Endoprothetik

Alter, einseitige Belastung, starkes Übergewicht und Fehlhaltungen sind die Hauptursachen, warum sich Gelenke abnutzen. Man spricht von Arthrose, einer Gelenkerkrankung, bei der der Knorpelüberzug durch den Verschleiß immer dünner wird. Das führt zu Schmerzen und macht in den meisten Fällen eine Endoprothese notwendig. 

Jährlich werden in Deutschland etwa 230.000 Hüftgelenke und ca. 180.000 Kniegelenke teilweise oder ganz ersetzt. Ist dies wirklich immer notwendig oder können auch konservative Methoden zu Schmerzfreiheit und Mobilität verhelfen?

Welche Risiken sind mit einer endoprothetischen Operation verbunden? Und welche Bewegungen sind nach einem Gelenkersatz möglich?

Lesen Sie außerdem in diesem Beitrag, wie der Einsatz einer Gelenkprothese verläuft, welche Faktoren entscheidend für den Heilungsverlauf sind und wer Endoprothetik durchführen darf.

Was ist Endoprothetik?

Unter dem Begriff „Endoprothetik“ versteht man den Ersatz eines zerstörten Gelenkes durch eine geeignete Prothese. In den meisten Fällen bestehen die Implantate aus Titan, Keramik oder speziellem Kunststoff. 

Ziel der Endoprothese soll ein schmerzfreies und funktionierendes Gelenk sein, dass den Anforderungen des jeweiligen Patienten entspricht. 

In Deutschland werden am häufigsten Hüft- und Kniegelenke durch Implantate ersetzt. Doch auch Schultergelenke, Sprunggelenke sowie Ellbogen- und Fingergelenke können endoprothetisch versorgt werden, was jedoch sehr selten ist.

Die Geschichte des Gelenkersatzes

Vor ca. 50 Jahren implantierten Chirurgen die erste moderne Hüftgelenksprothese. Sie bestand aus einer künstlichen Hüftgelenkspfanne und einem Oberschenkelschaft mit Kopf. Dieses Gelenk wurde mithilfe von Acrylharz, besser bekannt als „Knochenzement“ in den Knochenenden des Patienten verankert. Anfang der 1980er Jahre folgten dann die ersten modernen Kniegelenksersatz Operationen, sowie Endoprothesen Operationen an Schultern und Sprunggelenken. 

Heutzutage versorgen Ärzte jährliche viele Tausend Menschen mit künstlichen Gelenken und sind damit sehr erfolgreich. Denn die meisten Betroffenen sind mit dem Ergebnis über Jahrzehnte sehr zufrieden. Sie gewinnen Schmerzfreiheit, Mobilität und Lebensqualität. Während noch vor einigen Jahrzehnten die Implantate aufgrund des Materials nur kurzzeitig im Organismus verweilen konnten, haben moderne Prothesen eine durchschnittliche Lebensdauer von mindestens 15 Jahren. 

Zu Beginn der Endoprothetik verwendete man Edelstahl oder einfachen Kunststoff. Mittlerweile sind diese Materialien durch Titan, Keramik und Polyethylen ersetzt worden. Die hohe Qualität der Endoprothesen wie auch die schonenderen Operationstechniken verringern die Risiken und beschleunigen die Rehabilitation. 

Welche Prothesenarten gibt es?

Endoprothese Knie

Das Knie des Menschen ist ein hochkomplexes und sehr vulnerables mechanisches System, bei dem vier Knochen auf kleinstem Raum zusammentreffen: Oberschenkel, Schienbein, Wadenbein und Kniescheibe. Sie bilden zusammen drei Gelenke, was jedoch für Laien „das Kniegelenk“ ist. Alle Teilgelenke können einzeln oder gemeinsam ersetzt werden.

Schlittenprothesen, Teil-Endoprothesen (HEP) oder Total-Endoprothesen (TEP) sowie achsengeführte Endoprothesen ersetzen, je nach Patient, einen Teil oder das gesamte Kniegelenk. Welche Prothese der Chirurg verwendet, ist zudem von der Funktionsfähigkeit des Bandapparates abhängig. 

Endoprothese Schulter

Durch Verletzungen, Erkrankungen oder Verschleiß kann in einigen Fällen auch der Ersatz des Schultergelenks notwendig sein. Bei der endoprothetischen Operation an der Schulter werden jedoch Kopf und Pfanne vertauscht. Der Gelenkkopf wird im Rahmen der OP am Schulterblatt fixiert und die Gelenkpfanne am Oberarm. Dadurch kann die Funktionsfähigkeit auch bei sehr stark fortgeschrittener Arthrose, bei einem eingeschränkten Muskelapparat oder nach einer schweren Oberarmfraktur wieder gut hergestellt werden.

Auch bei der Schulter können nur Teile oder das gesamte Gelenk ersetzt werden.

