Gestörter Hormonhaushalt: Ursache vieler Beschwerden

Hormone haben diverse Funktionen im Körper. Gerät der Hormonhaushalt aus der Balance, kann das schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Es gibt eine Reihe von Beschwerden und Erkrankungen, die mit einem aus dem Lot geratenen hormonellen Gleichgewicht im Zusammenhang stehen. Einzelheiten über die wichtigsten Hormonstörungen beim Mann und bei der Frau erfahren Sie in diesem Artikel.

 

Was sind Hormone und was bewirken sie?

Als Hormone bezeichnet man biochemische Botenstoffe, die von bestimmten Organen und Drüsen gebildet werden. Sie gelangen über den Blutkreislauf zu anderen Organen. Normalerweise reguliert sich der Hormonhaushalt selbst. Ein Gehirnareal im Zwischenhirn, der Hypothalamus, aktiviert die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) über regulatorische Botenstoffe. Diese schüttet dann topische Hormone aus, die hormonbildende Organe wie Schilddrüse, Nebennieren, Leber, Eierstöcke und Milchdrüsen anregen, ihre speziellen Hormone freizusetzen.

Befindet sich eine ausreichende Menge Hormone in der Blutbahn, regelt der Hypothalamus seine Aktivität herunter. Zu einer Hormonstörung kommt es, wenn zu wenig oder übermäßig viele Hormone hergestellt werden. Hormonelle Störungen beim Mann hängen oft mit den Geschlechtshormonen (Androgenen) zusammen. Zu diesen zählt insbesondere das in den Hoden und in geringerem Umfang in der Nebennierenrinde gebildete Testosteron. Hormonstörungen bei der Frau sind oft Folge einer gestörten Östrogenproduktion.

Schon geringste Veränderungen in diesen fein aufeinander abgestimmten hormonellen Regelkreisen haben erhebliche Auswirkungen auf das körperliche und seelische Befinden. Aufgrund seiner Komplexität ist der Hormonhaushalt äußerst störungsanfällig. Neben den Sexualhormonen gibt es noch verschiedene andere Hormone. Sie regulieren den Blutzuckerspiegel, die Funktion der Schilddrüse, das Wachstum, den Schlaf oder werden bei Stress ausgeschüttet.

 

Häufigste Ursachen für Hormonstörungen

Hormonstörungen können unterschiedliche Gründe haben. Diese hängen davon ab, welches Hormon im Übermaß oder in zu geringer Menge hergestellt und freigesetzt wird. Wichtigste Ursachen sind

  • Erkrankungen der hormonproduzierenden Organe (Nebenniereninsuffizienz, Über- und Unterfunktion der Schilddrüse)

  • starker lange anhaltender Stress

  • dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente (Kortison)

  • erbliche Veranlagung

  • Umweltgifte (Bisphenol A in Kunststoffen)

  • Tumorerkrankungen

  • Fehlernährung

  • Vitaminmangel

  • übermäßige körperliche Aktivität

  • zu wenig Bewegung

  • Monatsblutung

  • Schwangerschaften

 

Allgemeine Symptome von Hormonstörungen

Ein gestörtes hormonelles Gleichgewicht zeigt sich mit allgemeinen Anzeichen wie

  • Schweißausbrüchen

  • Gewichtszunahme

  • Gewichtsabnahme

  • Konzentrationsstörungen

  • Müdigkeit

  • Kopfschmerzen

  • Schlafproblemen

  • Stimmungsschwankungen

 

Neben diesen unspezifischen Symptomen weisen spezielle Anzeichen auf Hormonstörungen hin. Sie lassen sich auf bestimmte Hormone zurückführen:

  • Stoffwechselprobleme (Übergewicht, Heißhungerattacken): Cortisol, Schilddrüsenhormone

  • Verdauungsstörungen: Sekretin, Gastrin, Cholecystokinin

  • Infektanfälligkeit, Allergien: Cortisol

  • Mangel an Vitalität, Leistungsschwäche, Müdigkeit: Cortisol

  • Burn-out-Syndrom, Stressintoleranz: Cortisol, Testosteron, DHEA

  • Vergesslichkeit: Pregnenolon

  • Wechseljahresprobleme, Schlafstörungen: Progesteron, Östrogen

  • Depressionen: Serotonin, Testosteron, Östrogen

  • sexuelle Probleme: Testosteron, Östrogene

  • Haarausfall: Testosteron

  • Diabetes mellitus: Insulin

 

