Vorhofflimmern und Vorhofflattern

Beim Vorhofflimmern und beim Vorhofflattern kontrahieren sich die Vorhöfe wegen einer gestörten Erregungsweiterleitung nicht mehr so stark. Der Unterschied zwischen beiden ist lediglich die Frequenz: Beim Vorhofflattern schlagen die Vorhöfe langsamer als beim Flimmern. Beide werden wegen ihrer starken Ähnlichkeit auch im ICD-10 unter einem Code zusammengefasst und finden sich unter I48.

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Was ist Vorhofflimmern und Vorhofflattern?

Vorhofflimmern ist die häufigste Herz-Rhythmusstörung und betrifft rund zwei Prozent der deutschen Bevölkerung. Ältere sind öfter betroffen als Jüngere.

Sowohl Vorhofflimmern als auch Vorhofflattern sind oftmals über einen längeren Zeitraum symptomlos, sodass sie zuerst unentdeckt bleiben. Das ist deswegen problematisch, weil durch das Vorhofflimmern nicht mehr das gesamte Blut die Vorhöfe verlässt.

Dadurch bilden sich Gerinnsel in den Nischen der Vorhöfe. Gelangen diese in die Gefäße, können sie Schlaganfälle hervorrufen. Vorhofflimmern verursacht dadurch rund ein Fünftel der Schlaganfälle.

 

Wie können Vorhofflimmern und Vorhofflattern entstehen?

Im rechten Herzvorhof befindet sich der sogenannte Sinusknoten. In diesem bildet sich ein elektrisches Signal, welches über ein Reizleitungssystem in die Herzkammern weitergeleitet wird. Dadurch wird unser Herzschlag ausgelöst. Bei einem Vorhofflimmern entstehen viele kreisende elektrische Erregungen, die teilweise auch über das Leitungssystem in die Herzkammern geleitet wird. So wird der Herzrhythmus unregelmäßig und ist meistens zu schnell.

Durch die kreisenden elektrischen Erregungen werden die Herzvorhöfe nicht ausreichend mit Blut versorgt und das Herz gibt deswegen auch nicht genug Blut ab. Wie genau Vorhofflimmern entsteht, ist nicht ganz klar. Am häufigsten entwickelt es sich im höheren Alter, was auf die sich veränderte Herzstruktur und auf das zunehmend vernarbte Herzgewebe zurückzuführen ist.

Aber auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, Schilddrüsen- und Lungenerkrankungen können zu Vorhofflimmern führen. Das Vorhofflattern tritt häufig als Folge einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, von Entzündungen oder einer Herz-Operation auf.

 

Welche Symptome treten bei einem Vorhofflimmern auf?

Wie deutlich die Symptome eines Vorhofflimmerns wahrgenommen werden, hängt vom Ausmaß der Herzrhythmusstörungen ab. So kann es sein, dass der Betroffene die Symptome so gut wie gar nicht oder wiederum sehr deutlich wahrnimmt.

Symptome
  • Starkes Herzklopfen

  • Herzrasen

  • Atemnot

Tritt das Vorhofflimmern anfallsartig auf, wird vom paroxysmalen Vorhofflimmern gesprochen. Dieses tritt meistens nur eine kurze Zeit auf und wird oft gar nicht oder nur sehr schwach als Herzstolpern wahrgenommen.

Hier können weitere Symptome hinzukommen:

  • Schwächegefühl

  • Luftnot

  • Herzschmerzen

  • Angstgefühl

Wie lässt sich ein Vorhofflimmern erkennen?

Um sicherzugehen, dass es sich bei den Beschwerden um ein Vorhofflimmern handelt, sollte man sich an einen Kardiologen wenden. Dieser befragt den Betroffenen unter anderem nach Vorerkrankungen, der bisherigen Krankheitsgeschichte oder Faktoren, die das Vorhofflimmern begünstigen können.

Am häufigsten kommt dann bei Vorhofflimmern das EKG, also Elektrokardiogramm, zum Einsatz. Mit dem EKG werden die elektrischen Herzströme über Elektroden, die auf der Brust aufgeklebt werden, gemessen. Manchmal kann es auch sein, dass ein Langzeit EKG durchgeführt werden muss. In diesem Fall wird ein kleines portables EKG um den Hals gehängt, welches ebenfalls auf der Brust mit Elektroden befestigt wird und längere Zeit getragen werden muss. Durch das EKG kann genau festgestellt werden, ob ein Vorhofflimmern oder auch Vorhofflattern vorliegt.

 

Wie kann ich mich behandeln lassen?

Für die Behandlung spielt die Art des Vorhofflimmerns oder des Vorhofflatterns eine Rolle: Anfallsartiges (paroxysmales) Vorhofflimmern ist nur kurz und Betroffenen nehmen es oft nur als Herzstolpern wahr.

