingangs oder –ausgangs), Fehlbildungen oder Verdrehungen. Auch Verletzungen des Magens beispielsweise durch geschluckte Fremdkörper oder Gewalteinwirkung fallen unter die Magenchirurgie. Bei einer Hiatushernie (Zwechfellbruch) verlagert der Viszeralchirurg den Magenanteil, welcher durch das gerissene Zwerchfell in den Brustraum drückt, wieder operativ zurück.

 

Speiseröhrenchirurgie

Die Gründe für eine Operation an der Speiseröhre sind vielfältig. Fehlbildungen, Fisteln oder Divertikel verursachen starke Beschwerden und stellen eine klassische Indikation für eine Speiseröhrenoperation dar. Auch Speiseröhrenverletzungen durch verschluckte Fremdkörper oder Hernien, bei denen Speiseröhrenanteile verlegt sind, werden vom Viszeralchirurgen therapiert. Ist die Speiseröhre verengt oder in ihrem Schließmechanismus beeinträchtigt, kann dies unbehandelt schwere Folgen haben, weshalb diese Erkrankungen ebenfalls operativ behandelt werden. Ebenso fällt die Resektion von gutartigen und bösartigen Tumoren in der Speiseröhre in das Behandlungsspektrum des Viszeralchirurgen.

 

Darmchirurgie

Bei akuten oder chronischen Erkrankungen des Darms ist oftmals eine Operation indiziert. Die Entfernung von gutartigen Polypen und bösartigen Krebsgeschwüren, die Beseitigung eines Darmverschlusses, die Behandlung eines Mesenterialinfarktes, die Therapie von Divertikeln sowie die Resektion entzündeter oder nekrotischer Darmabschnitte bei Morbus Crohn, Colitis Ulzerosa oder Appendizitis machen einen Viszeralchirurgen unverzichtbar. Im Fokus der Darmchirurgie stehen zudem Erkrankungen des Enddarms und des Afters wie Hämorrhiden, Analfissuren, Analfisteln und Analabszesse.

 

Leberchirurgie

Wenn Menschen unter Leberkrebs, Lebermetastasen, Leberzirrhose, Leberentzündungen oder anderen Lebererkrankungen leiden, bedarf es nicht selten einer operativen Behandlung durch einen Viszeralchirurgen.

 

Pankreaschirurgie

Die Entfernung von Tumorgewebe bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist einer der Schwerpunkte der Pankreaschirurgie. Des Weiteren gehören auch akute und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen sowie Fehlbildungen des Pankreas zum Aufgabengebiet des Viszeralchirurgen.

 

Gallenchirurgie

Die häufigste Erkrankung, die in der Gallenchirurgie behandelt wird, ist die Gallenblasenentzündung. Doch auch die Entfernung von Gallensteinen, die Beseitigung einer chronischen Gallenabflusstörung oder die Entfernung eines Gallenblasentumors machen eine umfangreiche Behandlung in der Viszeralchirurgie nötig.

 

Beckenbodenchirurgie

Harn- oder Stuhlinkontinenz treten entweder infolge einer Beckenbodenschwäche oder einer Schließmuskelschwäche zu Tage oder sind Folge eines operativen Eingriffes am Darm oder an der Prostata. Beide Arten der Inkontinenz können im Beckenbodenzentrum der Viszeralchirurgie therapiert werden.

 

Endokrine Chirurgie

Die Schilddrüse und Nebenschilddrüse wie auch die Nebenniere können von verschiedenen Krankheiten betroffen sein. Nicht immer ist eine Resektion des Organs notwendig. Falls ein Struma („Kropf“ der Schilddrüse), ein Tumor oder Abszesse die Schilddrüse so stark in ihrer Funktion einschränken und die Gesundheit des Betroffenen gefährden, entfernen Viszeralchirurgen das betroffene Schilddrüsengewebe. Auch die Nebennieren sind in sehr seltenen Fällen von Tumoren oder Zysten befallen und müssen dann chirurgisch entnommen werden.

 

Adipositaschirurgie

Bei einer Fettsucht (Adipositas) haben die betroffenen Menschen so viel Körperfett, dass es zu schweren gesundheitlichen Problemen führt. Um eine langfristige Gewichtsreduktion zu erzielen und zu halten, besteht die Adipostitastherapie aus drei Bausteinen: Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie. In den meisten Fällen können die Betroffenen nur durch die reine konservative Behandlung die Fettsucht jedoch nicht therapieren. Wenn sich nach 24 Monaten kein oder kein zufriedenstellender Erfolg durch die konservative Adipositastherapie zeigt, ist eine chirurgische Intervention bei einem Viszeralchirurgen indiziert.

Die am häufigsten durchgeführte Operation in der Adipositaschirurgie ist das Einsetzen eines Magenbandes und das Formen eines Schlauchmagens (Magenverkleinerung). Ebenso kommen jedoch auch die Biliopankreatische Diversion sowie der Magenbypass in einigen Fällen zum Einsatz.

 

Fachärzte und Spezialisten für Viszeralchirurgie

Wenn Sie einen Arzt benötigen, wollen Sie in der Regel die beste medizinische Versorgung. Am besten verlassen Sie sich auf die Erfahrung der Mediziner und deren Netzwerk.

