Abführmittel - Anwendung und Nebenwirkungen

Der Urlaub hat gerade begonnen und pünktlich beginnt der Darm zu streiken. Das ist nicht ungewöhnlich, denn das Verdauungsorgan ist aus dem Takt geraten. Zeitverschiebung, höhere Temperaturen, weniger Bewegung – all dies sind Faktoren, die Verstopfung begünstigen.

Die einen warten, bis sich der Darm an die neuen Begebenheiten angepasst hat, andere greifen zu Abführmitteln, damit sie sich schmerzfrei und regelmäßig entleeren können. Doch nicht nur im Urlaub, auch nach einer Krankheit, in der Schwangerschaft, durch Ernährungsumstellungen, als Nebenwirkung verschiedener Medikamente, im Alter oder bei Kindern treten Verstopfung häufig auf und machen Abführmittel nötig.

Doch was sind Abführmittel genau? Wie wirken sie im Körper? Aus welchen Gründen werden Abführmittel verordnet? Und welche Nebenwirkungen gehen von Abführmitteln aus? In diesem Beitrag speziell über Abführmittel können Sie sich schlau machen.

 

Was sind Abführmittel?

Abführmittel werden in der Medizin als Laxantien bezeichnet. Sie dienen dem Zweck, einerseits Verstopfungen zu lösen und andererseits die Darmtätigkeit anzuregen. Es gibt eine Vielzahl von Abführmitteln auf dem Markt, die in ganz unterschiedlicher Weise im Körper wirken. Während natürliche Abführmittel meist sanft sind, wirken verschreibungspflichtige Laxantien oft stark.

Abführmittel sind nicht für den langfristigen Gebrauch bestimmt, sondern nur zur vorübergehenden Behandlung von Verstopfung. Um eine chronische Darmträgheit zu therapieren und die Stuhlkonsistenz langfristig zu verbessern, bedarf es einem umfassenden Maßnahmenplan, der vor allem eine Ernährungsanpassung und mehr Bewegung vorsieht. Abführmittel können zu Beginn der Maßnahmen unterstützend eingenommen werden.

 

Welche Arten von Abführmitteln gibt es?

Abführmittel bewirken auf unterschiedliche Art eine Darmentleerung. Prinzipiell lassen sich Laxantien in Quell-, Füll- oder Gleitstoffe sowie motilitätsbeeinflussende und antiabsortive Mittel einteilen.

 

Quellmittel

Quellende Laxantien wirken osmotisch. Das bedeutet, sie binden eine Menge Wasser und vergrößern so den Stuhl. Durch den hohen Flüssigkeitsgehalt des Stuhls wird dieser weich und gleitfähiger. Die meisten Quellmittel sind natürlichen Ursprung: Leinsamen, Flohschalen, Trockenpflaumen oder Agar-Agar. Doch es existieren auch synthetische Quellmittel zum Abführen, beispielsweise Carboxymethyl-Cellulose. Quellende Laxantien benötigen mehrere Tage, bis die gewünschte Wirkung eintritt. In diesem Zeitraum müssen Betroffene unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, da es andernfalls zu einem Darmverschluss kommen kann.

 

Gleitmittel

Gleitmittel wie Paraffin oder Docusat-Natrium verbinden sich nicht mit dem Stuhl, sie bilden einen Gleitfilm auf der Oberfläche der Darmschleimhaut. Dadurch kann der Kot besser und schmerzfreier ausgeschieden werden. Diese Art Laxantien werden verordnet, wenn die Motilität (Darmbewegung) im Normalbereich liegt, die Sekretion natürlicher Gleitmittel jedoch verringert ist. Gleitmittel als Zäpfchen oder Klistier wirken bereits nach wenigen Stunden.

 

Füllmittel

Arzneimittel wie Glaubersalz oder Bittersalz zählen zu den salinischen Füllmitteln, Medikamente auf Basis von Zucker (Mannitol, Sorbit, Lactose, Lactulose) zu den saccharotischen Füllmitteln. Das Prinzip beruht auf dem Anreichern des Stuhls mit Wasser. Füllmittel bewirken, dass die enthaltenen Elektrolyte (Salz oder Zucker) den Wassereinstrom in den Darm begünstigen und dadurch den Stuhl aufweichen.

