Wirbelsäulenchirurgie

Etwa 8 von 10 Menschen in Deutschland leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer therapiebedürftigen Erkrankung oder Verletzung der Wirbelsäule. Bei jedem zehnten Betroffenen chronifizieren sich Schmerzen und das Leiden wird zu einem therapeutischen Problem. Denn Erkrankungen der Wirbelsäule beeinträchtigen die Mobilität, schränken die Menschen in ihrer Selbständigkeit ein und reduzieren die Lebensqualität. Zudem besteht nicht selten ein direkter Zusammenhang zwischen chronischen Erkrankungen der Wirbelsäule und einer verminderten Erwerbsfähigkeit sowie Pflegebedürftigkeit.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, gibt es in Europa Spezialisten für Wirbelsäulenchirurgie. Diese Fachärzte verfügen nicht nur über evidenzbasiertes Wissen, sie bilden sich auch praktisch permanent weiter und arbeiten mit hochtechnisierten, minimal-invasiven Behandlungsmethoden in Spezialkliniken für Wirbelsäulenchirurgie. Die Mediziner verfolgen mit einer individuellen Behandlung das Ziel, bei den Betroffenen die Beschwerden rasch zu lindern und den normalen Alltag wiederherzustellen.

Wenn Sie wissen möchten, warum es eine gesonderte Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie gibt und welche Aufgaben diese hat, dann lesen Sie weiter. In diesem Artikel befassen wir uns auch mit den speziellen Behandlungsfeldern der Wirbelsäulenchirurgie und den dazugehörigen Operationsverfahren.

Die Fachabteilung Wirbelsäulenchirurgie

Die spinale Neurochirurgie, wie die Wirbelsäulenchirurgie im Fachjargon genannt wird, ist eine spezialisierte Unterabteilung mit Fokus auf Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule. Wie bei vielen anderen Krankheitsbildern auch, werden bei Wirbelsäulenerkrankungen und –verletzungen in der Regel zuerst konservative Maßnahmen eingeleitet. Wenn diese nicht oder nicht ausreichend greifen und die Beschwerden nicht gelindert werden können, ist eine Operation unumgänglich.

Der Großteil der nicht notfallmedizinischen Behandlungen basiert auf einer ausführlichen Anamnese sowie einer klinischen Untersuchung und wird durch bildgebende Verfahren unterstützt. Erst nach einer ausführlichen Beratung, die den Patienten in seiner Lebenssituation in den Mittelpunkt stellt, wird ein Behandlungskonzept erarbeitet und das chirurgische und rehabilitative Vorgehen mit dem Patienten gemeinsam erläutert.

In der Regel hat jede Fachklinik für Wirbelsäulenchirurgie eine Spezialsprechstunde für Menschen mit komplexen Wirbelsäulenerkrankungen. In den Spezialkliniken oder Spezialstationen arbeiten ausschließlich Experten für Wirbelsäulenchirurgie. Diese verfügen über viel Erfahrung und sind in der Regel sehr versiert auf dem Gebiet der Diagnose, Behandlung und Operation von Erkrankungen, Verletzungen oder Fehlbildungen der Wirbelsäule. Diese Expertise ermöglicht eine zielgerichtete Therapie auf höchstem Niveau und nach dem aktuellsten wissenschaftlichen Standard.

 

Warum gibt es Spezialisten für die Wirbelsäule?

Die Wirbelsäule anatomisch betrachtet

Die Wirbelsäule ist ein hochkomplexes System, welches für die Stütze, den aufrechten Gang und die Bewegung des Rumpfes zuständig ist. Sie verbindet bei allen Wirbeltieren verschiedene Teile des Skeletts miteinander. Zudem umschließt die Wirbelsäule das Rückenmark und schützt dieses vor Verletzungen.

Bei Menschen hat die Wirbelsäule die Form eines doppelten „S“. Während der Hals- und der Lendenbereich nach vorne gekrümmt sind, treten Brust- und Sakralwirbelsäule nach hinten. Diese Anatomie ist die Basis für den aufrechten Stand und das Abfedern von Belastungen beim Gehen, Springen und Laufen zum Schutz des Gehirns.