In Deutschland verfügen alle Viszeralchirurgen über eine fundierte theoretische und praktische Facharztausbildung, welche 6 Jahre dauert und an das Medizinstudium angeschlossen wird. Diverse Weiterbildungen nach dem Erwerb des Facharztes vervollständigen das Know-How des Mediziners und ermöglichen das Arbeiten auf höchstem evidenzbasiertem Niveau.

Die meisten Viszeralchirurgen arbeiten eng mit Medizinern aus anderen Fachgebieten zusammen, beispielsweise Gynäkologen, Urologen oder Onkologen. So können die Patienten besser und schneller versorgt werden. Auch die enge Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team aus Pflegekräften, Therapeuten, Ernährungsberatern oder Psychologen steigert die Compliance der Patienten, erhöht die Heilungschancen und verbessert die Lebensqualität der Betroffenen.

Sie finden Fachärzte für Viszeralchirurgie in der Regel in Krankenhäusern oder Spezialkliniken. Alle dort ansässigen Viszeralchirurgen verfügen nicht nur über operative Fachkenntnisse, sondern auch über spezielles Wissen bezüglich adäquater Vor- und Nachbehandlungen sowie notwendiger Reha-Maßnahmen.

 

Welche Diagnostikverfahren werden angewandt?

Um sich ein Bild über die Erkrankung oder die Verletzung zu machen, haben Mediziner verschiedene Möglichkeiten. In der Regel veranlassen sie vor dem operativen Eingriff bildgebende Diagnoseverfahren wie Röntgen, CT und MRT (mit oder ohne Kontrastmittel), um sich das Ausmaß und die Lage der Erkrankung oder Verletzung zu verdeutlichen. Bildgebende Verfahren sind auch nach der Operation indiziert, denn sie dienen zur Beurteilung des Operationserfolges und sind deshalb in der Viszeralchirurgie maßgeblich in der Vor- und Nachsorge.

 

Welche Operationen werden in der Viszeralchirurgie durchgeführt?

Während früher die meisten Operationen in der Viszeralchirurgie offen über einen großen Bauchschnitt durchgeführt wurden, sind mittlerweile immer mehr Eingriffe minimal-invasiv oder laparoskopisch möglich. Zudem ermöglichen die Gastroskopie (Magenspiegelung) oder die Koloskopie (Darmspiegelung) viele Möglichkeiten der operativen Intervention ohne Eröffnung der Bauchwand.

Dies bringt entscheidende Vorteile: Denn zum einen sind offene Operationen immer mit höheren Risiken verbunden als minimal-invasive oder laparoskopische Eingriffe. Auch die Genesungsphase verläuft nach einer offenen Operation deutlich länger und ist öfter mit schwereren Komplikationen verbunden. Zum anderen benötigen die Patienten nach einer offenen Operation mehr Schmerzmittel, verweilen länger stationär im Krankenhaus und müssen sich häufiger einer erneuten Operation unterziehen.

Dennoch sind auch minimal-invasive oder laparoskopische Eingriffe mit gewissen Risiken verbunden. Dazu zählen unter anderem Blutungen, Nervenverletzungen, Wundheilungsstörungen oder Infektionen.

 

Zu den häufigsten therapeutischen Operationsarten in der Viszeralchirurgie gehören

  • laparoskopische OPs
  • MIC OPs (minimalinvasiv chirurgische Operationen)
  • Fast-Track Operationen (Konzept zur schnelleren Genesung und Rehabilitation)
  • NOTES (chirurgische Operationen durch natürliche Körperöffnungen)
  • Endoskopische Mini-Operationen (Gastroskopie, Koloskopie, ERCP)

 

Am weitesten verbreitet sind Operationen

  • zur Entfernung der Gallenblase
  • zur Entfernung von erkrankten oder verletzten Darmabschnitten, inklusive Blinddarm
  • zur Entfernung von Tumorgewebe
  • zum Einsetzen von Kunststoffnetzen
  • zur Transplantation der Leber
  • zur Beseitigung von Hernien
  • zum Einsetzen eines Magenbandes oder zur Magenverkleinerung
  • an der Schilddrüse

 

Fazit

Die Viszeralchirurgie ist ein Teilgebiet der Medizin. Der Begriff wird auch synonym zu „Bauchchirurgie“ oder „Abdomenchirurgie“ verwendet. Die Viszeralchirurgie umfasst die Diagnostik, operative Behandlung und Nachsorge von Erkrankungen, Verletzungen und Fehlbildungen der Bauchorgane. Dazu gehören die Speiseröhre, der Magen, der Dünndarm, der Dickdarm, die Bauchspeicheldrüse, die Gallenblase, die Leber und die Milz sowie die Nebenniere, die Schilddrüse und die Nebenschilddrüse.

Während früher die meisten Operationen in der Viszeralchirurgie durch einen großen Bauchschnitt vorgenommen wurden, operieren die Mediziner heute in der Regel minimal-invasiv oder laparoskopisch. Diese Verfahren senken die Risiken, beschleunigen den Heilungsprozess nach der Operation und schonen gesundes Gewebe.

Die meisten Viszeralchirurgen arbeiten in einem Krankenhaus oder einer Klinik. Oft haben sie sich auf kleinere Bereiche in der Viszeralchirurgie spezialisiert und sind beispielsweise Experten für Darmchirurgie, Adipositaschirurgie oder Leberchirurgie.

 

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