Es verschwindet innerhalb von einer Woche oft von allein. Besteht das Vorhofflimmern länger als ein Jahr, gilt es als langanhaltend persistierend. Es kann jedoch durch medikamentöse Behandlung dennoch oftmals zurück in einen richtigen Rhythmus überführt werden. Beim permanenten Vorhofflimmern lässt sich der Sinusrhythmus nicht wieder herstellen.

Kardiologen versuchen üblicherweise, Rhythmus und Frequenz zu kontrollieren. Dafür eignen sich Antiarrhythmika und Betablocker. Zudem verhindert die Hemmung der Blutgerinnung Embolien. Chronisch Kranke erhalten deswegen Acetylsalicylsäure und Cumarine.

Je nach Vorerkrankungen und anderen Erkrankungen überwiegt jeweils das Risiko für einen Schlaganfall oder eine Gehirnblutung. Deswegen entwickelten Ärzte diverse Schemata, um die individuellen Risiken eines Patienten abzuschätzen: Der HAS-BLED-Score zeigt an, wenn Mediziner besonders vorsichtig bei der Einstellung mit Antikoagulantien sein müssen. Der CHADS2-Score ist hingegen ein Indikator, wie hoch das Risiko für einen Schlaganfall ist. Beide ermöglichen also, dass Kardiologen die Behandlung finden, die für einen Patienten die beste Kombination aus Risiko und Nutzen bedeutet.

Zeigt die medikamentöse Therapie nicht den gewünschten Erfolg, wenden Herzchirurgen immer häufiger die perkutane Katheterablation an.

 

Wie läuft die OP ab?

Katheterablation

 

Wird die Vorhofablation in einer minimal-invasiven Operation mithilfe eines Katheters durchgeführt, spricht man auch von einer Katheterablation. Bei dieser Ablation ist keine chirurgische Operation nötig. Hier setzt der Chirurg einen Schnitt in der Leistengegend, über welchen der Katheter in den linken Herz-Vorhof eingeführt. Auch hier wird ein Teil des Gewebes verödet, sodass keine elektrischen Reize weitergeleitet werden können.

Die Dauer einer Katheterablation hängt von der vorliegenden Rhythmusstörung ab. Nach der Ablation muss zunächst abgewartet werden, ob sich das Gewebe schnell wieder erholt und so wieder elektrische Reize weiterleiten kann. Ist das der Fall, muss erneut behandelt werden. So kann eine Katheterablation schon mal einige Stunden dauern, in der Regel dauert sie aber nicht länger als zwei Stunden.

Um Embolien zu verhindern, verschließen Chirurgen bei manchen Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko den linken Vorhof. Dafür schieben sie ein Implantat in die betroffene Stelle und klappen es am Zugang zum Vorhof schirmchenartig auf. Dadurch wurde dieses Vorhofohr dauerhaft verschlossen und es können sich dort keine Blutgerinnsel mehr bilden.

 

Nach der Operation

Nach der Katheterablation muss der Patient ungefähr zwölf Stunden im Bett ruhen, sodass meistens eine Nacht im Krankenhaus verbracht werden muss. Häufig darf er dann aber am Folgetag das Krankenhaus wieder verlassen. Je nach Eingriff können es auch zwei Tage sein, die der Patient im Krankenhaus verbringen muss. Die Kosten einer Katheterablation werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen, es kann aber sein, dass der Patient eine Zuzahlung für den Krankenhausaufenthalt leisten muss. Hier sollte im Vorfeld mit der jeweiligen Krankenkasse gesprochen werden.

 

Pulminalvenenisolation

 

Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Pulminalvenenisolation. Bei dieser werden einzelne Regionen, die das Vorhofflimmern auslösen, im Herz verödet. Hierfür kommt ein Katheter zum Einsatz, welcher über die Leistenvenen bis ins Herz geführt wird.

Kardioversion

 

Des Weiteren kann eine Kardioversion in Frage kommen. Bei einer Kardioversion werden dem Herzen über zwei Elektroden Stromstöße zugeführt. Der Patient ist dabei in Narkose. Durch diese Stromstöße verfällt das Herz häufig wieder in seinen natürlichen Rhythmus zurück.

Vorhofablation

 

Helfen diese Möglichkeiten alle nicht, kommt eine Ablation am Herzen, die sogenannte Vorhofablation zum Einsatz. Diese wird operativ durchgeführt und meist nur dann eingesetzt, wenn die anderen Möglichkeiten nicht angeschlagen haben und der Betroffene im Alltag stark durch das Vorhofflimmern eingeschränkt wird. Bei der Ablation bei Vorhofflimmern werden die Strukturen der Vorhofsmuskulatur, welche die Reize weitergeben, punktförmig verödet. Dadurch stirbt das verödete Gewebe ab und kann die Reize nicht mehr weitergeben.

 

 

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Über die Autorin

Sarah Kreilaus

Fachautorin für Krankenhaus.de für Themen rund um Gesundheitsthemen und Medizin

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