Weil Menschen nach der Einnahme von Füllmitteln zur Regulation des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes ausreichend trinken müssen, sind diese Laxantien nicht für Nierenerkrankte geeignet. Die meisten Füllmittel können in geringeren Dosen schon bei Kindern, in der Schwangerschaft oder für die Langzeittherapie angewendet werden. Füllmittel werden oral aufgenommen und erreichen den Darm erst nach 8 bis 20 Stunden. Daher tritt die Wirkung verzögert ein.

 

Motilitätsbeeinflussende Mittel

Sogenannte Prokinetika wirken auf die Muskulatur des Darms und steigern die Vorwärtsbewegung. Infolgedessen wird der Inhalt des Verdauungstraktes schneller ausgeschieden.

Aufgrund der Hemmung der Rückwärtsbewegung kommen Prokinetika auch zur Unterdrückung von Erbrechen zum Einsatz. Durch die schnelle und starke Wirkung der Prokinetika ist eine Applikation nur nach operativen Eingriffen oder beim Einsatz starker Opiate vorgesehen. Verschiedene Zäpfchen und Klysmen (Einlauf) bewirken ebenfalls eine Steigerung der Darmmotilität. Vor allem Arzneimittel mit Glycerin, Sorbitol oder Natriumhydrogenphosphat sind auf dem deutschen Markt vertreten. Der Defäkationsreflex wird bereits wenige Minuten nach dem Einführen in den Darm ausgelöst. Daher werden sie vor allem dann benötigt, wenn eine rasche Darmentleerung herbeigeführt werden soll.

 

Antiabsortive Mittel

Eine ähnliche Wirkung wie Füllmittel bewirken auch antiabsortive Mittel. Sie setzen ihre Wirkstoffe direkt an der Darmwand frei. Wie eine Art Barriere blockieren sie die semipermeable (nur Richtung Blut durchlässig) Membran, sodass wichtige Elektrolyte aus der Nahrung nicht mehr ins Blut abgegeben werden können. Weil der Körper immer versucht, hohe Elektrolytkonzentrationen zu verdünnen, strömt Wasser in den Darm ein und erweicht den Stuhl. Das im Darm gesammelte, salzhaltige Wasser beeinflusst zudem auch die Motilität. Daher wird die Stuhlentleerung gleich doppelt leichter.

Zu den antiabsortiven Mitteln zählen vor allem Bisacodyl und Natriumpicosulfat.

Doch auch in der Natur sind antiabsortive Mittel zu finden: Rizinusöl, Faulbaumrinde, Kreuzdornbeeren, Sennesblätter oder Aloe. Je höher die Wirkstoffkonzentration in den Arzneimitteln ist, umso schneller setzen sie ihre Wirkung frei.

Die meisten Präparate aus dieser Gruppe sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, aufgrund der eingeschränkten Kontrollierbarkeit in Bezug auf Wirkeintritt, Wirkintensität und Wirkdauer jedoch nicht für Kinder geeignet.

 

Verstopfung ist die häufigste Indikation für Abführmittel

Die meisten Menschen nehmen Abführmittel bei akuter oder chronischer Obstipation ein. Eine Obstipation liegt dann vor, wenn weniger als 3 Stuhlgänge pro Woche stattfinden und der Kot eine harte Konsistenz aufweist, sodass die Defäkation nur mit starkem Pressen und unter Schmerzen möglich ist.

Doch bevor Laxantien zum Einsatz kommen, sollten die Ursachen für die Verstopfung abgeklärt werden. Denn wiederkehrende Verstopfungen können auch Symptom einer schweren Erkrankung sein. Zudem ist nicht immer jedes Abführmittel geeignet. Daher ist es ratsam, Obstipation nicht im Selbstversuch mit Abführmittel zu behandeln, sondern einen Arzt zu konsultieren. Dieser kann für einen begrenzten Zeitraum das geeignete Laxanz verschreiben und bei der Entwöhnung behilflich sein.