Behandlung hormoneller Störungen

Hormonstörungen werden entsprechend ihrer jeweiligen Ursache behandelt. Die betroffenen Patienten lassen sich von ihrem Hausarzt oder einem Facharzt für Innere Medizin Blut abnehmen. Dieser lässt es dann im Labor untersuchen. Außerdem führen Fachärzte für Endokrinologie und gynäkologische Endokrinologie (bei weiblichen Patienten) derartige Bestimmungen des Hormonstatus durch. Die Analyse der Blutwerte zeigt, welches Hormon in zu geringer Menge oder im Überschuss vorhanden ist. Aufgrund dieses Befundes erfolgt dann die Verabreichung bestimmter Präparate.

Bei dieser medikamentösen Therapie (Hormonersatztherapie) führt man dem Patienten das fehlende Hormon in bioidentischer Form zu. Sein molekularer Aufbau entspricht zu 100 % dem des echten Hormons. Daher wird es wie das vom Körper selbst hergestellte Hormon verstoffwechselt. Bioidentische Hormone für die Substitutionstherapie stammen meist aus pflanzlichen Quellen (Soja, Yamswurzel). Tumore, die selbst Hormone bilden und ausschütten, müssen chirurgisch entfernt werden. Ist übermäßiger Stress der Grund für den dauerhaft erhöhten Hormonspiegel, kann nur eine Stressreduzierung (weniger arbeiten, Entspannungstechniken, sportliche Betätigung) helfen. Hormonelle Probleme, die von Umweltgiften verursacht werden, lassen sich beseitigen, indem der Patient das auslösende Toxin findet und es zukünftig meidet.

 

Hormonstörungen beim Mann

Störungen des Hormonhaushalts beim Mann zeigen sich oft als Testosteronmangel. Das männliche Hormon ist für das Geschlechtsleben von Männern unverzichtbar. Es reguliert die Herstellung von Spermien und die männliche Libido. Darüber hinaus ist es für die Gesunderhaltung von Knochen und Muskeln, die Bildung von Blutzellen, den Fett- und Kohlenhydrat-Stoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System sehr wichtig. Schon zu Beginn des vierten Lebensjahrzehnts kann es beim Mann zu einem Testosteronmangel kommen. Er kann sexuelle Unlust, Erektions- und Ejakulationsstörungen zur Folge haben. Langfristig geht eine Unterproduktion des Androgens mit nachlassender physischer Leistung, verringerter Muskelkraft, Blutarmut, zu hohem Blutzuckerspiegel und brüchig werdenden Knochen (Osteoporose) einher. Bei jungen Männern auftretender Testosteronmangel kann Folge eines Hodenhochstands, von Entzündungen, Verletzungen und Tumoren sein.

Hormonstörungen beim Mann treten mitunter auch in Form einer Männerbrust (Gynäkomastie) in Erscheinung. Patienten mit Männerbusen haben aufgrund des krankhaft vermehrten Brustdrüsengewebes weibliche Brüste. Die harmlose Veränderung des Brustumfangs ist Folge einer übermäßigen Bildung weiblicher Geschlechtshormone, von Testosteronmangel, Leberkrankheiten und den Nebenwirkungen verschiedener Medikamente. Bei jüngeren Männern bildet sie sich nach der Pubertät oft von allein zurück. Die Gynäkomastie muss von der Pseudogynäkomastie (Lipomastie) unterschieden werden. Bei dieser handelt es sich lediglich um überschüssiges Fettgewebe in der Brust.

Weniger häufig als Testosteronmangel und Männerbrust kommt die gestörte Prolaktinherstellung (Hyperprolaktinämie) vor. Sie entsteht durch einen erhöhten Prolaktinspiegel. Ein bis zwei Prozent der Männer sind von dieser Hormonstörung betroffen. Das Hormon Prolaktin wird im Hypophysen-Vorderlappen gebildet. Ist es im Übermaß vorhanden, führt es oft zu einem Testosteronmangel. Die Patienten leiden an Erektionsstörungen, Kopfschmerzen, unzureichender Libido und mitunter sogar an Zeugungsunfähigkeit. Schuld daran sind entweder ein Prolaktinom (gutartiger Tumor im Hypophysen-Vorderlappen) oder die Nebenwirkungen bestimmter Arzneimittel.