Die Wirbelsäule besteht aus 33 bis 34 Wirbeln und ist unterteilt in Hals-, Brust-, Lenden-, Sakral- und Steißbeinwirbelsäule. Währen die 24 Hals-, Brust- und Lendenwirbel physiologisch immer beweglich bleiben, wachsen die Sakral- und Steißbeinwirbel im Laufe des Lebens zusammen und bilden einen einheitlichen Knochen.

Prinzipiell ist die Wirbelsäule in allen Bereichen gleich aufgebaut. Die einzelnen Wirbelkörper variieren jedoch in ihrem Grundschema. Entscheidend für die Ausformung und Größe der Wirbelkörper ist die Bestimmung: Bewegliche Wirbelkörper müssen kleiner und dynamischer sein als Wirbelkörper, die mehr Stöße abfedern sollen.

 

Die Wirbelkörper, mit Ausnahme der beiden ersten Halswirbel, bestehen an der Vorderseite aus einem ringförmigen Grund- und einem Deckkörper. Dazwischen liegt die sogenannte Spongiosa, ein System aus feinem Knochenmark. An der Rückseite der Wirbelkörper verlaufen die Wirbelbögen. Von diesem gehen 4 Gelenkfortsätze (zum oberen bzw. unteren angrenzenden Wirbelkörper), 2 Querfortsätze (als Ansatzstelle für Muskeln) sowie 1 Dornfortsatz (zum Schutz) ab. An den Wirbelbögen der Brustwirbelsäule setzen zudem die Rippen an.

Zwischen jeweils zwei benachbarten Wirbelkörpern liegt die sogenannte Bandscheibe, ein elastisches Knorpelgewebe, das als Stoßdämpfer bei Bewegungen der Wirbelkörper fungiert. Von Wirbelbogen zu Wirbelbogen sind Bänder gespannt, welche zusammen mit den Muskeln die Wirbelsäule stabilisieren.

Im knöchernen Ring aller Wirbelkörper befindet sich ein Loch, das einen Kanal bildet. In diesem verläuft das Rückenmark, welches die Verbindung von Gehirn zum Körper darstellt und alle wichtigen zentralen und peripheren Nerven bündelt. Physiologisch wird das Rückenmark im Lendenbereich immer schmäler, weshalb auch der Wirbelkanal in seinem Durchmesser nach unten hin abnimmt.

 

Die Wirbelsäule und die Anforderungen der modernen Gesellschaft

Die Wirbelsäule hat sich trotz der langen Evolutionsgeschichte noch nicht vollkommen an den aufrechten Gang angepasst. Die hohe Lebenserwartung der Menschen in den Industrieländern, gepaart mit Übergewicht, Bewegungsarmut und Fehlhaltung sind außerdem Grund für die häufig diagnostizierten Rückenbeschwerden. Denn diese Faktoren begünstigen Verschleiß der Wirbelkörper, der Bänder oder der Bandscheiben. Die sogenannte Degeneration führt zu einem Verlust der Stabilität und Elastizität. So kann der Abbau von Knochen-, Muskel- oder Bandsubstanz zu Fehlstellungen oder Spinalkanalstenosen führen.

In mehr als 80 % der Fälle sind Verschleißerkrankungen die Ursache für Rückenschmerzen und Indikation für eine Behandlung. Der Rückenschmerz kann sowohl einzeln als auch kombiniert mit anderen Problemen wie Lähmungen, Missempfindungen oder Inkontinenz zu Tage treten. In einigen Fällen sind Rückenbeschwerden jedoch auch Ausdruck anderer organischer Erkrankungen, beispielsweise im Becken oder in der Hüfte. Deshalb ist es unabdingbar, bei Rückenschmerzen einen Experten aufzusuchen. Denn die genaue Abklärung und die Suche nach der Ursache sind Basis für eine zielgerichtete Therapie.