 

Verstopfung bei Babies und Kleinkindern

Während einige Babys, die gestillt werden, seltener Stuhlgang haben, ist bei anderen durch die Flaschennahrung fast täglich Kot in der Windel. Und wie bei Erwachsenen auch, sind Veränderungen der Farbe vollkommen normal.

Grundsätzlich gilt, solange die Säuglinge keine Probleme bei der Defäkation haben, ist alles in Ordnung. Die Einführung von Beikost (besonders Karottenbrei), Flüssigkeitsmangel im Sommer, Krankheiten oder seelische Belastungen können jedoch Verstopfungen begünstigen. Dann ist Rat durch den Kinderarzt sinnvoll. Einige Laxantien sind bereits ab einem Körpergewicht von 7 kg zur Einnahme geeignet.

 

Verstopfungen bei Babies und Kleinkindern sind keine Seltenheit, und in der Regel nicht bedenklich. Die kleinen Menschen gewöhnen sich für gewöhnlich noch an die Nahrung.

Verstopfung bei Schulkindern

Verstopfung im Schulalter kann sich auf sehr unterschiedliche Weise zeigen: Blähbauch, Bauchkrämpfe, verringerter Stuhldrang oder schmerzhafte Ausscheidungen.

Besonders kommt eine einseitige, ballaststoffarme Ernährung als auslösender Faktor in Frage. Doch auch Bewegungsmangel, fieberhafte Erkrankungen, Entzündungen der Analschleimhaut und seelische Belastungen spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung. Neben der Behandlung der Ursachen ist es auch nötig, mit kurz- und mittelfristigen Laxantien die Obstipation zu therapieren.

 

Verstopfung im Alter

Viele ältere Menschen sprechen nicht gerne darüber, doch Obstipation ist ein wichtiges Thema bei den über 60-Jährigen. Dabei sind wiederkehrende Verstopfungen nicht ungewöhnlich, denn durch die nachlassende Elastizität des Bindegewebes kann sich der Darm im Alter mehr ausdehnen, sodass der Stuhl länger dort verweilt.

Infolgedessen wird dem Stuhl mehr Wasser entzogen und er kann schwieriger ausgeschieden werden. Zudem nehmen viele ältere Menschen Medikamente ein, die als Nebenwirkung den Darm träge werden lassen. Auch Bewegungsmangel, verringertes Durstgefühl und damit einhergehender Flüssigkeitsmangel sowie falsche Ernährung im Alter können Faktoren sein, die zu Verstopfung führen.

Viele Abführmittel können jedoch zur Linderung der Beschwerden eingenommen werden. Zudem sollten Betroffene aber auch die auslösenden Faktoren beheben, um nicht dauerhaft auf Laxantien angewiesen zu sein.

 

Verstopfung in der Schwangerschaft

Verstopfungen in der Schwangerschaft gehören zu den typischen Beschwerden und betreffen rund 1/3 aller Frauen, besonders im letzten Trimester. Die Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron setzen die Muskelspannung herab, sodass auch die Muskelaktivität des Darms abnimmt und zur Darmträgheit führt. Zudem schränkt die stetig wachsende Gebärmutter die Aktivität des Darms erheblich ein, sodass der Stuhl aufgrund des hohen Wasserentzugs sehr hart wird.

Wenn Frauen auch Eisenpräparate einnehmen, begünstigen diese ebenso Verstopfungen. Doch es gibt viele pflanzliche und einige synthetische Mittel, die für Abhilfe sorgen und unbedenklich für den Fötus sind.

 

Weitere Gründe für den Einsatz von Abführmitteln

  • vor einer Operation am Darm oder einer Darmspiegelung
  • bei Hämorrhoiden
  • bei Analfissuren
  • bei der Slow-Transit-Disease (lange Darmpassagezeiten)
  • bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität
  • bei Patienten, die mit Opiaten behandelt werden

 

Anwendung von Abführmitteln

Wenn der Arzt nach einer gründlichen Anamnese und Untersuchung die Behandlung mit Abführmittel für sinnvoll hält, dann sollten sich Betroffene bei der Anwendung unbedingt an die Hinweise der Packungsbeilage halten.

