Behandlung von Osteoporose

In Deutschland sind mehr Frauen von Osteoporose betroffen, als von Brustkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall zusammen. Dabei bleibt die Krankheit oftmals lange unerkannt und wird meist im Rahmen einer Fraktur festgestellt. „Knochenschwund“ ist eine schleichende Krankheit, die dadurch gekennzeichnet ist, dass Halt und Stabilität der Knochen schwinden.

Doch bei Osteoporose gibt es eine Reihe guter und nachweislich wirksamer Therapiemöglichkeiten - ob ambulant bei einem Osteologen in der Nähe oder stationär in Form einer Reha in einem spezialisierten Osteoporose Reha Zentrum.

Erfahren Sie in diesem Artikel alles Wissenswerte zum Thema Osteoporose Therapiemöglichkeiten.

Osteoporose – Wenn die Knochen müde werden

So wie ein schwacher Muskel nur wenig Kraft aufbringen kann, so bietet auch ein schwacher Knochen keinen ausreichenden Halt mehr. Muskeln und Knochen unterliegen temporären Schwankungen und nehmen mit zunehmendem Alter an Masse und Dichte ab. Bis zu einem gewissen Grad ist das normal. Doch etwa jede 3. Frau und jeder 6. Mann über 50 Jahren leidet unter Osteoporose.

Die Erkrankung zeigt sich durch einen übermäßig gehemmten Knochenaufbau und geförderten Knochenabbau. Während gesunde Menschen über 55 Jahren etwa 0,5 bis 1 % ihrer Knochenmasse pro Jahr verlieren, kann der Wert bei Menschen mit Osteoporose zwischen 4 bis 6 % liegen.

Knochenschwund ist ein Teufelskreis. Denn aufgrund der Krankheit erleiden viele Betroffene Brüche. Durch die Angst vor weiteren Frakturen werden Patienten mit Osteoporose unsicher und ängstlich, sie benutzen Gehhilfen oder vermeiden das Gehen. Dies erhöht das Sturzrisiko und damit die Gefahr erneuter Brüche.

Deshalb ist es wichtig, frühzeitig eine adäquate Behandlung bei Osteoporose zu beginnen. Eine Osteoporose Therapie setzt sich in der Regel aus mehreren Bausteinen zusammen und wird individuell an den Patienten angepasst.

 

 

Ist Osteoporose heilbar?

Trotz intensiver Forschung ist es bis heute nicht gelungen, ein Mittel zur Heilung von Osteoporose zu finden. Allerdings kann eine gute Osteoporose Behandlung den Knochenabbau verzögern und damit eine deutliche Verbesserung des Krankheitsbildes bewirken. Es ist deshalb wichtig, nach der Diagnose einen Osteologen in der Nähe aufzusuchen, um eine Therapie einzuleiten. Die Osteoporose-Spezialisten werden Sie nach den offiziellen Behandlungsleitlinien des Dachverbandes wissenschaftlicher Gesellschaften für Osteologie (DVO) behandeln.

 

Was tun bei Osteoporose? Die Therapiemöglichkeiten

Bei Osteoporose stehen eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, die vor allem als Kombination erfolgreich sind.

 

Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D

Damit ausreichend Kalzium in den Knochen eingebaut werden kann, muss dem Organismus etwa 1500 mg pro Tag zur Verfügung stehen. Vitamin D fördert dabei die Aufnahme von Kalzium in das Blut und den Einbau in den Knochen. Deshalb erfolgt die Basistherapie in der Regel als eine Kombinations-Substitution von Kalzium und Vitamin D als Tablette, Brause oder Pulver.

 

Medikamente bei Osteoporose

Prinzipiell gibt es bei der medikamentösen Therapie von primärer Osteoporose zwei Möglichkeiten: Antiresorptiva und Anabolika. Die anti-osteoporotische Behandlung bei sekundärem Knochenschwund (Osteoporose als Folge anderer Erkrankungen) hat Vorrang vor allen anderen Maßnahmen.

 

Anabolische und antiresorptive Therapie

Die antiresorptive Therapie bremst den erhöhten Knochenabbau. Zu den gängigsten Medikamenten gehören sogenannte Bisphosphonate, Kalzitonin und Östrogene.

Bisphosphonate können als Tablette in allen Stadien der Osteoporose eingesetzt werden und zeigen auch bei langfristiger Einnahme kaum Nebenwirkungen. Kalzitonin ist ein körpereigenes Hormon, welches in die Haut gespritzt oder als Nasenspray eingenommen werden kann. Wie auch Bisphosphonat hemmt Kalzitonin die knochenabbauenden Zellen. Allerdings hat Kalzitonin zum Teil starke Nebenwirkungen, weshalb es bei längerer Anwendung zu deutlichen Einschränkungen im Alltag kommen kann. Kalzitonin wirkt aber nicht nur gegen den Knochenabbau, sondern kommt auch bei der Schmerzbehandlung zum Einsatz. Eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen kann bei Frauen nach der Menopause einem Verlust der Knochenmasse entgegenwirken. Östrogene können starke Nebenwirkungen haben, wobei dies von Frau zu Frau unterschiedlich ist. Zudem sind sie nicht zur alleinigen, medikamentösen Therapie bei Osteoporose zugelassen.