In der Regel wird versucht, zuerst mit nicht-invasiven Behandlungsmethoden für Linderung zu sorgen. In Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen und Disziplinen gelingt dies oftmals. Es ist jedoch im weiteren Verlauf einer Therapie auch möglich, dass in einer Fachklinik für Wirbelsäulenchirurgie ein breites Spektrum an minimal-invasiven und operativen Verfahren zum Einsatz kommt.

 

Die Wirbelsäule operieren – nichts für Jedermann

Fachärzte für Wirbelsäulenchirurgie nutzen vor allem spezielle Techniken aus der Hirnchirurgie, die besonders schonend Zugang zu den verletzten oder erkrankten Segmenten der Wirbelsäule ermöglichen. Durch den damit verbundenen Erhalt der Muskulatur und der Bänder ist es möglich, nach einer Wirbelsäulen OP die muskuläre Stütze für die Rehabilitation zu nutzen.

Die Wirbelsäulenchirurgie verlangt nicht nur permanent neue und innovative Lösungen für Menschen unterschiedlichen Alters, sondern auch stetige Weiterbildungen der Mediziner. Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten ist es daher ratsam, sich bei Wirbelsäulenerkrankungen direkt an einen Facharzt für die Wirbelsäule oder an eine Spezialklinik für Wirbelsäulenchirurgie zu wenden. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit einer zufriedenstellenden Lösung bei Erkrankungen, Verletzungen oder Fehlbildungen der Wirbelsäule höher. Zudem können OP Risiken, Folgeschäden und Rezidive bis zu einem gewissen Grad vermieden werden.

 

Welche Aufgaben hat ein Wirbelsäulenchirurg?

Experten für Wirbelsäulenchirurgie sind meist Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie oder Neurochirurgie. Sie nehmen sich den Patienten nach einem Trauma oder im Rahmen einer Erkrankung an. Zu den Aufgaben der Wirbelsäulenchirurgen gehört die Diagnostik, die Operation und die Nachsorge. Zudem stellen die Mediziner den Kontakt zu anderen Professionen wie Physiotherapeuten oder Ernährungsberater her und leiten auch an Reha-Einrichtungen weiter.

 

Was behandelt ein Wirbelsäulenchirurg?

Der Behandlungsfokus in der Wirbelsäulenchirurgie liegt vor allem bei:

Spinalkanalstenosen:

Durch degenerative Veränderungen entsteht das klassische Bild eines Bandscheibenvorfalls. Dabei löst sich das Gewebe der Bandscheibe und tritt in den Wirbelkanal. Dort verlaufen die Nerven, welche durch den Gallertkern der Bandscheibe komprimiert werden. Die Symptome reichen von einfachen Schmerzen bis hin zu Lähmungen und Inkontinenz. In der Regel müssen einfache Bandscheibenvorfälle nicht operativ behandelt werden, in Kombination mit einer Spinalkanalstenose ist jedoch der Gang zum Wirbelsäulenchirurg unumgänglich.

Osteoporose:

Bei der Osteoporose handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung, die das Knochengewebe betrifft. Durch einen verminderten Einbau von Calcium wird der Knochen instabil und brüchig. Selbst kleine Stürze können mit schweren Frakturen, beispielsweise an der Wirbelsäule, einhergehen. Da die Frakturen bei einer Osteoporose meist nicht selbst heilen, sind spezielle Techniken der Wirbelsäulenchirurgie gefragt, um die Mobilität der Betroffenen zu erhalten.

Wirbelbrüche:

Wirbelfrakturen entstehen in der Regel durch ein Trauma. Einfache Stauchungen der Wirbel oder der Fortsätze heilen oftmals ohne operative Eingriffe. Schwere Verläufe mit Quetschung des Rückenmarks hingegen erfordern den sofortigen Eingriff eines Wirbelsäulenchirurgen.