In der Regel genügt es, ein Präparat nur einmalig einzunehmen. Bei Zäpfchen und Klysmen ist es sinnvoll, sie in Ruhe in der Nähe einer Toilette anzuwenden, da die Wirkung sehr schnell einsetzt. Für Tabletten, Lösungen und Pulver ist es empfehlenswert, diese am Abend zu applizieren, da mindestens 8 Stunden bis zum Wirkeintritt vergehen. Wichtig ist immer eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, unabhängig von der Art des Abführmittels.

 

Nebenwirkungen von Abführmitteln

Werden akute Verstopfungen behandelt, ist es möglich, dass sich Blähungen, Bauchschmerzen oder Übelkeit einstellen. Wenn Durchfall auftritt, ist das ein Zeichen für eine Überdosierung oder für eine zu häufige Anwendung. In der Regel verschwinden diese Nebenwirkungen jedoch nach wenigen Stunden wieder.

Doch auch die dauerhafte Anwendung von Abführmitteln ist nicht unbedenklich. Denn die wiederkehrende Ausscheidung wichtiger Elektrolyte und Wasser kann zu Blutdruckabfällen, Herzrhythmusstörungen, Reflexausfällen, Muskelschwäche oder Erbrechen führen. Zudem beeinflussen Laxantien durch den Eingriff in den Elektrolyt-Wasser-Haushalt des Körpers auch die Wirkung anderer Medikamente.

Bei manchen Menschen lässt sich nach der langfristigen Anwendung von Laxantien ein Gewöhnungseffekt feststellen. Der Darm der Betroffenen ist so erschlafft, dass er ohne den äußeren Reiz nur noch sehr schwer arbeitet. Bei medizinischer Notwendigkeit müssen Ärzte dann auf ein anderes Präparat umstellen. In manchen Fällen hilft es jedoch, die Abführmittel auszuschleichen und durch Ernährungsumstellung und Bewegung der Verstopfung zu begegnen.

Vor allem ältere Menschen leben in dem Irrglauben, dass sie täglich ihren Darm entleeren müssen. Dabei ist es auch völlig normal, nur 3 mal pro Woche zur Toilette zu gehen. Solange die Defäkation schmerzfrei ist und die Konsistenz normal, sind keine Laxantien notwendig. Denn insbesondere bei älteren Menschen treten durch Abführmittel manchmal stärkere Nebenwirkungen auf.

Immer wieder werden Abführmittel zur Gewichtsreduktion oder zur Einleitung von Fastenkuren herangezogen. Doch dafür sind Laxantien weder konzipiert noch geeignet. Bei der missbräuchlichen Anwendung wird lediglich der Darm entleert, was sich als kurzzeitige Gewichtsreduktion von etwa 2 kg bemerkbar macht. Doch die Verwendung von Abführmitteln zum Zweck der Gewichtsreduktion oder Fastenkur birgt hohe Gefahren. Denn der Verlust von Elektrolyten und Wasser kann schwere Nebenwirkungen zeigen.

 

Fazit

Abführmittel sind natürliche oder synthetische Mittel, die dazu führen, dass sich der Darm entleert. Die häufigste Ursache für die Einnahme von Abführmitteln sind Verstopfungen. Ob Säuglinge, Kinder, Schwangere oder ältere Menschen – Obstipation kann jeden treffen. Zur kurzzeitigen Linderung oder einer mittelfristigen Therapie können die meisten Abführmittel helfen. Die langfristige Einnahme hingegen ist mit einigen Nebenwirkungen verbunden.

Die sogenannten Laxantien können oral eingenommen oder als Zäpfchen oder Klistier über den After eingeführt werden. Orale Medikamente wirken erst nach mehreren Stunden, bei anal applizierten Medikamenten tritt der Effekt innerhalb weniger Minuten ein.

Wie andere Medikamente auch, sollten Abführmittel nicht ohne Weiteres verabreicht werden. Denn oftmals ist die Obstipation Symptom einer Erkrankung, die ebenfalls behandelt werden sollte. Ein Arzt kann den Grund für die Verstopfungen klären und die geeignete Art von Abführmitteln vorschlagen.

 

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