Endoprothese Hüfte

Aufgrund der zentralen Lage im Körper ist das Hüftgelenk für die Ausführung verschiedenster Bewegungen zuständig. Eine Erkrankung in diesem Gelenk führt nicht selten zu Einschränkungen in diversen Lebensbereichen (Bewegen, Ausscheiden, Körperpflege, ...). Da die volle Funktionsfähigkeit im Hüftgelenk nur in geringem Maße durch andere Heilverfahren wiederhergestellt werden kann, ist eine Prothese oft eine gute Lösung.

Die Totalendoprothese des Hüftgelenkes kommt am häufigsten zum Einsatz und ersetzt alle Bestandteile: Oberschenkelschaft, Gelenkkopf sowie Hüftpfanne. Bei der McMinn-Prothese wird der geschädigte Oberschenkelschaft nicht implantiert, sondern überkront. Der Oberflächenersatz ist mit einer schnelleren Genesung verbunden. Die Duokopf-Prothese findet meist bei älteren Menschen nach einem Oberschenkelhalsbruch Verwendung. Dabei wird lediglich der verletzte Hüftkopf (Teil-Endoprothese) ersetzt, die Pfanne bleibt erhalten. 

Weitere Prothesen

Sprunggelenks-, Ellbogen- und Fingergelenksprothesen sich sehr komplex und verlangen nach einem sehr erfahrenen Chirurgen. Da Hüften und Knie sowie Schultern am häufigsten operiert werden, sind die Erfahrungen hier am besten. Im Bereich von Sprunggelenk, Ellbogen und Fingern wird aktuell noch sehr viel geforscht, um die beste Lösung für die betroffenen Patienten zu finden.

Wann kommt Endoprothetik zum Einsatz?

Wenn das betroffene Gelenk nicht mehr funktionstüchtig ist und konservative Methoden keinen Erfolg zeigen, kommt die Endoprothetik zum Einsatz. Die Umstände, die für eine endoprothetische Operation sprechen sind unter anderem

  • Verschleißerscheinungen

  • Verletzungen

  • Unfälle

  • Fehlstellungen

  • Knochendefekte aufgrund von Osteoporose, Tumoren, ...

Mithilfe der Prothetik sollen zum einen Schmerzen gelindert und zum anderen die Mobilität und die damit verbundene Lebensqualität wiederhergestellt werden.

Wer nimmt endoprothetische Operationen vor?

Viele niedergelassene Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie bieten endoprothetische Versorgungen an. Doch auch in einem speziellen Endoprothetikzentrum sind die Ärzte auf die Operationen an Gelenken und auf Gelenkersatz spezialisiert. 

Prinzipiell sollten Sie sich immer an einen Spezialisten für Endoprothetik wenden, wenn Sie ein neues Gelenk benötigen. Verlassen Sie sich auf die Erfahrung des Chirurgen, denn bei kaum einem anderen Fach steht die Menge der Operationen in direktem Zusammenhang mit der Qualität des Ergebnisses. 

Wie verläuft eine endoprothetische OP?

Die Wahl des Materials

Um eine hohe Beweglichkeit zu erzielen und Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, muss das implantierte Gelenk aus dem passenden Material bestehen. In der modernen Endoprothetik bestehen die Prothesen in der Regel aus einer Titan-Kobalt-Chrom-Legierung. Auch Keramik kommt in vielen Fällen unter bestimmten Voraussetzungen zum Einsatz. Die „Innenhaut“ des künstlichen Gelenks muss Reibungsbewegungen zulassen können, daher wird diese meist aus Polyethylen gefertigt.

Endoprothesen können auf verschiedene Arten befestigt werden. Entscheidend für die Wahl des Verankerungsmaterials ist der Ort, die Knochensubstanz und die Belastung. In den meisten Fällen wird die Endoprothese zementiert, was mit einem schnelleren Heilungsprozess verbunden ist. Alternativ können Endoprothesen jedoch auch verschraubt werden, was jedoch eine sehr gute Knochensubstanz voraussetzt.


Die Endoprothetik OP und Nachsorge

Die Operation kann entweder unter Spinalanästhesie oder unter Vollnarkose durchgeführt werden. Zuerst werden die Haut und die darunter liegenden Strukturen eröffnet, bis das zu ersetzende Gelenk freiliegt. Dann entfernt der Chirurg die verschlissenen Gelenkoberflächen, der Gelenkkopf oder die Gelenkpfanne mittels Säge. Der verbleibende Knochen muss für das Implantat vorbereitet werden, das heißt, er wird entsprechend der Endoprothese gefräst und die Knochen-Oberfläche wird angeraut. 

Anschließend erfolgt die Verankerung der Endoprothese an den Gelenkkomponenten mittels Knochenzement oder Schrauben. Der Wundverschluss umfasst das Vernähen von Muskulatur, Bändern, Faszien und Haut.

Die gesamte Operation dauert etwa 1,5 Stunden. Zur postoperativen Überwachung werden die Patienten ca. 4 Stunden in einer Aufwachstation betreut. Erst dann erfolgt die Verlegung auf eine Normalstation.