Auch ein zu niedriger DHEA-Spiegel im Blut kann beim Mann hormonelle Probleme verursachen. Das Hormon Dehydroepiandrosteron wird von der Nebennierenrinde gebildet. Es ist an der Herstellung von Testosteron und anderen männlichen Hormonen beteiligt. Nach dem 25. Lebensjahr sinkt der DHEA-Spiegel kontinuierlich. Langfristige Folgen sind ein geschwächtes Abwehrsystem und eine Abnahme der körperlichen Leistung. Eine Unterproduktion von DHEA und Testosteron führt häufig zu einem Östrogenmangel. Die sinkende Östrogenkonzentration im Blut kann die Gehirnleistung herabsetzen und die Knochenfestigkeit verringern, sodass der Patient an Osteoporose erkrankt. Reicht die in den Hoden gebildete Östrogenmenge nicht aus, wandeln Gehirn, Knochen und Fettzellen einen Teil des Testosterons in Östrogene um. Während der Wechseljahre kommt es aber nicht nur zu einer Verringerung der DHEA- und Testosteronbildung beim Mann.

Das Wachstumshormon Somatotropin wird ebenfalls in geringerem Umfang produziert. Dies zeigt sich beim Mann mit der Bildung von Fettpolstern, abnehmender Muskelmasse und Kraft und starkem Schwitzen. Somatotropin wird in der Hypophyse hergestellt und ist für das Muskelwachstum, den Aufbau fester Knochen und die Herstellung von Blutzellen verantwortlich.

 

Hormonstörungen bei der Frau

Hormonstörungen treten bei Patientinnen im gebärfähigen Alter oft als Zyklusstörungen auf. Bei ihnen kommt die Monatsblutung unregelmäßig, zu selten, zu oft, zu stark oder zu schwach. Oder sie hält zu lange an oder fällt komplett aus. Außerdem zählt man starke Regelschmerzen zu den Zyklusstörungen. Damit der weibliche Zyklus normal funktioniert, schüttet der Hypothalamus das Hormon GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormone) aus. Es sorgt dafür, dass die Hormone LH und FSH gebildet werden. Das LH (luteinisierende Hormon) und das FSH (follikelstimulierende Hormon) aktivieren in den Eierstöcken die Bildung der Sexualhormone Östrogen und Progesteron (Gelbkörperhormon). Diese sorgen dann dafür, dass der Eisprung stattfindet und die unbefruchtete Eizelle bei der Monatsblutung zusammen mit der überflüssig gewordenen Gebärmutterschleimhaut abgeht.

Die Einnahme der Antibabypille und Erkrankungen der Schilddrüse können das empfindliche Gleichgewicht zwischen den weiblichen Geschlechtshormonen stören. In diesem Fall kann es trotz des regelmäßigen Monatszyklus zu Zwischenblutungen kommen. Treten sie zum Zeitpunkt des Eisprungs oder kurz nach der Regelblutung auf, ist ein kurzfristiges Absinken des Östrogenspiegels schuld. Mehrere Tage vor der normalem Periode auftretende Schmierblutungen sind oft Folge eines Progesteronmangels.

Ein zu niedriger Androgenspiegel führt bei Frauen oft dazu, dass sie keine Lust auf Sex haben. Androgene ist der Überbegriff für männliche Geschlechtshormone. Sie sind in geringer Menge auch im weiblichen Körper vorhanden. Antibabypillen mit hohem Östrogengehalt können ein Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Sexualhormonen herbeiführen. Auch in anderen Phasen des Lebens ist der weibliche Körper hormonellen Schwankungen unterworfen (Pubertät, Wechseljahre, Alter). Weil Östrogen die sexuelle Entwicklung in der Pubertät steuert, kann ein Mangel an diesem wichtigen Hormon den Beginn der Pubertät hinauszögern. Bei zu früh auftretender Östrogenfreisetzung kommt es zur vorzeitigen Geschlechtsreife.