Anabolika sind Mittel zum Knochenaufbau. In Deutschland ist Parathormon zur Therapie bei Osteoporose zugelassen. Das Nebenschilddrüsenhormon hat eine starke aufbaustimulierende und gleichzeitig eine geringe abbauhemmende Wirkung. Dadurch kann es in allen Phasen der Osteoporose eingesetzt werden. Parathormon muss täglich mittels Pen unter die Haut injiziert werden.

 

Anti-osteoporotische Behandlung

In einigen Fällen ist Osteoporose eine Folge anderer Erkrankungen (Schilddrüsen-Erkrankungen, Cushing-Syndrom, Malabsorptionsstörungen, Niereninsuffizienz, ...). Die Behandlung der Grunderkrankung ist obligat, denn nur dann ist auch eine Osteoporose Therapie erfolgreich. Wenn die dafür benötigten Medikamente das Fortschreiten der Osteoporose fördern, so sollte auf Pharmazeutika umgestiegen werden, die zwar wirksam sind, aber weniger Nebenwirkungen in Bezug auf den Knochenabbau zeigen.

 

Osteoporose ohne Medikamente behandeln

Aktives Muskeltraining, Ernährungsmanagement und Sturzprophylaxe bilden die Pfeiler der nicht-medikamentösen Osteoporose Therapie.

 

Osteoporose Therapie mit Sport

Aktives Training stärkt Muskulatur und Knochen. Zudem trägt die adaptierte Bewegung zur Schmerzlinderung bei. Schon regelmäßiges Spazierengehen oder Fahrradfahren an der frischen Luft sowie Schwimmen fördern den Knochenaufbau, stimulieren die körpereigene Vitamin-D-Produktion und wirken sich positiv auf die Psyche aus. Wenn es der Organismus zulässt, ist auch Sporttherapie mit Gymnastik, Aqua-Jogging und Wandern unter fachkundiger Anleitung sinnvoll. Ideal sind 3 bis 5 Einheiten pro Woche.

Physiotherapie, bei denen nicht nur die Rücken- und Bauchmuskeln gestärkt, sondern auch Entspannungs- und Atemübungen durchgeführt werden, sind ebenso Teil der nicht-medikamentösen Osteoporose Behandlung. Ziel der Krankengymnastik sind die Erhaltung der Knochenmasse und die Verbesserung von Koordination und Muskelkraft.

 

 

 

Ernährung bei Osteoporose

Wenn Sie Ihre Ernährung etwas umstellen, können Sie gezielt zur Knochenschwund Behandlung beitragen. Achten Sie vor allem auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Milchprodukten.

Denn grüne Gemüsesorten wie auch Milchprodukte und Mineralwasser enthalten sehr viel Kalzium. Die Zufuhr über die Nahrung ist zwar nicht ausreichend bei Osteoporose und ersetzt nicht die Kalzium-Medikamente, jedoch ergänzt eine ausgewogene Ernährung.

Neben Kalzium benötigt der Organismus zur Verwertung auch Vitamin D. Dieses kann der Körper aus dem Sonnenlicht umwandeln, wenn die Haut der UV-Strahlung ausgesetzt ist. Im Herbst und Winter benötigt der Körper jedoch Vitamin D aus der Nahrung mehr denn je. Besonders reichhaltige Nahrungsquellen sind fettige Fische, Eier, Butter und Milch.

Phosphate binden Kalzium, sodass es nicht mehr in die Knochen eingebaut werden kann. Daher sollten Sie von einer phosphatreichen Ernährung absehen. Besonders viel Phosphat ist in Fleisch, Wurst, Schmelzkäse und Cola enthalten.

 

Sturzvorbeugung bei Osteoporose

Menschen mit Osteoporose können sich bei jedem Sturz schwere Frakturen zuziehen. Daher ist die Sturzprophylaxe ein sehr wichtiger Baustein bei der Osteoporose Therapie. Durch eine gezielte und individuelle Prävention werden nicht nur Stürze vermieden, sondern auch Ängste reduziert und Immobilität vorgebeugt.