In den ersten Tagen nach der endoprothetischen Operation sind die medikamentöse Schmerzbehandlung sowie die physiotherapeutische Begleitung sehr wichtig. Bei einem komplikationsarmen Verlauf dauert der stationäre Aufenthalt etwa 10 Tage.

In einer Anschlussheilbehandlung (Reha) erlangen die Betroffenen durch gezielte Übungen zur Muskelstabilisierung wieder Mobilität.

Gibt es Risiken bei der Prothesen Operation?

Jeder medizinische Eingriff ist mit Risiken verbunden, so auch die Implantation einer Endoprothese. Allgemeine Operationsrisiken wie Thrombose oder Wundheilungsstörungen können ebenso auftreten wie unbeabsichtigte Verletzungen von Nerven und Muskeln. Dies ist jedoch selten.

Nach der Operation sind Schwellungen und Hämatome im Bereich des implantierten Gelenkes normal. Durch spezielle Lagerungen oder Kühlung verschwinden diese in der Regel sehr schnell wieder. Ebenso können Infektionen auftreten, doch auch dieses Risiko ist gering.

Erfahrungen aus 50 Jahren Endoprothetik

Etwa 95 % der Endoprothesen im Hüftgelenk sind nach 10 Jahren noch vollkommen funktionstüchtig. Bei 75 % aller Menschen musste die Prothese in der Hüfte auch nach 25 Jahren nicht ersetzt werden. Die Verweildauer von Knie-Prothesen liegt im Durchschnitt bei weit über 15 Jahren.

Junge Menschen profitieren von einer Prothesen-Verankerung mittels Schrauben. Dadurch ist die Rehabilitation zwar länger, die Fixierung der Prothese allerdings nachhaltiger.

Die Lebensdauer eines künstlichen Gelenks hängt nicht nur vom Material, sondern auch von der Erfahrung des Chirurgen und dem Verhalten des Patienten ab. Die meisten Probleme treten an der Verbindungsstelle zwischen Knochen und Implantat auf. Einen Grund dafür sehen Wissenschaftler in dem zu häufigen Einsatz von robotergestütztem Fräsen. Die starren Fräsbahnen können zum einen Muskeln und Sehnen verletzen und zu vorübergehender Immobilität nach der Operation führen. Zum anderen ist der Kontakt zwischen Knochen und Implantat durch starre Fräsbahnen gegebenenfalls nicht exakt, sodass bereits nach wenigen Jahren sogenanntes „Implantatgleiten“ auftreten kann. Ein weiter Grund für Probleme mit Endoprothesen ist zu frühe oder zu intensive Bewegung nach der Operation. Dadurch können sich Ionenpartikel aus dem Implantat lösen, sodass die Metallteile früher korrosieren und ersetzt werden müssen.

Welche Maßnahmen beschleunigen den Heilungsverlauf nach einer Prothesenverankerung?

Die implantierten Gelenke benötigen einen bestimmten Zeitraum, um mit dem körpereigenen Knochen zu verwachsen. 

  • Verharren Sie deshalb nicht zu lange in einer Ruhestellung, lagern Sie die betroffenen Körperteile in verschiedenen Positionen

  • Belasten Sie die Gelenke nicht zu stark, halten Sie die physiotherapeutischen Empfehlungen ein

  • Nehmen Sie alle Termine zur Nachbehandlung wahr

  • Führen Sie spezielle Hautpflege zur unterstützenden Narbenbildung durch

Welche Bewegungen sind mit einer Prothese möglich?

„Bewegung ist förderlich, intensiver Sport schadet“ so lautet die Devise der Chirurgen. Auch wenn in 95 % der Fälle nach einer endoprothetischen Operation eine gute Mobilität möglich ist, sollten Sie Ihrem Körper nicht zu viel zumuten. 

Die besten Sportarten mit einer Endoprothese sind Laufen, Schwimmen, Fahrradfahren, Wandern, Nordic Walking oder Golfen.

Aufgrund der hohen Belastung für die Gelenke sollten Sie Marathon, Squash, Ballsportarten, Skate- und Snowboarden, Skifahren, Klettern, Mountainbiking und Bungeejumping unterlassen.

Fazit

Die Endoprothetik bezeichnet den Ersatz eines Gelenkes durch eine Prothese. Viele Ursachen können einen Gelenkersatz notwendig machen, der häufigste Grund ist jedoch die Arthrose.

In Deutschland werden sehr viele Hüft- und Kniegelenke implantiert, besonders wenn konservative Behandlungsmethoden keinen Erfolg erzielten. 

Die endoprothetische Operation ist zwar ein größerer Eingriff, jedoch hat er sehr gute Erfolgsaussichten, denn mehr als 95 % der Betroffenen haben anschließend ein Leben ohne Schmerzen und mit zufriedenstellender Mobilität.