Das PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom) kommt ebenfalls durch einen gestörten Hormonhaushalt zustande. Bei ihm verstärken sich mehrere hormonelle Regelkreise gegenseitig. Es kommt zur übermäßigen Bildung von Androgenen, die Zyklusstörungen verursacht. Die Patientinnen haben verlängerte Monatsblutungen oder überhaupt keine (Amenorrhoe). Weil das PCO-Syndrom oft mit einer zu starken Insulinausschüttung kombiniert ist, leiden die Patientinnen zusätzlich an einem Diabetes mellitus (Insulinresistenz). Sie haben eine männliche Körperbehaarung, Akne, Adipositas, Haarausfall und sind oft unfruchtbar.

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist unter Frauen im gebärfähigen Alter weit verbreitet. Die damit einhergehenden Beschwerden treten einige Tage vor der Monatsblutung auf und werden durch das Zusammenwirken von Sexualhormonen und psychosozialen Faktoren verursacht. Psychische und physische Belastungen bewirken einen Progesteronmangel. Wichtigste Symptome des PMS sind schmerzende und angeschwollene Brüste, Bauchschmerzen, Schwellungen in den Beinen und Depressionen. Progesteronmangel tritt jedoch nicht nur im Zusammenhang mit dem prämenstruellen Syndrom und bestimmten Formen von Zyklusstörungen auf. Auch Mädchen kurz vor der Pubertät und Frauen zu Beginn der Wechseljahre leiden unter einer eingeschränkten Progesteronbildung.

Das Cushing-Syndrom betrifft beide Geschlechter. Die für die Erkrankung typische übermäßige Bildung von Cortisol ist meist Folge eines gutartigen Hypophysentumors. Nebennierentumoren (Adenome, Karzinome) können die Cortisolherstellung zusätzlich steigern. Patienten mit Cushing-Syndrom nehmen am Körperstamm stark zu. Die Extremitäten bleiben allerdings weiterhin schlank. Typisch sind Hamsterbacken, Vollmondgesicht und Aknepickel. Im Bereich von Hüfte und Bauch zeigen sich rötliche Dehnungsstreifen. Weibliche Patienten haben oft eine männliche Körperbehaarung. Der zu hohe Cortisolspiegel schwächt die Muskelkraft und lässt die Blutgefäße langfristig brüchig werden. Er sorgt darüber hinaus für Stimmungsschwankungen und kann einen Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Osteoporose und Herzschäden zur Folge haben.

 

Behandlung spezieller Hormonstörungen

Leidet ein männlicher Patient an Testosteronmangel, verschreibt der Arzt ihm Testosteron in Form von Kapseln oder Gel. Alternativ können auch Testosteron-Injektionen erfolgen. Diese werden zwei- bis dreimal pro Woche oder mehrere Male monatlich verabreicht. Männer mit Gynäkomastie erhalten ebenfalls Testosteron oder einen Östrogenblocker. Außerdem kann die Vermeidung von Nahrungsmitteln mit versteckten Östrogenen zur Reduzierung der Männerbrust beitragen. Bleibt die medikamentöse Therapie erfolglos, kommt nur noch eine operative Verringerung des Brustdrüsengewebes infrage.

Frauen, die an Zyklusstörungen leiden, verordnet der Arzt im Fall eines Progesteronmangels Gestagen. Das in den Kapseln befindliche Gestagen wird entweder synthetisch hergestellt oder besteht aus natürlichem Gelbkörperhormon. Von einem Progesteronmangel verursachte schmerzhafte oder zu starke Monatsblutungen lassen sich mithilfe einer Östrogen-Gestagen-Kombinationstherapie bessern. Zwischenblutungen können mit dem Einsetzen einer Progesteronspirale oder durch die Einnahme von Östrogenen beseitigt werden, wenn sie Folge eines Östrogenmangels sind.

Das PCO-Syndrom wird entsprechend seinem Leitsymptom behandelt. In der Regel liegt der Schwerpunkt auf der Hormontherapie. Antiandrogene helfen, den übermäßigen Haarwuchs und die Zyklusstörungen zu regulieren. Wird das Cushing-Syndrom von einem Hypophysentumor ausgelöst, muss dieser chirurgisch entfernt werden. Bessern sich die Beschwerden trotzdem nicht, erhält der Patient cortisolhemmende Medikamente oder eine Strahlentherapie. Lässt sich die Hormonproduktion auch damit nicht eindämmen, werden beide Nebennieren operativ entfernt. Anschließend ist eine lebenslange Substitutionstherapie erforderlich.

 

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