 

Mit diesen einfachen Tipps können Sie die Gefahr von Stürzen und Unfällen verringern:

  • Leuchten Sie Ihre Wohnung ausreichend aus, vor allem nachts.
  • Reduzieren Sie Stolperfallen wie Teppiche, frei verlaufende Kabel oder Duschmatten.
  • Richten Sie Stützmaßnahmen in ihrer Wohnung ein. Handlauf, Treppengeländer oder Haltegriffe an der Badewanne senken das Sturzrisiko.
  • Besuchen Sie regelmäßig einen Optiker, der Ihre Sehstärke überprüft und gegebenenfalls eine Brille anpasst.
  • Verzichten Sie auf lockere, glatte oder hohe Schuhe. Ideal für Menschen mit Osteoporose sind Schuhe mit flachem Absatz, rutschfester Sohle und Fersenriemen.
  • assen Sie Ihre Betthöhe so an, dass Sie bequem ein- und aussteigen können.
  • Bei Bedarf kann eine individuelle Inkontinenzversorgung oder Inkontinenztraining die nächtlichen Toilettengänge und das damit verbundene Sturzrisiko minimieren.
  • Verzichten Sie, wenn möglich, auf Medikamente, die Ihre Aufmerksamkeit stark beeinträchtigen können. Hierzu zählen vor allem Schlafmittel, Anti-Allergika und Antidepressiva.

 

Schmerztherapie bei Osteoporose

Zu Beginn der Erkrankung leiden die meisten Menschen unter zeitweisen Beschwerden wie Rücken- oder Knieschmerzen. Erst im weiteren Verlauf manifestieren sich diese Schmerzen und deuten auf eine chronische Erkrankung hin. Wenn Betroffene Frakturen erleiden, so treten auch nach der Heilung oftmals Schmerzen aufgrund der Schonhaltung oder der Muskelbeteiligung auf. Gegen die Schmerzen kann ein Osteologe in Ihrer Nähe eine individuelle Schmerztherapie einleiten.

 

Medikamentöse Schmerzbehandlung bei Osteoporose

Wiedekehrende Schmerzen werden oftmals mit Mitteln aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt. Hierzu zählen beispielsweise Ibuprofen, ASS oder Diclofenac. Sind die Schmerzen sehr stark oder droht eine Chronifizierung, verordnet der Arzt in den meisten Fällen stärkere Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiate. Diese können alleine, aber auch in Kombination mit NSARs oder muskelentspannenden Medikamenten verabreicht werden.

Nicht-medikamentöse Schmerzbehandlung bei Osteoporose

Bei Schmerzen durch Osteoporose helfen auch physikalische Maßnahmen. Versuchen Sie doch einmal Kälte- oder Wärmeanwendungen, Massagen oder Akupunktur. Manchmal ersetzen diese nicht-invasiven und nicht-medikamentösen Maßnahmen die Medikamente und helfen, die Mobilität zu erhalten.

Der Osteologe in meiner Nähe

Wenn Menschen an Osteoporose erkranken, ist es sinnvoll, einen Osteoporose Spezialisten vor Ort zu suchen. Der sogenannte Osteologe ist ein niedergelassener Arzt in Ihrer Nähe, der sich auf Osteoporose und die Begleiterscheinungen spezialisiert hat. Er diagnostiziert, therapiert und behandelt Menschen in allen Stadien der Erkrankung und ist erster Ansprechpartner für Betroffene und deren Angehörige. Da es sich um eine chronische, fortschreitende Erkrankung handelt, betreut der Arzt die Patienten oftmals über viele Jahre und kann sich individuell auf die Betroffenen einstellen. Ein Osteologe kann zudem zu Selbsthilfegruppen, ambulanten Pflegediensten, Hilfsmittel-Vertrieben oder Reha-Zentren vermitteln.

 

Rehaklinik bei Osteoporose

Nach einer Fraktur kann es sinnvoll sein, eine Osteoporose Rehaklinik aufzusuchen. In Deutschland gibt es mehrere Osteoporose Zentren, beispielsweise in Durbach, Prerow, Ahrenshoop, Bad Pyrmont oder Bad Düben.

Diese Rehakliniken für Osteoporose stehen Menschen mit Knochenschwund bei der Genesung fachkundig zur Seite.

 

Schwerpunkte dieser Osteoporose Zentren sind unter anderem:

  • Sport- und Bewegungstherapie
  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Schulung und Beratung
  • Reha-Pflege
  • physikalische Therapie
  • Ernährungsschulung
  • Orthopädie-Versorgung

Das Personal der Rehaklinik für Osteoporose legt zu Beginn der Maßnahme gemeinsam mit den Patienten Ziele der Reha und den Therapieplan fest. Die Betreuung und Versorgung durch qualifiziertes Personal ist für den Erfolg der Reha-Maßnahme entscheidend.

Fazit

Osteoporose ist eine häufige Krankheit bei älteren Menschen. Sie ist nicht heilbar, aber durch eine gute Therapie lässt sich der Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Die Pfeiler der Osteoporose Behandlung bestehen aus Medikamenten, Bewegung, Ernährung, Sturzprophylaxe und Schmerzmanagement. Sie können nach einer Fraktur ein Osteoporose Zentrum in Deutschland zur Reha aufsuchen und dort eine Therapie einleiten lassen. Für die jahrelange Begleitung bietet es sich jedoch an, einen Osteologen in Ihrer Nähe zu kontaktieren.

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