Entzündungen:

Wenn sich Bakterien oder Viren im Körper ausbreiten, siedeln sie sich oft in der Wirbelsäule an. So können Abszesse oder andere Entzündungen im knöchernen Wirbelkörper oder in den Bandscheiben lebensbedrohlich werden und müssen schnell operative versorgt werden.

Tumore:

Ob bösartige Neubildungen oder Metastasen – beides kann in allen Bereichen der Wirbelsäule auftreten. In der Regel machen sich Tumore durch Schmerzen und Bedrängung des Nervensystems bemerkbar. Neben anderen onkologischen Therapien ist die Operation durch einen Wirbelsäulenchirurgen in der Regel unumgänglich.

Fehlstellungen:

Es gibt angeborene Fehlstellungen, traumabedingte Veränderungen oder verschleißbedingte Instabilitäten der Wirbelsäule. In der Regel entwickeln sie sich über einen langen Zeitraum und führen ohne orthopädische oder chirurgische Maßnahmen zu starken Schmerzen und Funktionsstörungen.

Chronische Schmerzsyndrome:

Es gibt Menschen, die unter chronischen Rückenschmerzen leiden, ohne dass eine erkennbare Erkrankung zugrundeliegt. Wenn konservative Behandlungsmethoden nicht ausreichen, nehmen sich Spezialisten für Wirbelsäulenchirurgie dem chronischen Schmerzsyndrom an.

 

Behandlungsmethoden und Operationsverfahren der Wirbelsäulenchirurgie

Die Wirbelsäulenchirurgie bedient sich verschiedener Methoden, die allesamt wissenschaftlich fundiert sind:

  • mikrochirurgische Bandscheiben-Repositionierung
  • CT gesteuerte Infiltrationsverfahren bei Osteoporose-bedingten Frakturen
  • Kryotherapie der Facettengelenke
  • neuronavigierte Operationen bei Spinalkanalstenosen, Frakturen oder Tumoren
  • Implantat-Platzierung mithilfe von Schraubsystemen, Platten, Cerclagen oder autologen Knochen
  • Dekompressions-Operationen bei Bandscheiben- oder Wirbelkörperverletzungen
  • Laminektomie, Laminoplastie oder Vertebrektomie nach degenerativen Prozessen oder Verletzungen
  • Tumorresektionen
  • Bandscheibenersatzimplantate

 

Routinemäßig werden bei Operationen an der Wirbelsäule modernste Operationsmikroskope, Ultraschall und Computernavigation verwendet. Zur Sicherstellung der Ergebnisse dient das elektrophysiologische Monitoring.

Durch die Kooperation mit anderen Fachbereichen ist es möglich, eine umfassende und optimierte Therapie bei jungen und alten Menschen sicherzustellen. Die Zusammenführung von ambulanter Beratung, operativer Therapie und ambulanter Nachsorge durch das gleiche Expertenteam sichert eine lückenlose und individuelle Versorgung aller Patienten im ambulanten und stationären Bereich. Auch multipel erkrankte Patienten können dadurch in der Wirbelsäulenchirurgie umfassend betreut und therapiert werden.

 

Fazit zur Wirbelsäulenchirurgie

Ob eine Bandscheibenvorfall Operation, Spondylarthrose Behandlung oder eine Spinalkanalstenosen OP – bei Wirbelsäulenerkrankungen möchte man sich in guten Händen wissen und einen Spezialisten für die Wirbelsäule aufsuchen. Denn die Angst vor bleibenden Schäden oder Immobilität ist tief in den Köpfen der Menschen verankert.

Das Risiko wurde durch die Entwicklung verschiedenster minimal-invasiver Verfahren und die stetige Weiterbildung der Wirbelsäulenchirurgen jedoch weitestgehend minimiert. Wenn auch Sie eine Wirbelsäulen Behandlung benötigen, lohnt es sich, nach einer der besten Kliniken für Wirbelsäulenchirurgie zu suchen. Denn die innovative Technik und das gebündelte Wissen erhöhen die Chancen auf schnelle Genesung.

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